Fidelma lernt jetzt REITEN - Lesson 3 - luftige Höhen
Namt zusammen,
jetzt, wo der teuer erkaufte und hart antrainierte Muskelkater, der sich heute bis aufs Äußerste pflegen durfte, langsam von dannen schleicht, jetzt also bin ich in der Lage, weiter zu berichten.
Gestern war also das zweite Mal "Sitzlonge für Fidelma-Tag". Ich hätte es ja nicht beschreien sollen. Die da aufzufordern, mich mehr zu fordern, bedarf es (leider?
) keiner Worte.
Ich kam, eine nette neue Reitlehrerin kommt auf mich zu, fragt, ob ich die Richtige sei (also, Ihr wisst schon, sie fragt nach meinem Namen...
) und sagt dann: prima, heute hast Du den Amadeus. Sie geleitet mich zu seiner Box und mir schwant wohl, dass Amadeus trotz seines österreichischen Vornamens nicht der Haffi ist, der mich da aus dem Laufstall anlinst. Nein, ein nettes, neugieriges, aber nicht aufdringliches, hellbraunes Pferdegesicht lugt mir auf Zuruf des Namens entgegen. Ist mir sofort sympathisch.
Ich gehe zu ihm in die Box und guck so hoch und... Ui!
DER ist aber groß...
Die Reitlehrerin stellt sich neben ihn und ich frage WIE groß das Tier denn sei? Sie lacht, meint, sie wüsste es auch nicht so genau, aber sie sei 1,74m groß und stellt sich zum Vergleich neben Amadeus: der Widerrist überragt sie noch um etliche Zentimeter. Ich denk mal, so seine 1,78m hat der schon (mindestens!). Ein Hochhaus.
Ich glaube, ich habe noch NIE auf SO einem großen Pferd gesessen.
Wir holen ihn, ich putze ihn (und habe leichte Mühe an den Widerrist heran zu reichen - ich gehöre ja eher zur Gattung der Knubbelgnome) und versuche zu satteln (auch das fällt nicht leicht). Beim Trensen spielt das Tier etwas mit mir: es nimmt den Kopf nicht grad hoch, aber es nimmt ihn auch nicht herunter - was dann so ungefähr in der Genickhöhe der Oberkante meiner Küchentür entspricht. Mit Höckerchen (was sich neben dem Elefanten wie ein Zauberwürfel ausnimmt) bewaffnet, krabbel ich auf ihn drauf.
Ich hatte es schon geahnt - das gute Tier hat einen richtig guten (Neuen! Wow!) Sattel: einen guten Kieffer-Dressursattel mit mächtiger Sitzkrücke Pausche. Nun ist es so: Kieffer-Sättel sind nicht grad für dicke Fidelmapopos gemacht. Vorne hoch, hinten hoch und dazwischen eingeklemmt ganz nah am Pferd. Aber man will ja nich nölen und das Mislingen der Stunde von vornherein ob des Sattels prophezeihen. 
Es geht los. Ich fummel mich mittlerweile gewohnt freihändig ein. Linke Hand - prima, meine Schokoladenseite.
Mann, ist das hoooch!
Zunächst bekomme ich eine mündliche Einweisung in die Theorie des Treibens im Schritt - und die passenden Kommandos dazu. Denn: "Heute treibe ich so wenig wie möglich mit, das machst Du!" Okeee...
Nach einer Weile, ich treib mich blöd - gefühlt zumindest - und lande immer wieder mit dem Knie (autsch!
) an der Pausche. Tja, da nimmt wohl wer sein Bein zu weit nach vorn...? "Pass auf, dass Du nicht in den Stuhlsitz gerätst - Bein zurück und Absatz immer schön nach unten federn und treiben nicht vergessen..."
Wir traben (leicht) an. Mannometer - zum ersten Mal (also, dass ich mich erinnern kann) bin ich echt froh über das liebe "Maria-Hilf-Riemchen"! Das schau - kelt - a - ber - ganz - schön - dol- le! Nach ner guten Runde trau ich mich loszulassen und freihändig leichtzutraben. Das geht erstaunlich gut!
Lob folgt.
Wieder Schritt, wieder treiben, wieder Trab - Aussitzen!
...
Ohohohohohohohohoh! Oh! Das Tier ist gefühlte zwölf Meter lang und schwingt wie eine Hängebrücke. Fidelma rüttel dich und schüttel Dich - eingezwängt und nur gehalten durchs gute Kieffer-Stück.
Und da isser auch wieder: der klopfende Schenkel. Behauptete ich, ich würde treiben, ich würde lügen. "Beine ans Pferd!" (Ja, wie denn? *fleh*)
Irgendwie schaffe ich es irgendwann erst irgendwie mitzuschwingen und dann auch noch den Riemen loszulassen. Prima. Dann können wir ja in den Galopp.
OHA! OHHHH HA!
Ich lebe ja noch, ihr entnehmt es meinen Zeilen, aber ich bin doch bei dem ganggewaltigen Tier ganz gewaltig ins Schleudern gekommen. "Treiben!!!" (ja, doch...) Irgendwann habe ich zumindest das Gefühl, sitzen zu bleiben. Das soll ich dann auch gleich mal mitnehmen. Und Treiben nicht vergessen. Da! "Gut reagiert - da wollte er nicht durchspringen." *stolz*
Zum ersten Mal bitte ich um eine kleine Pause.
Ich pfeife aus dem letzten Loch.
Die Pause wird gewährt, nach aber nur wenigen (gefühlten) Sekunden schallt es vom Schwiegersohn durch die Halle: "Nu macht den ma' wach! Der läuft ja nur auf'm Kopp!" Also wieder: Beine ran und weiter!
Nun werden die Bügel übergeschlagen: im Schritt geht das ja, im Trab gerate ich wieder leicht in Seenot ("Schön mitschwingen, Bein zurück, Schenkel ruhig, Absatz runter, ABSATZ RUNTER, treiben! Halt Dich mal noch fest, ok, jetzt mal los lassen"). Eieieiei... Den Galopp schenken wir uns, man muss ja nix provozieren...
Der Altmeister himself (keine Ahnung, wie alt er ist, aber so auf die siebzig wird er zugehen) dresurreitet hoch erhobenen Hauptes, freundlich grüßend aber leicht missbilligenden Blickes auf mich um uns herum: mir fällt schlagartig der Begriff "Herrenreiter" ein.
Die nette Reitlehrerin meint, sie wüsste nicht, was ich hätte: Mittelpositur wäre in Ordnung. Schenkel wären etwas unruhig, aber sonst... Was ich denn meine, wo meine größte Baustelle wäre? Nun, wenn ich es zusammenfassen darf: der insgesamt unabhängige Sitz. Kommen meine Hände ins Spiel - sehr hart, sehr unruhig! - wird die Angelegenheit deutlich komplizierter. "Aha! Ich sei also ein typischer Handwerker, wie der Chef es immer zu sagen pflege...?" Ja.
Gut, wir nehmen zum Ende also die Zügel hinzu!
An der Longe und mit den Dreieckern ausgebunden habe ich natürlich nicht viel in der Hand. Aber: prompt habe ich überhaupt etwas in der Hand verfalle ich sofort in meine alten Bewegungsmuster! Der Kopf starrt wie paralysiert auf die Hände, die Beine sind vergessen, das Becken fest. Mist!
Ich bekomme wieder einen Vortrag über die Bedeutung von "Reiten mit Kreuz" und dass das so, was ich da veranstalte, nicht ginge. Ich konzentriere mich, gebe alles, wahrscheinlich kommt mir schon Dampf aus den Ohren...
Und auf einmal isses wieder vorbei. Die letzten drei Minuten schaffe ich es wieder, mich einigermaßen gerade zu halten. Die hören - glaube ich - erst mit nem Erfolgserlebnis auf. Und etwas gelobt werde ich auch noch. Gute Pädagogen! Braaav!
Ich schwinge mich schwung- - "VORSICHT! HOCH!" - -voll vom Pferd und lande *rumms* auf meinen Beinen. Aua! Ach ja... Die Höhe... Ganz vergessen...
Das Pferd kommt wieder in die Box und ich marschiere zum Bezahlen ins Büro. Der Schwiegersohn erzählt mir, dass sie demnächst - Termin steht noch nicht - mal nen ganzen Kurs mit Sitzlonge anbieten. Wenn ich will, dann kann ich gerne... Ich glaub, ich würd schon wollen, aber ich muss erstmal mein Konto fragen. Und arbeiten muss ich ja auch wieder. Seine Frau (Stallcheftochter) kommt herein: "Und? Wie war's?" "Anstrengend!" (ich lüge nicht) "Amadeus, oder?" "Hmhm..." Sie kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Nächste Woche Donnerstag abend geht es dann wieder in die Gruppe. Mal sehen, was das nun gebracht hat... Ich werde berichten.
Ich danke für Euer "Gehör"!
Liebe Grüße
Fidelma mit den schmerzenden Beinen