Fidelma lernt FÜHLEN
Hallo liebe geneigte Leser,
Heute ist Samstag, Aldi-Einkauf ist erledigt, Wohnung ist nun sauber, die Waschmaschine verrichtet ihren Dienst auch ohne mein Beisein und zum Stammtisch düse ich erst in ein paar Stunden. Zeit also für einen neuen Bericht.
Am Donnerstag bin ich wieder zum Reitunterricht ins nette Münsterland gefahren. Ich hatte schon am Dienstag meine teuer erkauften neuen "Reitkünste" daheim erproben dürfen.
Meine "alte" Reitlehrerin hatte sich ganz spontan gemeldet und ist mitgefahren, um sich den Stall, den Unterricht und die Pferde mal selbst anzusehen (sie sucht für sich selbst auch nach neuen Trainingsmöglichkeiten - außerdem war sie neugierig, was die da so mit mir anstellen
).
Diesmal unterrichtete mich Reitlehrer N° 4: der Schwiegersohn und Mitbesitzer der Anlage. Offenkundig bin ich nun offiziell in den erlauchten Kreis der regelmäßigen Reitschüler aufgenommen worden: ich wurde nach meiner Adresse und meiner Telefonnummer gefragt, außerdem wurde mir die Möglichkeit der Zahlung per Lastschrift oder Kredit- oder EC-Karte angeboten (
kennt Ihr Reitschulen mit EC-Zahlungsmöglichkeiten? Ich - sonst - nich...
) und - das wertete ich als deutlichstes Zeichen: ich steh auf der Liste! Am Eingang hängt eine Liste der Reitschüler und wer wann welches Pferd zum Reiten bekommt.
Kurz gesagt: Ich bin drin!
Auf der Liste stand dann also mein Name neben dem von "Macuba".
Aha... Das Tier ist (wie alles, was mir dort bisher begegnet ist) ein sehr artiges, größeres Warmblut. Fast, aber nicht ganz, so groß wie Amadeus.
Ein Bisschen unglücklich besehe ich mir das Pferd auf der Stallgasse: seine besten Tage hat es offenkundig schon hinter sich. Sie Sattellage sieht aus, als hätte sie schon mehr als einmal Satteldruck erlebt, die Beine, nun ja... Also, am liebsten hätte ich ihn mir ins Auto gepackt, ihn auf ne Wiese gestellt und gesagt: Jung, Du hast genug, mach Dir nen schönen Lebensabend!
Ich kann bei sowas ja immer schlecht aus meiner Haut.
Dennoch sattele ich, sitze so vorsichtig wie möglich auf, und wir schleichen los. Diesmal sind wir zu viert in der Stunde und haben die ganzen 20 x 60m (das ist aber echt groß und viiiel Platz!
) für uns. Ich reite, so lange es geht, für mich ganz alleine Schritt. Irgendwann trabe ich an. Der Reitlehrer, der derweil nur beobachtete, schaltet sich ein. Er ist ganz anders als sein Schwiegervater, etwas weniger fordernd, es herrscht eine sehr ruhige Atmosphäre. Auch sehr schön.
Er erzählt mir, das Tier unter meinem Po sei ihr ältestes Schulpferd (dachte ich's mir doch), ich solle mal raten. "24!" platzt es sofort aus mir raus und treffe damit den Nagel auf den Kopf. Mit alten Pferden kenne ich mich ja etwas aus.
Macuba sei ein ehemaliges erfolgreiches S-Springpferd, das heute aber nicht mehr viel leisten müsse. Ab und an trage er aber immer noch Reiter durchs Abzeichen. Der Grund, dass ich ihn heute reite sei folgender: ich soll lernen, mich auf die Bedürfnisse und Bewegungsmuster der einzelnen Pferde einzustellen und vor allem einzufühlen! Macuba ist tatsächlich ganz anders zu reiten, als die beiden Pferdchen, die mich zuvor getragen hatten. Langsamer, härter im Rücken, aber nicht triebig. Ich solle mal auf sein Tempo achten, mich darauf einlassen und vor allem auf seine Losgelassenheit hinarbeiten. Er könne und müsse (!) nicht mehr so schnell und viel wie die anderen tun, aber gerade durch die leichte Arbeit erhielten sie ihn gesund. Das leuchtet mir ein und macht mir die Reiterei auf dem Tier wieder deutlich sympathischer.
Ich bekomme zudem den theoretischen Input übers Exterieur der drei verschiedenen Pferde, die ich dort bisher geritten sei und warum sich wie welche Bewegungen anfühlen (z.B., dass die "Härte" - im Sinne von weniger Schwung - in Macubas Rücken u.a. durch seine kurze Fesselung bedingt ist). Ich soll möglichst viel leicht traben.
Mein Sitz wird gelobt.
In dieser Stunde passiert, relativ gesehen, wenig. Ich reite, was mir in den Sinn kommt. Viele Kreisel, verschiedene Handwechsel, mal etwas mehr, mal etwas weniger Tempo und Gang. Der Reitlehrer schaut, korrigiert hier und da ein wenig, und schweigt sonst recht viel. Irgendwann ruft er mich zu sich:
1. Ich solle meine Hufschlagfiguren etwas "ordentlicher" reiten. DAS fällt mir in der Riesenhalle ganz schön schwer. Wo ist denn bitte der Mittelzirkel (ich lande immer im Nirgendwo der Halle)? Wie wechselt man duch die ganze Bahn, ich komme immer irgendwo in der Mitte an? Die vielen Bahnpunkte verwirren mich.
Vielleicht eine Gewöhnungsfrage...
2. In der Stellung bin ich zu unnachgiebig in der äußeren Hand und in der äußeren Schulter. Ich solle mir vorstellen, ich würde alles, was ich da reite, mit dem Fahrrad nachfahren und im Kopf mal die "Lenkbewegungen" nachvollziehen. Das dann wieder aufs Reiten übertragen, nur weniger. Es klappt leidlich.
3. Wir legen mal ein kleines Pfund drauf: Das Pferd sei gelöst genug, dass ich nun auch mal mehr ausprobieren solle. Vorderhandwendung steht auf dem Programm. Dazu müssen wir aber erst einmal vernünftig stehen üben... Nich gucken (!), fühlen (!), ob das Pferd richtig steht! Leider wirke ich zu stark mit meinen Händen ein und treibe falsch und zu wenig - Macuba marschiert rückwärts. Also alles wieder von vorn: die Hilfen werden gecheckt und, wie heißt ja auch so schön? "Kaum macht man's richtig, klappt es auch!"
Die Übung wird noch einmal wiederholt, dann soll ich wieder alleine üben und ruhig auch aus dem Stand mal antraben. Geht gut. *freu*
Am Ende der Stunde wende ich mich nochmal an den Reitlehrer. Ich weiß, dass ich mir irgendwas ganz komisches auf dem Scheckentier angewöhnt habe.
Der hatte irgendein ganz anderes Knöpfchen zum Schenkelweichen. Ich verdreh und verwusel mich dabei auf dem Pferd, fühlt sich alles ganz falsch an und geht vor allem auch nicht! Seitwärts klemmts!
Ich soll auf die Viertel-Bahn reiten (Häh??? Achsooo, zwischen der ganzen und der halben... Ich hänge wieder irgendwo im Nirgendwo) und versuchen, das Viereck wieder zu vergrößern. Ich komme zum Hufschlag. Irgendwie. Aber schenkelgewichen war das nicht! Also erhalte ich den dritten theoretischen Input der Stunde: über die Bedeutung des gegen den (Vibrierenden! Nicht starren! *seufz*) äußeren Zügel treibenden inneren Schenkels und dem Zusammenhang zur ausbrechenden Schulter (ah, da treib ich die Tiere grad hin!). Ich bekomme die Hausaufgabe, bei den nächsten Malen beim Warmreiten verstärkt auch hier auf meinen Sitz und meine Hilfen zu achten und das umzusetzen.
Und dann war die Stunde auch schon wieder vorbei. "Gefühlt" hatte ich beim Trockenreiten ein zufriedenes Pferd unter mir.
Schön war, jemanden bei mir zu haben, mit dem ich dann bei lecker Falaffel hinterher die Stunde nochmal in allen Einzelheiten durchkauen konnte. Mit jemandem, der "vorher" und "nachher" sehr gut vergleichen kann.
Ich selbst war überhaupt nicht kaputt (hatte auch gestern keinen Muskelkater o.ä.) und hätte mich gern etwas mehr gefordert gefühlt. Deswegen war ich leicht unzufrieden. Das brachte meine "alte" Reitlehrerin zum lauten Lachen: sie war der Meinung, dass ich heute mehr gelernt hätte, als in manchen Monaten. Die würden das schon ganz richtig machen: ich müsse wirklich erst einmal wieder mehr fühlen lernen und ganz für mich Dinge auch ausprobieren dürfen. Sie fand's klasse und ganz genau so richtig für mich. Ach ja, die Fidelma und ihr Ehrgeiz...
Sie hat mich dann aber auch nochmal ganz fett gelobt! *strahl*
Ich hätte laaaaange nicht mehr so schön gesessen und - teilweise auch - geritten. Alles Weitere - und noch mehr - käme dann auch wieder (hinzu?), da sei sie sich sicher.
Eines fügte sie jedoch hinzu: ich solle nicht traurig sein (das bezog sich auf mein verloren gegangenes Scheckentier) - aber ich gehöre einfach auf ein ordentliches Warmblut. Das ergäbe endlich ein Bild! *grummel*
Insgesamt ein ruhiger Abend, dessen Nachhaltigkeit mir bestimmt erst später mal bewusst wird. Nächste Woche Freitag geht es weiter...
Ich werde berichten.
Allen, die ich heute nicht sehe, wünsche ich schon jetzt ein wunderschönes Wochenende.
Liebe Grüße
Fidelma (im Herzen doch Ponyreiterin)