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Montag, 14. April 2008
Montags fängt das Jahr neu an: jede Woche Silvester (Lesson 6 & 7)
Von Birtes Viechblog, 20:16

... oder auch: drei Reitlehrer sind zwei zu viel!

Hallo zusammen,

nachdem ich ja nun schon mehrfach gefragt wurde, wann ich denn gedenke, mich hier wieder zu meinem Reitunterricht zu äußern (ich danke für das Interesse Küsschen ), will ich dem nun gerne folgen. Letzte Woche war ich sehr schreibfaul, deswegen gibt es heute nun eine Zusammenfassung der letzten beiden Wochen (und deswegen wird es auch wieder ziemlich lang).

Ich hatte mit meiner Reitschule ja einen Deal geschlossen: eigentlich haben sie morgens keine Reitstunden, da sich aber ab und an der Montag morgen so für mich anbietet kann ich gerne kommen, dann werde ich aber (zu der Zeit reiten sie ihre Pferde selbst) vom Pferd aus korrigiert. Dafür muss ich dann nicht die teuren Einzelstunden zahlen. Ich war gespannt auf dieses (für mich neue) Arrangement. Nach zwei Montagen muss ich sagen: kann man so machen... Muss man aber nicht! Augenbrauen

Aber beginne ich von vorn:

Letzte Woche komme ich (fast, die Autobahn war etwas voll) zur verabredeten Zeit auf den Hof gefahren und kaum habe ich einen Fuß aus meinem Auto gesetzt schallt es auch schon aus dem Büro "Mach Dir mal den Silvester fertig!" Gerufen, getan.

Silvester mag ich echt gerne: er ist nett, ehrlich, nicht sooo groß und nicht so schwer zu reiten, außerdem lässt er sich gut sitzen. Er ist halt nur etwas triebig. Und irgendwie isser mir auch schon ans Herz gewachsen.

Statt um halb, sitze ich erst um zehn auf dem Pferd. Ich musste noch etwas warten, weil der Juniorchef noch auf einem jungen Pferd, das dieses offensichtlich weder besonders gut kannte und es offenkundig auch nicht wirklich genoss, ritt. Das sah nicht ganz unspektakulär aus...

Er ist noch in der Bahn, in der Mitte stehen zwei Azubis und ich frage eine freundlich, ob sie mir wohl gegenhalten würde? Klar, sagt sie, macht sie gern und verschwindet neben meinem Pferd. Ich gurte also nach und schwinge mich hoch, sitze ein und geschockt "Huch!" da steht gar keiner... Das mag ja jetzt doof klingen, aber: ich bin seit Jahren nicht mehr ohne Aufstieghilfe oder jemanden zum Gegenhalten auf ein Pferd gestiegen. Das halte ich erstens eh für wichtig wegen des Zusammentreffens von Pferderücken und Birtegewicht und zweitens... Nun: ehrlich gesagt hatte ich immer Schiss, dass mir der Sattel entgegenkommt, wenn ich mich da hochhieve (das' mir n' bisschen peinlich)... Augen rollen

Das erste Erfolgserlebnis des Tages: ich komme aufs Pferd! Ich habe vernünftig gegurtet! Mir ist kein Sattel entgegen gekommen. Ich schaffe es also auch im Notfall alleine auf ein Warmblut! Ha! Freak

Die Azubine hatte im Übrigen nicht mitbekommen, dass ich schon so weit war, sie stand ein paar Meter neben dem Pferd und machte eine genauso verblüffte Mine wie ich. Augenzwinkern

Drei Reitlehrer reiten fleißig ihre Pferde und ich fange an, meines und mich warm zu reiten. Nach einer geraumen Weile bekomme ich die ersten Korrekturen der RL bei A. "Vorwärts reiten! Schön und noch mehr und immer mehr treiben..." Silvester scheint genauso montagsmüde wie ich es bin.

"Mach den mal wach! Ja, genau! Wenn Du Dich nicht von Anfang an bei ihm durchsetzt, dann läuft der dir den Rest der Zeit auch nicht..." Puh... Merk ich schon.

Ich kreisel durch die Gegend und komme immer noch nicht in der großen Halle klar. Im Galopp weigert sich Silvester standhaft, auf den Zirkel zu gehen. Gips jawohl nicht! Nochmal!
RL bei A: "Du musst schon auch in die Richtung gucken, in die du reiten willst, so klappt das nicht!" Wie Recht sie hat...

Silvester und ich einigen uns über die Richtung: es ist mehr ein Ei, aber es geht einigermaßen. Ich pariere durch und übe meine "Haufaufgabe Schenkelweichen". Uuuuuund: *tusch* Es klappt, ich krieg mich wieder sortiert, Silvester versteht was ich will, seitwärts klemmt's nicht mehr. Innerlich jubel ich. An der nächsten langen Seite gleich nochmal.

RL bei X: Na, siehste, klappt doch. *freu*

Eine Runde weiter. Also, an der nächsten langen Seite wieder.

RL bei A: Nenene, lass denn mal nur ab und an ein paar Tritte übertreten, das reicht völlig. Menno... Ich hab doch gar nich so oft und so lang... unglücklich

Nach einer Weile galoppieren wir wieder. Reiter 2 x Zirkel, ganze Bahn.

RL bei X: "Prima, Birte, seeehr schön, sieht doch schon gut aus!" Springen

RL bei A: "Hömma Birte, reit mal keine Kilometer! Nur, weil der sich im Galopp so schön sitzen lässt... Reit lieber schöne Übergange!" *durchparier* *Übergänge reite* Schritt-Trab-Schitt-Trab-Galopp-Trab-Galopp-Schritt.

RL bei C bölkt: "JETZT LASS DEN DOCH MAL ENDLICH VORWÄRTS GEHEN UND PARIER NICHT WEGEN JEDEM SCH*** DURCH!!! Der muss mindestens 10 Runden laufen. HERRJEE! DER TRABT DIR JA SCHON FAST WIEDER!"

Also, jetzt mal in Echt (wie man so schön hier zu sagen pflegt)! Watt denn nu??? geschockt

Anstatt meinen Mund aufzumachen, reiche ich die innere Kündigung ein und beschließe, selbst zu entscheiden, was und wie ich den Rest der Stunde reiten will.

Diese Idee ist aber nur semi-gut, denn RL bei C hat mich von nun an genau im Visier. Das ist auch gut so, denn mit meinem eigenständigen Rumhampeln komme ich den anderen (RL N° 4 ist mittlwerweile mit neuem Jungpferd in der Bahn und bittet mich, nicht zu nah aufzureiten) in die Quere. Augen rollen Der Senior (RL bei C) ruft (mit freundlicher Intonation): "Birte, kommst Du mal zu mir?" Natürlich. Angekommen fragt er in nicht minder freundlichem Ton: "Sag mal, kennst Du eigentlich die Bahnregeln?" Ich krieg soooo eine Bombe!

"Ja", sag ich kleinlaut, "natürlich, aber..."
"Ok, wie lauten sie denn?"

DER FRAGT MICH AB!!! geschockt

Da steht man da, gestandene fünf mal sieben (plus eins), eine beruflich nicht unerfolgreiche, auch ansonsten im Leben stehende, interessierte, nicht gerade ungebildete junge Frau - man steht da also mit diesem Backround und leiert wie ein Schulmädchen herunter: "Rechte Hand weicht vor linker Hand und Zirkel weicht vor ganzer Bahn, und Schritt vor Trab und Galopp, und wer nicht arbeitet weicht allen anderen sowieso..." "Genau", werde ich gelobt "und wie viel Platz lässt man zum ersten Hufschlag?" "Ja, ähm, so viel" *zeig* Das Schlimme ist: der ist echt nicht doof dabei. Ich fühle mich zwar wie ein kleines Mädchen, aber er verhält sich echt nicht doof. Das ist völlig al dente. Und ich bau ja auch den Mist... Von daher...

Ich beginne, mich zu rechtfertigen. Die Bahnregeln kenne ich aus dem Effeff, aber wenn meine Rübe nach unten hängt, dann seh ich die anderen zu spät... Er grinst und meint, das das ein nicht unübliches Problem sei, er selbst habe damit zu kämpfen. Ich solle mir einfach vornehmen, die Hallenlampen zu bestaunen, dann klappt's auch mit dem richtig gucken. Wie Recht er doch hat... Und das war dann ja auch schon wieder irgendwie süss. Kiss

Uns schon ist die Stunde auch schon wieder vorbei. Silvester und ich sind beide gut geschwitzt und laufen uns trocken. Irgendwie hatte ich das Hausturnier (wo ich doch so nett gefragt wurde...) immer noch im Hinterkopf und sage ganz nebenbei zum Juniorchef, dass ich am Samstag doch nicht arbeiten müsse und beim Turnier auftauchen werde...
...

???

Entweder er ist auf dem Appellohr taub (das sind ja die meisten Männer), oder ich bin ich der Botschaft zu uneindeutig (das sind ja die meisten Frauen), oder aber meine Vorstellung war heute weit unter Niveau. Man weiß es nicht. Da außer einem freundlichen Lächeln nix von seiner Seite kommt, hat sich das Thema "Turnier" für mich endgültig erledigt.

Am Samstag war ich dann natürlich gucken - und froh über diese Entscheidung. großes Grinsen

Heute morgen war es dann wieder so weit. Ich weiß nicht, welcher irre Hund mich geritten hat, dass ich mir einen Reitstundentermin geben lasse, der uhrzeittechnisch (Anfahrt hinzugerechnet) noch vor meinem sonstigen Dienstbeginn liegt (Anfahrt hinzugerechnet). Das werde ich demnächst ändern. Wo ich doch so schon immer so schlecht aus den Federn komme...

Angekommen guckt der Juniorchef, wieder auf dem jungen Stute der letzten Woche sitzend, etwas entgeistert (haben die mich vergessen??? geschockt ) und meint meiner angesichtig nur: "Oh, ach ja, Silvester, oder so..." "Oder so" bin ich noch nicht geritten, aber mit Silvester bin ich sofort einverstanden.

Aber, hey, Jungs, ich lob Euch allenthalben über den grünen Klee, ob der bis dato so planvoll wirkenden Reitstunden...

Ich hole mir also Silvester. Fertig gemacht, bisschen geschmust, aufgesessen, losgeritten. Man redet kaum mit mir (was ich nicht schlimm finde, weil ich mich nach einer reitfreien Woche erst einmal wieder einfummeln muss). Vorwärts, rückwärts, seitwärts - geht. Alle drei Gangarten auch. Finde ich! Heute sind zwar nur zwei Reitlehrer in der Bahn, aber der Juniorchef reitet mehr seiner eigenen Wege. Er korrigiert vor allem meine Handhaltung. Der Seniorchef hingegen will wieder, dass ich mehr vorwärts reite. Manchmal klappt das auch, aber längst nicht immer. Silvester und ich können und wieder nicht auf den Zirkel einigen... böse "Reit den Zirkel mit Gewicht und Bein und lass den Zügel weg!!!" Ups. "DEN ZÜÜÜÜGEL! HÄNG DICH DA NICHT SO REIN UND LASS DEN LAUFEN!!!" Ja, doch, wenn er's so haben will, nehm ich meine dicke Kiste aus dem Sattel und treib so doll ich kann. "Gut, aber jetzt auch wieder zum Sitzen kommen!" Silvester kann tatsächlich ziemlich frisch werden, stelle ich erstaunt fest. Der Senior lobt mich. Und darauf bin ich dann echt stolz! Er meint, alles in allem sei das doch schon ganz gut geworden. Engel
Die nächste Korrektur lässt natürlich nicht lange auf sich warten: Absatz tiefer, federnder und das dann gleich auch als treibende Hilfe einsetzen. Ich bemühe mich leidlich, das umzusetzen. Zwischendurch gelingt es mir sogar, alles zusammen koordiniert zu kriegen.

Ich reite wieder eine Weile vor mich hin und versuche mich größenwahnsinnig im Trab am Schulterherein. Hatte mir keiner gesagt, hat aber auch keiner gesehen. Gut so. Das war nix, das heben wir uns für später mal auf... unglücklich

Mittlerweile kommen zwei mir fremde Menschen mit ziemlich flippigen (augenscheinlich auch noch sehr jungen) Pferden in die Bahn. Obwohl die etwas kamikazemäßig reiten verursache ich keine (naja, einmal fast) Karambolage! Gucken hilft ungemein! Freude
Das eine Pferd erschrickt sich fürchterlich in einer Ecke und als Silvester und ich dort vorbei reiten, sieht auch er ein grünes Hallenmonster dort! Na, guck an: das ist ja doch ein Pferd! Ein richtig lebendiges sogar. großes Grinsen
Da hat die Birte ja auf einmal Spaß. Die Frage, ob man da vorbei müsse, beantworte ich mit einem klaren "Ja!" und gewinne.

Hab ich mal erwähnt, dass ich eigentlich eine mega schissige Reiterin bin? Man darf mir nie nich sagen, ein Pferd neige dazu, zur Seite zu springen. Dann sitze ich drauf, wie ein verkrampftes Huhn. Sitze ich allerdings auf einem Pferd, das nie nich zu irgendwas etwas sagt, finde ich es bald etwas langweilig und freue mich, wenn wieder etwas Leben hinein kommt. Ich bin irre, ich weiß.

Heute schaffe ich es zum ersten Mal, die Bahnpunkte zu treffen und einigermaßen saubere (also, abgesehen vom Zirkel) Hufschlagfiguren zu reiten (zum ersten Mal z.B. sauber durch die ganze Bahn wechseln) und sogar die ganze Bahn gerade auf dem zweiten Hufschlag (60m! Dance ) zu bleiben, so ich das will. Ich bin zufrieden.

Der Senior reitet derweil einen wirklich unglaublich schönen Ponyhengst. Der haut mich fast um, so schön ist der. Glänzend Kastanienbraun mit dichtem, ganz langen schwarzen Behang und erstaunlicher Knieaktion.
Ich spreche den Senior an, dessen Brust vor Besitzerstolz fast platzt. "Könnte als Spanier durchgehen, oder?" Aber hallo! Ist aber dennoch "nur" deutsches Reitpony. Ich bin beeindruckt.

Heute gibt es eigentlich außer "TREIB IHN!" nicht so viel zu berichten. Es passt diensttechnisch ganz gut: nächsten Montag kann ich nicht. Es wird also (leider *seufz*) bis Ende der kommenden Woche dauern, bis ich wieder eine Reitstunde dort habe. Aber die nehme ich dann wieder abends. Eben in einer "richtigen" Reitstunde. Nicht, dass das in den beiden letzten nix gewesen wäre, aber ich glaube, in der (kleinen) Gruppe bringt mir das mehr. Und ganz Einzel kann ich mir nicht leisten... Augenzwinkern

Vielleicht wird es sinnvoll sein, das zu kombinieren: also ein übers andere Mal morgens und viel für mich machen und sonst in die Reitstunde. Schaun' 'mer mal... Rauchen

Ich danke Euch für Euer Auge! Respekt

Liebe Grüße

Fidelma

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Freitag, 04. April 2008
... und nächste Woche auf's Turnier?
Von Birtes Viechblog, 23:50

Hallo Zusammen,

nee, keine Sorge, das wird jetzt kein irrwitziger Bericht aka "Wie wird man Turnierreiter in fünf Tagen?" - auch wenn ich mich extreeeem gebauchpinselt fühle (dazu unten mehr) - nein, ich erzähle von meiner heutigen Reitstunde.

Im Moment bin ich von neugierigen Menschen umschwirrt, die mich gerne begleiten. Das ist für mich ganz praktisch, weil ich so immer jemanden zum Gegenhalten und so habe... Augenzwinkern Heute begleitete mich die Freundin, der ich das eigentlich alles zu verdanken habe, weil sie mir letzten Sommer meine Reitschule zeigte. Kiss

Meine Freundin berichtete mir schon auf dem Hinweg, dass da heute am Stall mit Sicherheit eine Menge los sei, da morgen Kreisjugendmeisterschaft wäre und die dort drei Mannschaften genannt hätten. Sie weiß sowas irgendwie immer. Ich hingegen war einfach nur aufgeregt und völlig uninformiert, weil ich die ganze Woche auf Dienstreise war. Und müüüüüde war ich. Mein Sinn war schon auf "Pferd" geeicht, aber nach "Arbeit" war mir so gaaar nicht zu Mute. Schlaf

Angekommen stellte ich erfreut fest, dass mir wieder der liebe braune Oldenburger (sein Name ist im Übrigen Silvester) von der ersten Stunde zugeteilt wurde.
Meine Freundin hatte Recht, es herrschte ein sehr emsiges Treiben: hier wurden Pferde eingeflochten, dort wurden Aufgaben geritten, andernorts wienerte man Sattelzeug.
Ob's an der anstehenden Meisterschaft oder an meiner (Ver-) Peilung lag: ich hatte fest im Kopf, dass die Stunde um sechs begönne und saß brav um Viertel vor auf dem Pferd. Ich ritt uns warm. Und wärmer. Und noch mehr. Und noch ein Ründchen. Ich begann zu schwitzen.
Um mich herum waren drei Ponyflitzer (solche von der gemeingefährlichen Sorte: die hier und da aus dem Nichts vor einem in einem irren Tempo auftauchen) und ein Mädel auf einem großen federnden Warmblut.

...

Hm. Wo ist der Reitlehrer?

...

Nebenan fängt die Reitstunde pünktlich an. Eine kleine Erwachsenenanfängergruppe. Ich frage höflich nach, ob ich vielleicht falsch bin und eigentlich da hinüber soll? Nene, ruft die Reitlehrerin herüber. Alles ok.

Ich reite weiter meine Kreisel und "Hausaufgaben" bezüglich der seitwärts treibenden Hilfen - aber letzteres klappt auch heute nicht wirklich. *grmpf* Silvester und ich hatten schon beim Aufsteigen ein kleines Zwiegespräch in dem ich, ich war ja auf seine Ruhe - aber auch Triebigkeit - gefasst, klarstellte, dass ich für heute gedachte, über Tempo, die Größe der Bahn etc. zu bestimmen. Vielleicht war es die Gerte unter meinem Arm, vielleicht aber auch mein mittlerweile gewachsenes Selbstvertrauen, das Silvester in ein sofortiges Einwilligen in dieses Agreement bewegte. DAS jedenfalls funktionierte heute. Meistens jedenfalls...

Die Zeit schritt voran und innerlich freute ich mich sogar in der losen Hoffnung, es gäbe vielleicht gar keine Stunde... Vielleicht hätte irgendwer in einem hohen Maße an Empathie gegenüber meiner verweichlichten Körper- und Geisteskraft ein Erbarmen mit mir? So nach dem Motto "lassen wir der Birte heute doch einfach mal ihren Spaß...". Hätte ich gaaar nix gegen gehabt. großes Grinsen

Um halb sieben beschloss ich dann, genug Sport für heute getan zu haben und sinnierte übers "Trockenreiten" nach (ich musste trocknen, das Pferd hatte kein nasses Haar). In jenem Moment schallt es durch die Bahn: "Sooooo! Fangen wir mal an..." Der Juniorchef steht in der Bahn.

Und dann ging es los. Und wie es los ging. Wir ritten durcheinander und ich wurde hier und da korrigiert. "Sag mal, wieso rutscht denn Dein Schenkel so zurück? Das ist mir bisher noch gar nicht so aufgefallen... Ob das am Sattel liegt...?"
Nun ja, das Thema "Schenkel an den Gurt" hatte ich ja bereits in der ersten Stunde mit seinem Schwiegervater. Vom Junior werde ich in nun den "Schumacher-Rennsitz" gesetzt (ich mag seinen Euphemismus! Dance ). Krasses Verhalten erfordere krasse Gegenmaßnahmen und im Lauf der Stunde rutschen meine Beine tatsächlich auch wieder weiter nach vorne an den Gurt. Auch meine Riesenbaustelle Schenkelweichen wird weiter unter die Lupe genommen. Dachte ich's mir doch: mit meinen Gewichtshilfen stimmt's einfach nicht. Ich belaste falsch. Irgendwann schaffe ich es wenigstens halbwegs, das Viereck zu verkleinern und wieder zu vergrößern. Da hab ich aber noch ne Menge vor mir, um das mal gescheit hin zu bekommen... Augen rollen
Außerdem, obwohl mir die Bahnregeln bekannt sind, verursache ich irgendwie immer wieder Beinahe-Karambolagen mit den Kamikazeponies. Reiter Mist.

Es wird eine Abteilung gebildet. Ich hänge mich hinter die Kinder und ihre Pferdchen und kann trotzdem nicht wirklich mithalten. *treib* *schwitz*
Wir gehen auf den Zirkel und galoppieren an. DAS klappt diesmal richtig gut (erinnert man sich daran, dass ich Silvester in der ersten Stunde kaum zu einem etwas flotteren Sprung bewegen konnte). "Schön, Birte, schööön! Seehr gut!" Ich wachse über mich hinaus.
Das muss ich auch, denn das Telefon klingelt und der Chef muss rangehen. Im Vorbeifliegen höre ich immer nur: "Ja, ok" - "Ich muss" - "Ich unter-" "Ich wer-" "Ja mach-" - und bete nur noch heimlich: Bitte, lass ihn auflegen, bitte, es reicht, bitte, ich kann nicht mehr!
Nach einer gefühlten halben Stunde heißt es dann endlich: durchparieren zum "Deeerapp". Puh! Ich warte auf die erlösende Schrittphase, die aber nicht folgt. Handwechsel, durch die halbe Bahn wechseln. Weiter im Trab (ich wieder leicht, ich kann nicht mehr, in meinem Kopf rauscht es). Und dann heißt es plötzlich "aufmarschieren!".

Es ist kurz nach sieben. Ich sitze seit mehr als eineinviertel Stunden auf Silvester. Ich bin froh. Es war gut, es ist vorbei...

Das korrekte Aufmarschieren wird geübt (ich steh zu nah am Tier rechts von mir) und gelobt wird erst, als alle so stehen, wie sie es sollen.
Mein Körper lechzt nach dem Kommando "Zügel aus der Hand kauen lassen" meine Ohren vernehmen statt dessen ein gebelltes: "GRÜßEN!"

Waaa? geschockt

Pflichtschuldigst schnellt meine Hand an den Helm und mein Haupt neigt sich.

"Wir reiten jetzt Aufgabe!"
*schluck*

Und so kommt Fidelma noch in den Genuss des Reitens einer E-Dressur. Und glaubt es, oder glaubt es nicht: allein der Grüßen-Befehl hat in mir alle letzten Reserven locker gemacht. Ich fühle mich wie in einer echten Turniersimulation (die es für meine morgen startenden Mitreiterinnen ja auch sein soll) und gebe mein Letztes.

Nach dem letzten Aufmarschieren sehe ich das grinsende Reitlehrergesicht vor mir: "Na? War doch gar nicht so schlecht... Magste beim Hausturnier mitreiten? Wir haben da auch ne Erwachsenengruppe..."

Wenn ich etwas nicht sofort will, hab ich da einen Reflex: ich antworte dann immer "Da muss ich arbeiten..." (was in 99,9 % aller Fälle auch stimmt!) Der Reitlehrer guckt etwas bedröppelt und mir wird jetzt erst klar, was der da gesagt hat und wie ich reagiert habe. Und eigentlich freue ich mich doch ganz dolle und fühle mich sooooo geehrt.

Aber wollen will ich trotzdem nicht.

Endlich dürfen wir trocken reiten und ich bekomme noch das wohl süßeste Bonbon des Tages. Eines der Pony-Mädchen (Sowas von süß! Neee, was 'ne Süße!), so vielleicht 12 Jahre alt, schließt zu mir auf und fragt schüchtern nach oben: "Wie lange reiten sie schon?" Ich überlege einen Moment, wie viel Ehrlichkeit auf diese Frage wohl angemessen ist (also, Pausen mit eingerechnet vom ersten Ponyritt an, roundabout dreißig Jahre...) und entscheide mich für ein diplomatisches: "Naja, schon ein paar Jahre, aber mehr im Wald. Hier habe ich meine fünfte Stunde..." - "Wieso fragst Du?"

"Och", strahlt es mich von unten an, "Sie machen das schon ganz prima..."

SÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜß! Kiss Kiss Kiss Kiss Kiss Kiss Kiss Danke.

Zu Hause angekommen habe ich dann dennoch mal geguckt, was mein Kleiderschrank in Richtung reiten so her gibt. Ich sag es mal so: mein Turniersakko (*) und mich trennen einfach noch mindestens 10 Kilo. Weinen Und die krieg ich bis nächste Woche (das Hausturnier ist nämlich morgen in einer Woche) definitiv nicht weg...
Aber träumen wird ja noch erlaubt sein, oder? Engel

Am Montag reite ich wieder, und wenn es Euch gefällt, dann schreibe ich auch etwas drüber. Rauchen

Ich habe geschwitzt wie ein Stier, ich habe gelitten wie ein Hund, ich merke jeden Muskel: Heute war's jedenfalls einfach ganz große Klasse. Freude

Liebe Grüße und gute Nacht Winken

Fidelma

* vor zwei Jahren im Wahn, bestimmt auch mal mein Abzeichen zu machen, als Belohung für damaligen WW-Erfolg erstanden

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Samstag, 29. März 2008
Fidelma lernt FÜHLEN
Von Birtes Viechblog, 16:59

Hallo liebe geneigte Leser,

Heute ist Samstag, Aldi-Einkauf ist erledigt, Wohnung ist nun sauber, die Waschmaschine verrichtet ihren Dienst auch ohne mein Beisein und zum Stammtisch düse ich erst in ein paar Stunden. Zeit also für einen neuen Bericht. Springen

Am Donnerstag bin ich wieder zum Reitunterricht ins nette Münsterland gefahren. Ich hatte schon am Dienstag meine teuer erkauften neuen "Reitkünste" daheim erproben dürfen.
Meine "alte" Reitlehrerin hatte sich ganz spontan gemeldet und ist mitgefahren, um sich den Stall, den Unterricht und die Pferde mal selbst anzusehen (sie sucht für sich selbst auch nach neuen Trainingsmöglichkeiten - außerdem war sie neugierig, was die da so mit mir anstellen Augenzwinkern ).

Diesmal unterrichtete mich Reitlehrer N° 4: der Schwiegersohn und Mitbesitzer der Anlage. Offenkundig bin ich nun offiziell in den erlauchten Kreis der regelmäßigen Reitschüler aufgenommen worden: ich wurde nach meiner Adresse und meiner Telefonnummer gefragt, außerdem wurde mir die Möglichkeit der Zahlung per Lastschrift oder Kredit- oder EC-Karte angeboten (geschockt kennt Ihr Reitschulen mit EC-Zahlungsmöglichkeiten? Ich - sonst - nich... Respekt ) und - das wertete ich als deutlichstes Zeichen: ich steh auf der Liste! Am Eingang hängt eine Liste der Reitschüler und wer wann welches Pferd zum Reiten bekommt.

Kurz gesagt: Ich bin drin! Rauchen

Auf der Liste stand dann also mein Name neben dem von "Macuba".
Aha... Das Tier ist (wie alles, was mir dort bisher begegnet ist) ein sehr artiges, größeres Warmblut. Fast, aber nicht ganz, so groß wie Amadeus.

Ein Bisschen unglücklich besehe ich mir das Pferd auf der Stallgasse: seine besten Tage hat es offenkundig schon hinter sich. Sie Sattellage sieht aus, als hätte sie schon mehr als einmal Satteldruck erlebt, die Beine, nun ja... Also, am liebsten hätte ich ihn mir ins Auto gepackt, ihn auf ne Wiese gestellt und gesagt: Jung, Du hast genug, mach Dir nen schönen Lebensabend! Trösten

Ich kann bei sowas ja immer schlecht aus meiner Haut.

Dennoch sattele ich, sitze so vorsichtig wie möglich auf, und wir schleichen los. Diesmal sind wir zu viert in der Stunde und haben die ganzen 20 x 60m (das ist aber echt groß und viiiel Platz! geschockt ) für uns. Ich reite, so lange es geht, für mich ganz alleine Schritt. Irgendwann trabe ich an. Der Reitlehrer, der derweil nur beobachtete, schaltet sich ein. Er ist ganz anders als sein Schwiegervater, etwas weniger fordernd, es herrscht eine sehr ruhige Atmosphäre. Auch sehr schön.

Er erzählt mir, das Tier unter meinem Po sei ihr ältestes Schulpferd (dachte ich's mir doch), ich solle mal raten. "24!" platzt es sofort aus mir raus und treffe damit den Nagel auf den Kopf. Mit alten Pferden kenne ich mich ja etwas aus. Augenzwinkern

Macuba sei ein ehemaliges erfolgreiches S-Springpferd, das heute aber nicht mehr viel leisten müsse. Ab und an trage er aber immer noch Reiter durchs Abzeichen. Der Grund, dass ich ihn heute reite sei folgender: ich soll lernen, mich auf die Bedürfnisse und Bewegungsmuster der einzelnen Pferde einzustellen und vor allem einzufühlen! Macuba ist tatsächlich ganz anders zu reiten, als die beiden Pferdchen, die mich zuvor getragen hatten. Langsamer, härter im Rücken, aber nicht triebig. Ich solle mal auf sein Tempo achten, mich darauf einlassen und vor allem auf seine Losgelassenheit hinarbeiten. Er könne und müsse (!) nicht mehr so schnell und viel wie die anderen tun, aber gerade durch die leichte Arbeit erhielten sie ihn gesund. Das leuchtet mir ein und macht mir die Reiterei auf dem Tier wieder deutlich sympathischer.

Ich bekomme zudem den theoretischen Input übers Exterieur der drei verschiedenen Pferde, die ich dort bisher geritten sei und warum sich wie welche Bewegungen anfühlen (z.B., dass die "Härte" - im Sinne von weniger Schwung - in Macubas Rücken u.a. durch seine kurze Fesselung bedingt ist). Ich soll möglichst viel leicht traben.

Mein Sitz wird gelobt. Freak

In dieser Stunde passiert, relativ gesehen, wenig. Ich reite, was mir in den Sinn kommt. Viele Kreisel, verschiedene Handwechsel, mal etwas mehr, mal etwas weniger Tempo und Gang. Der Reitlehrer schaut, korrigiert hier und da ein wenig, und schweigt sonst recht viel. Irgendwann ruft er mich zu sich:

1. Ich solle meine Hufschlagfiguren etwas "ordentlicher" reiten. DAS fällt mir in der Riesenhalle ganz schön schwer. Wo ist denn bitte der Mittelzirkel (ich lande immer im Nirgendwo der Halle)? Wie wechselt man duch die ganze Bahn, ich komme immer irgendwo in der Mitte an? Die vielen Bahnpunkte verwirren mich. verwirrt Vielleicht eine Gewöhnungsfrage...

2. In der Stellung bin ich zu unnachgiebig in der äußeren Hand und in der äußeren Schulter. Ich solle mir vorstellen, ich würde alles, was ich da reite, mit dem Fahrrad nachfahren und im Kopf mal die "Lenkbewegungen" nachvollziehen. Das dann wieder aufs Reiten übertragen, nur weniger. Es klappt leidlich.

3. Wir legen mal ein kleines Pfund drauf: Das Pferd sei gelöst genug, dass ich nun auch mal mehr ausprobieren solle. Vorderhandwendung steht auf dem Programm. Dazu müssen wir aber erst einmal vernünftig stehen üben... Nich gucken (!), fühlen (!), ob das Pferd richtig steht! Leider wirke ich zu stark mit meinen Händen ein und treibe falsch und zu wenig - Macuba marschiert rückwärts. Also alles wieder von vorn: die Hilfen werden gecheckt und, wie heißt ja auch so schön? "Kaum macht man's richtig, klappt es auch!" Kiss Die Übung wird noch einmal wiederholt, dann soll ich wieder alleine üben und ruhig auch aus dem Stand mal antraben. Geht gut. *freu*

Am Ende der Stunde wende ich mich nochmal an den Reitlehrer. Ich weiß, dass ich mir irgendwas ganz komisches auf dem Scheckentier angewöhnt habe. Augen rollen Der hatte irgendein ganz anderes Knöpfchen zum Schenkelweichen. Ich verdreh und verwusel mich dabei auf dem Pferd, fühlt sich alles ganz falsch an und geht vor allem auch nicht! Seitwärts klemmts!

Ich soll auf die Viertel-Bahn reiten (Häh??? Achsooo, zwischen der ganzen und der halben... Ich hänge wieder irgendwo im Nirgendwo) und versuchen, das Viereck wieder zu vergrößern. Ich komme zum Hufschlag. Irgendwie. Aber schenkelgewichen war das nicht! Also erhalte ich den dritten theoretischen Input der Stunde: über die Bedeutung des gegen den (Vibrierenden! Nicht starren! *seufz*) äußeren Zügel treibenden inneren Schenkels und dem Zusammenhang zur ausbrechenden Schulter (ah, da treib ich die Tiere grad hin!). Ich bekomme die Hausaufgabe, bei den nächsten Malen beim Warmreiten verstärkt auch hier auf meinen Sitz und meine Hilfen zu achten und das umzusetzen.

Und dann war die Stunde auch schon wieder vorbei. "Gefühlt" hatte ich beim Trockenreiten ein zufriedenes Pferd unter mir.

Schön war, jemanden bei mir zu haben, mit dem ich dann bei lecker Falaffel hinterher die Stunde nochmal in allen Einzelheiten durchkauen konnte. Mit jemandem, der "vorher" und "nachher" sehr gut vergleichen kann. Kiss
Ich selbst war überhaupt nicht kaputt (hatte auch gestern keinen Muskelkater o.ä.) und hätte mich gern etwas mehr gefordert gefühlt. Deswegen war ich leicht unzufrieden. Das brachte meine "alte" Reitlehrerin zum lauten Lachen: sie war der Meinung, dass ich heute mehr gelernt hätte, als in manchen Monaten. Die würden das schon ganz richtig machen: ich müsse wirklich erst einmal wieder mehr fühlen lernen und ganz für mich Dinge auch ausprobieren dürfen. Sie fand's klasse und ganz genau so richtig für mich. Ach ja, die Fidelma und ihr Ehrgeiz... Augen rollen

Sie hat mich dann aber auch nochmal ganz fett gelobt! *strahl*
Ich hätte laaaaange nicht mehr so schön gesessen und - teilweise auch - geritten. Alles Weitere - und noch mehr - käme dann auch wieder (hinzu?), da sei sie sich sicher.

Eines fügte sie jedoch hinzu: ich solle nicht traurig sein (das bezog sich auf mein verloren gegangenes Scheckentier) - aber ich gehöre einfach auf ein ordentliches Warmblut. Das ergäbe endlich ein Bild! *grummel* böse

Insgesamt ein ruhiger Abend, dessen Nachhaltigkeit mir bestimmt erst später mal bewusst wird. Nächste Woche Freitag geht es weiter...

Ich werde berichten. Augenbrauen

Allen, die ich heute nicht sehe, wünsche ich schon jetzt ein wunderschönes Wochenende.

Liebe Grüße

Fidelma (im Herzen doch Ponyreiterin)

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Freitag, 21. März 2008
Fidelma lernt jetzt REITEN - Lesson 3 - luftige Höhen
Von Birtes Viechblog, 22:35

Namt zusammen, Winken

jetzt, wo der teuer erkaufte und hart antrainierte Muskelkater, der sich heute bis aufs Äußerste pflegen durfte, langsam von dannen schleicht, jetzt also bin ich in der Lage, weiter zu berichten.

Gestern war also das zweite Mal "Sitzlonge für Fidelma-Tag". Ich hätte es ja nicht beschreien sollen. Die da aufzufordern, mich mehr zu fordern, bedarf es (leider? Engel ) keiner Worte.

Ich kam, eine nette neue Reitlehrerin kommt auf mich zu, fragt, ob ich die Richtige sei (also, Ihr wisst schon, sie fragt nach meinem Namen... Augenzwinkern ) und sagt dann: prima, heute hast Du den Amadeus. Sie geleitet mich zu seiner Box und mir schwant wohl, dass Amadeus trotz seines österreichischen Vornamens nicht der Haffi ist, der mich da aus dem Laufstall anlinst. Nein, ein nettes, neugieriges, aber nicht aufdringliches, hellbraunes Pferdegesicht lugt mir auf Zuruf des Namens entgegen. Ist mir sofort sympathisch.
Ich gehe zu ihm in die Box und guck so hoch und... Ui! geschockt DER ist aber groß...

Die Reitlehrerin stellt sich neben ihn und ich frage WIE groß das Tier denn sei? Sie lacht, meint, sie wüsste es auch nicht so genau, aber sie sei 1,74m groß und stellt sich zum Vergleich neben Amadeus: der Widerrist überragt sie noch um etliche Zentimeter. Ich denk mal, so seine 1,78m hat der schon (mindestens!). Ein Hochhaus. geschockt Ich glaube, ich habe noch NIE auf SO einem großen Pferd gesessen.
Wir holen ihn, ich putze ihn (und habe leichte Mühe an den Widerrist heran zu reichen - ich gehöre ja eher zur Gattung der Knubbelgnome) und versuche zu satteln (auch das fällt nicht leicht). Beim Trensen spielt das Tier etwas mit mir: es nimmt den Kopf nicht grad hoch, aber es nimmt ihn auch nicht herunter - was dann so ungefähr in der Genickhöhe der Oberkante meiner Küchentür entspricht. Mit Höckerchen (was sich neben dem Elefanten wie ein Zauberwürfel ausnimmt) bewaffnet, krabbel ich auf ihn drauf.

Ich hatte es schon geahnt - das gute Tier hat einen richtig guten (Neuen! Wow!) Sattel: einen guten Kieffer-Dressursattel mit mächtiger Sitzkrücke Pausche. Nun ist es so: Kieffer-Sättel sind nicht grad für dicke Fidelmapopos gemacht. Vorne hoch, hinten hoch und dazwischen eingeklemmt ganz nah am Pferd. Aber man will ja nich nölen und das Mislingen der Stunde von vornherein ob des Sattels prophezeihen.

Es geht los. Ich fummel mich mittlerweile gewohnt freihändig ein. Linke Hand - prima, meine Schokoladenseite. Augenbrauen

Mann, ist das hoooch! geschockt

Zunächst bekomme ich eine mündliche Einweisung in die Theorie des Treibens im Schritt - und die passenden Kommandos dazu. Denn: "Heute treibe ich so wenig wie möglich mit, das machst Du!" Okeee...

Nach einer Weile, ich treib mich blöd - gefühlt zumindest - und lande immer wieder mit dem Knie (autsch! Augen rollen ) an der Pausche. Tja, da nimmt wohl wer sein Bein zu weit nach vorn...? "Pass auf, dass Du nicht in den Stuhlsitz gerätst - Bein zurück und Absatz immer schön nach unten federn und treiben nicht vergessen..."

Wir traben (leicht) an. Mannometer - zum ersten Mal (also, dass ich mich erinnern kann) bin ich echt froh über das liebe "Maria-Hilf-Riemchen"! Das schau - kelt - a - ber - ganz - schön - dol- le! Nach ner guten Runde trau ich mich loszulassen und freihändig leichtzutraben. Das geht erstaunlich gut! Freude Lob folgt.

Wieder Schritt, wieder treiben, wieder Trab - Aussitzen!
...

Ohohohohohohohohoh! Oh! Das Tier ist gefühlte zwölf Meter lang und schwingt wie eine Hängebrücke. Fidelma rüttel dich und schüttel Dich - eingezwängt und nur gehalten durchs gute Kieffer-Stück.
Und da isser auch wieder: der klopfende Schenkel. Behauptete ich, ich würde treiben, ich würde lügen. "Beine ans Pferd!" (Ja, wie denn? *fleh*)
Irgendwie schaffe ich es irgendwann erst irgendwie mitzuschwingen und dann auch noch den Riemen loszulassen. Prima. Dann können wir ja in den Galopp. Augenbrauen

OHA! OHHHH HA!
Ich lebe ja noch, ihr entnehmt es meinen Zeilen, aber ich bin doch bei dem ganggewaltigen Tier ganz gewaltig ins Schleudern gekommen. "Treiben!!!" (ja, doch...) Irgendwann habe ich zumindest das Gefühl, sitzen zu bleiben. Das soll ich dann auch gleich mal mitnehmen. Und Treiben nicht vergessen. Da! "Gut reagiert - da wollte er nicht durchspringen." *stolz* Freak

Zum ersten Mal bitte ich um eine kleine Pause. Ich pfeife aus dem letzten Loch.

Die Pause wird gewährt, nach aber nur wenigen (gefühlten) Sekunden schallt es vom Schwiegersohn durch die Halle: "Nu macht den ma' wach! Der läuft ja nur auf'm Kopp!" Also wieder: Beine ran und weiter!

Nun werden die Bügel übergeschlagen: im Schritt geht das ja, im Trab gerate ich wieder leicht in Seenot ("Schön mitschwingen, Bein zurück, Schenkel ruhig, Absatz runter, ABSATZ RUNTER, treiben! Halt Dich mal noch fest, ok, jetzt mal los lassen"). Eieieiei... Den Galopp schenken wir uns, man muss ja nix provozieren...

Der Altmeister himself (keine Ahnung, wie alt er ist, aber so auf die siebzig wird er zugehen) dresurreitet hoch erhobenen Hauptes, freundlich grüßend aber leicht missbilligenden Blickes auf mich um uns herum: mir fällt schlagartig der Begriff "Herrenreiter" ein.

Die nette Reitlehrerin meint, sie wüsste nicht, was ich hätte: Mittelpositur wäre in Ordnung. Schenkel wären etwas unruhig, aber sonst... Was ich denn meine, wo meine größte Baustelle wäre? Nun, wenn ich es zusammenfassen darf: der insgesamt unabhängige Sitz. Kommen meine Hände ins Spiel - sehr hart, sehr unruhig! - wird die Angelegenheit deutlich komplizierter. "Aha! Ich sei also ein typischer Handwerker, wie der Chef es immer zu sagen pflege...?" Ja. traurig
Gut, wir nehmen zum Ende also die Zügel hinzu!

An der Longe und mit den Dreieckern ausgebunden habe ich natürlich nicht viel in der Hand. Aber: prompt habe ich überhaupt etwas in der Hand verfalle ich sofort in meine alten Bewegungsmuster! Der Kopf starrt wie paralysiert auf die Hände, die Beine sind vergessen, das Becken fest. Mist!

Ich bekomme wieder einen Vortrag über die Bedeutung von "Reiten mit Kreuz" und dass das so, was ich da veranstalte, nicht ginge. Ich konzentriere mich, gebe alles, wahrscheinlich kommt mir schon Dampf aus den Ohren...
Und auf einmal isses wieder vorbei. Die letzten drei Minuten schaffe ich es wieder, mich einigermaßen gerade zu halten. Die hören - glaube ich - erst mit nem Erfolgserlebnis auf. Und etwas gelobt werde ich auch noch. Gute Pädagogen! Braaav!

Ich schwinge mich schwung- - "VORSICHT! HOCH!" - -voll vom Pferd und lande *rumms* auf meinen Beinen. Aua! Ach ja... Die Höhe... Ganz vergessen...
Das Pferd kommt wieder in die Box und ich marschiere zum Bezahlen ins Büro. Der Schwiegersohn erzählt mir, dass sie demnächst - Termin steht noch nicht - mal nen ganzen Kurs mit Sitzlonge anbieten. Wenn ich will, dann kann ich gerne... Ich glaub, ich würd schon wollen, aber ich muss erstmal mein Konto fragen. Und arbeiten muss ich ja auch wieder. Seine Frau (Stallcheftochter) kommt herein: "Und? Wie war's?" "Anstrengend!" (ich lüge nicht) "Amadeus, oder?" "Hmhm..." Sie kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Augenzwinkern

Nächste Woche Donnerstag abend geht es dann wieder in die Gruppe. Mal sehen, was das nun gebracht hat... Ich werde berichten.

Ich danke für Euer "Gehör"! Freude

Liebe Grüße

Fidelma mit den schmerzenden Beinen

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Mittwoch, 19. März 2008
Fidelma lernt jetzt REITEN - Lesson 2 - back to the roots
Von Birtes Viechblog, 20:59

Hiho!

Am Montag habe ich - dem Größenwahn verfallen - mir gleich zwei Longentermine für diese Woche geben lassen. Ich habe zwei Tage frei, die will ich nutzen. Daumen hoch! Die machen auch kurzfristig viel möglich... Respekt
Als ich am Telefon ankündigte, dass ich, ob der beobachteten Sitzproblematik gerne Sitzlongen haben möchte hörte ich es durchs Telefon deutlich grinsen. Kommentar: "Also sooo schlecht war das nun auch wieder nicht..." Augenzwinkern Aber grundsätzlich fand mein telefonisches Gegenüber (Schwiegersohn) die Idee ziemlich große Klasse. Sie selbst würden sich auch immer mal wieder an der Longe korrigieren lassen. Der Wunsch sei leider nur so selten geäußert.

Heute morgen bin ich dann - diesmal waren die Nerven nicht so blank, ich musste also nicht vorher shoppen gehen Rauchen - losgedüst.

Angekommen teilte man mir wieder den liebschluffigfaulen Braunen zu. Heute erfuhr ich dann auch etwas übers Tier (das mir ob seiner wirklich netten Art schon ein wenig ans Herz gewachsen ist): 21 Jahre alt sei er und habe schon etliche Menschen das Reiten gelehrt. Kiss
Da ich um seine Ruhe wusste, hatte ich auch Null Probleme, mich einfach so auf ihn zu setzen, und gelassen "freihändig" in allen Gangarten zu reiten. Unterrichtet wurde ich heute von einer dort angestellten Pferdewirtin, die ihre Sache gut machte.

Nach ein paar Runden fragte sie mich mit großen Augen, welche Sitzprobleme ich denn meinte zu haben und ob und was ich an Turnieren geritten sei?

geschockt ? Biddu blind?

Wir arbeiteten dann konsequent an einer meiner größten Baustellen: meinen Beinen. Und ich zwang mich zur Losgelassenheit im Becken (welch Oxymoron!). Am Ende der halben Stunde lagen die Beine dann wohl auch da, wo sie hin sollen und ich konnte relativ problemlos (also: relativ!) weich einsitzen und auch der klopfende Schenkel wurde relativ (!) ruhig . Halbwegs zumindest. Schön war auch zu sehen, dass ich es fast die ganze halbe Stunde geschafft habe, gerade zu sitzen.

Am Ende wurde ich von der Stallscheftochter, die derweil ziemlich fein um mich herum dressurritt, gefragt, wie zufrieden ich denn sei? Nun ja, ich meine, ok, bedenke man meine Baustellen... Sie erwiderte: "Och, nö! Da konnte man schon ganz gut zuschauen..." (und das klang seeehr anerkennend).

Ich war gaaaanz stolz! großes Grinsen

Die nette junge Reitlehrerin fragte mich immer wieder nach Pausen (ich denke, mein hochroter Kopf sprach dafür), aber ich fühlte mich die ganze Zeit eigentlich ganz fit. Ich werde morgen sagen, dass sie mich ruhig etwas mehr fordern soll (wenn das mal kein Eigentor wird... Engel ). Bisschen mehr turnen wäre für den Rücken bestimmt gut.

Fazit des Reittages: Sitzen klappt - aber nur, wenn ich dabei nicht "reiten" soll. Augenzwinkern
Aber: ohne Sitzen kein Reiten! Bleiben wir also bei den Basics.

Es dankt für Euer Auge

Fidelma (heute sehr zufrieden Springen )

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