Henriette
... oder wie ein Federvieh eine Firma auf Trab halten kann!
Hallo Forum,
heute, quasi zum Ausgang einer „tierischen“ Woche möchte ich Euch von Henriette erzählen. Wer ist Henriette? Nun, ihr werdet es erfahren...
Henriette trat vor drei Tagen in mein Leben. Plötzlich und unvermittelt stand sie da - auf der Fensterbank einer Kollegin und begehrte offensichtlich Einlass. „Guck mal“ rief man mich zu sich. Tok! Tok! Tok! Das Tier hat einen sehr aufdringlichen Blick und wirkt darüber hinaus außerordentlich selbstbewusst.
Henriette ist eine Taube. Eine Pfautaube, wie mir Tante Google verriet:
Dieses Bild ist dem Original verblüffend ähnlich.
Den Namen habe ich ihr nun nach dreitägiger Anwesenheit verpasst. Vielleicht ist Henriette auch ein Hahn, ich weiß es nicht, aber ich finde, der Name passt einfach zu ihr.
Diese eine Kollegin ist nicht besonders tierlieb und nicht-tierliebe Menschen sind mir eigentlich immer etwas suspekt, aber selbst sie war dem Charme und der Schönheit dieses Wesens, das flehentlich auf ihren Bürotisch linste, erlegen.
"Birte, seit Stunden sitzt sie da!" sagt sie mit einem leicht verzweifelten Ton. "Was machen wir denn nun?" „Hm…“ sage ich. „Sie will rein, oder?“ „Sieht so aus... Viel deutlicher kann man es nicht sagen.“ lautet meine Antwort. „Aber wir können doch keine TAUBE ins Büro lassen…“ „Hm… ich überleg mir was“ so meine Reaktion. Eine Weile überlegen wir, woher der Vogel wohl stammt und wieso er nicht nach Hause findet.
Dazu muss man wissen: ich bin so was wie die inoffizielle Tierschutzbeauftragte unseres (nicht kleinen) Ladens. Irgendwie hat es sich rumgesprochen (gut, ich habe relativ viel Publikumsverkehr und mein Herz für Tiere ist in meinem Büro nicht zu übersehen – Bilder alle „meiner“ Viecher zieren seine Wände): immer mal wieder klingelt mein Telefon, weil in irgendeiner Einrichtung wieder irgendwas Vierbeiniges gefunden wurde. Beispielsweise: „Ich hab hier ’ne winzige Katze auf meinem Schoß sitzen, die saß draußen unterm Holzstapel, was mach ich denn jetzt damit?“). Da mein Mann auf den Satz „Bring vorbei und dann sehen wir weiter“ mittlerweile hochallergisch reagiert  habe ich auf verschiedenen Post-Its die Rufnummern der örtlichen Tierschutzvereine notiert und an meinen Monitor gepappt. Und nun also eine Taube… Ich sammele einen Karton aus dem Lager, mache Löcher rein und frage mich, wo ich mit der Taube hin soll. Zoo? Mal sehen…
Als ich Feierabend mache ist die Taube jedoch verschwunden. Vor fünf Minuten sei sie weggeflogen. Ich beherzige den ehernen Grundsatz sozialer Arbeit „Hilf keinem, der nicht geholfen werden will“  und mache mich auf den Heimweg. Nun fahre ich mal wieder einen Löcherkarton im Auto spazieren.
Am nächsten Tag, später Vormittag, komme ich in das Büro meiner Chefin: „Guck mal daaaaa!“ deutet sie verzweifelt auf eine hübsche weiße Taube, die eindeutig Einlass begehrt. „Ah“ sag ich „die kenne ich. Ist sie also wieder da...“ und erzähle die gestrige Geschichte. „Und nu?“ fragt meine Chefin „Die macht mich wahnsinnig, so wie sie hier reinguckt!“
Der Löcherkarton befindet sich im Auto, also bau ich einen neuen. Und ich frage wieder Tante Google, die sagt, es gäbe ganz in meiner Nähe einen Taubenschutzverein. Außerdem, erzählt sie mir, seinen Pfautauben schützens- und fangenswert, weil eher für die Voliere gezüchtet und Greifvögeln und anderen Widrigkeiten der Natur ausgeliefert und zum Tode verdammt. Mein Retterherz pocht.
Ich eröffne also die Taubenjagd – was Henriette gar nicht lustig findet. Sie will rein, nicht gefangen werden und verzieht sich beleidigt auf die Fensterbank unseres EDV-Schulungsraums. Von da hat sie einen guten Blick in mein Büro und somit auf mich. Ich beschließe, den Taubenschutzverein zu alarmieren, habe aber nur das Band dran. Tja, bringe ich das Vieh später einfach vorbei, sofern es sich denn fangen lässt, und öffne meine Bürofenster.
Es ist kalt.
Henriette findet es auch kalt, kommt angespurtet und wärmt sich ihren Taubenpo an meiner Heizung. Ich sitze am offenen Fenster, arbeite an meinem PC in Jacke und Schal gemummelt während eine Führung für junge Nachwuchsführungskräfte durch unser Gebäude stattfindet. Die blocke ich vor meiner Tür ab (und dabei bin ich die einzige, an deren Tür „HERZLICH WILLKOMMEN“ steht). Hab ich das Tier schließlich endlich fast da, wo ich es hin haben will. „Wissen Sie, ich habe da grad einen Vogel“ teile ich den jungen aufstrebenden Menschen auf dem Gang mit. Sie glauben mir aufs Wort.
Etwa eine Stunde später kommt meine Chefin fluchend in mein Büro.
„Ist ja nicht so, als müssten wir hier arbeiten, oder? Ich habe wahrlich anderes zu tun! Du holst Dir den Tod!“ schimpft sie. Was hat sie nur?  Ich arbeite munter vor mich hin und sehe ihr aus den Augenwinkeln zu, wie sie eine handvoll Körner auf meiner Fensterbank ausstreut. Ich glaube, die hatte sie von ihrem Brötchen abgeknibbelt.
Die Taube findet DAS natürlich super. Fangen lässt sie sich weiter nicht. Ich muss Feierabend machen und zum Pferd. Henriette lasse ich zurück. Ein Löcherkarton steht nun auch in meinem Büro einsatzbereit.
Gestern betrete ich wie jeden Morgen mein Büro. Von Henriette keine Spur. Hat sie sich wohl was Neues gesucht oder die Natur hat sie sich geholt. Auf meinem Schreibtisch klebt ein großes Post-It mit der Handschrift meiner Chefin: „Taubenschutzverein hat angerufen: können nix machen. Vogel hat noch mal blöd geguckt und ist weggeflogen.“ Aha.
Etwa zwei Stunden später klingelt mein Telefon und meine ansonsten ausgesprochen ausgeglichene und natürliche Kollegin (also diesmal eine andere) keift divenhaft ins Telefon: „ICH KANN SO NICHT ARBEITEN!!!“ Höh?  „Hier sitzt ne weiße Taube und beobachtet jeden meiner Handgriffe!“
 Ahhh! Henriette ist wieder da.
Meine Kollegin wird handgreiflich und verscheucht das Tier (sie ist pragmatischer als ich). Einmal schaut Henriette noch bei mir vorbei, dann ist sie verschwunden. Ein bisschen schade finde ich das. Ich hätte sie gern gerettet (ich rette gern, zugegebenermaßen). Mal sehen, ob sie Montag wieder da ist. Sie ist mir doch ganz schön ans Herz gewachsen.
Vielleicht sollte ich Taubenfutter kaufen und ein Häuschen vor meinem Büro aufstellen?
Ich wünsche Euch allen ein schönes zweites Adventwochenende!
Fidelma
Fidelma übt sich in Geduld
Hallo Ihr Lieben,
lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Der angefangene Bericht zu meinem Helfereinsatz bei der Hund und Pferd sowie ein neuer Reitstundenbericht sind in der Mache, aber grad ist mir so gar nicht nach "lustig" zu Mute...
Der Grund dafür ist Fidi...
Wir hatten ja seinerzeit entschieden, dass ich sie vorerst nur longiere (remember: muskuläres Rückenproblem mit tierärztlicher und physiotherapeutischer Behandlung und "Alleinberitt" nach Verordnung durch ihre Besitzerin). Seit einiger Zeit geht Fidi aus meiner Perspektive wieder klar. Jede kleine Verbesserung freute mich wie Bolle. Sie hat auch schon ordentlich Muskelmasse zugelegt und ist nicht mehr ansatzweise so kantig wie noch Anfang September. So weit also alles tutti. Eigentlich war angedacht, dass ich so ca. übernächste Woche wieder beginne, sie mitzureiten (worauf ich mich sehr freute!).
Heute war der langersehnte Kontrollbesuch des Physiotherapeuten. Wir waren sehr gespannt auf sein Urteil zu Fidis Entwicklung.
Dieses fiel auch grundsätzlich sehr gut aus, ABER...
Nach seiner Meinung (und da das ein erfahrener und in vielen Ställen gut gelittener Mann ist, kaufe ich ihm das ohne wenn und aber ab) hat sie aber immer noch viel zu wenig Kraft, den Rücken wirklich korrekt aufzuwölben und genug Last mit der Hinterhand aufzunehmen. Genau aufgrund dieser fehlenden Kraft läuft sie auch nicht genug v/a - hinzu kommt, dass das Nackenband einfach noch zu kurz ist. Korrektes v/a ist aber nötig, damit sie ihre Muskeln an den benötigten (und gewünschten) Stellen stärken, bzw. aufbauen kann. Im Grunde, so seine Meinung, sind "wir" auf einem sehr guten Weg. Was das Pferd nun brauche ist weiterhin ein konsequentes Training - möglicherweise auch mit Profiberitt (ist in Arbeit). Und viel Geduld.
In einem halben Jahr (vielleicht auch in einem dreiviertel) hätten wir dann wohl (wieder) ein gut bemuskeltes und gerittenes Pferd.
Grundsätzlich ist dies ja nun alles erst einmal ein Grund zur Freude.
Mehr konnte man in diesen sechs Wochen nicht erwarten.
Dann stellte ich ihm die Frage, die mir doch dringlich auf der Seele brannte: "Meinst Du, es stellt in diesem Trainingsplan ein Problem dar, wenn ich sie wieder mitreite?"
Klare Frage, klare Antwort:
"Wenn sie wirklich DEIN Lehrpferd werden soll, dann solltest Du so lange warten, bis sie in der Lage ist, korrekt v/a zu gehen, bzw. sich darin auch zu halten..."
Fidis Besitzerin und ich waren beide einigermaßen betroffen. Heißt das im Endeffekt doch: in diesem Jahr werde ich dieses Pferd nicht mehr reiten.
Natürlich steht mir das Wohl von Fidi an erster Stelle und natürlich bleibe ich bei der Stange und mache nicht die Biege! Aber ein wenig, ein klitzekleines Bisschen traurig bin ich heute abend schon...
So bin ich auf unbestimmte Zeit also weiter eine "Longier- und Tüddelbeteiligung".
Einen Vorteil hat das aber: Ihr werdet dann nämlich wieder Reitstundenberichte von mir bekommen! Meine ehemalige Reitlehrerin und mittlerweile liebgewonnene Freundin fährt nämlich seit Neuestem selbst zum Unterricht in "meine" Reitschule ins Münsterland. Und da wir uns die Spritkosten teilen können - oder abwechselnd fahren - bietet es sich ja einfach an, dass wir das zusammen machen. Das wird Spaß bringen, anstrengend sein - aber ich werde weiterhin viel lernen, was dann ja auch wieder Fidi zu Gute kommt.
Wie sagte mein Kindheitsreitlehrer immer so schön?
"Und ist die Stimmung noch so trübe - hoch die Rübe!"
In diesem Sinne,
Fidelma
Geschäftsidee N° 2
oder: Nützliches für den Schönwetterreiter
Hiho zusammen,
da es im Moment wenig in der "Fidelma lernt reiten-Serie" zu vermelden gibt - abgesehen davon, dass (es mit) Fidi immer besser läuft und es derzeit so aussieht, als würde ich schneller wieder auf ihr sitzen, als gedacht - hier mal wieder eine neue Geschäftsidee von meiner Seite (meine letzte hatte ja offensichtlich schon jemand vor mir in die Tat umgesetzt).
Kennt Ihr das? Man läuft so über Pferdemessen und wundert sich, was für einen Kram es nicht alles für teuer Geld und fürs Pferd gibt (ich bestaunte eines Tages eine Art luftgefüllter "Haube" für den Pferdekörper - so ein Ding, das ältliche Damen zum Trocknen ihrer auf Wickler gedrehte Haare nutzen - nur in groß eben – für den ganzen Pferdekörper). So was meine ich also: Dinge, die die Welt nicht braucht, oder vielleicht doch? Nur - wofür?
Am Mittwoch dieser Woche wollte ich das Stutentier longieren. Durch glückliche Umstände hatte ich schon am Vormittag frei und fuhr schnellstmöglich zum Stall. Nur, um dann festzustellen, dass das Tier "schon" auf der Weide weilte. Ich frug nach und hörte, dass sie erst grad rausgekommen sei - und da ihre Weidezeit leider sehr begrenzt ist, wollte ich ihr keine dieser wertvollen Sekunden stehlen, um sie lediglich "im Kreis laufen zu lassen". Zwischen Viertel vor und zwei Uhr holen sie die Pferde wieder herein, teilte mir eine Azubine des Stalls mit. Ich säuberte die Box, machte Futter und Möhren fertig, fuhr zur "Mühle" (nächstgelegener Raiffeisen) um einen neuen Striegel zu kaufen, am "alten" Stall vorbei, ging noch etwas essen, vertrieb mir die Zeit... Auf dem Weg zurück zu Fidi begann es, in Strömen zu regnen. Nicht etwas Nieseln, kein kleiner Schauer, nein, es goss wie aus Kübeln!
Obwohl es schon an der Zeit war, standen Frau Fidelia und ihre Weidefreundin Destiny noch auf der Wiese. Fidi ist bereits mit einer leichten Regendecke eingedeckt, macht also nix, denk ich. Manchmal ist denken aber auch fatal!
Destiny trug kein Halfter und ich fand auch keines, also watschte ich durch Wind und Nässe wieder zurück gen Stall (und das ist wirklich ein End zu laufen). Wollte ich doch kein Pferd nicht alleine zurücklassen. Beide Stuten brüllten, dass sie wirklich rein wollten. Schließlich kam die Azubine (die das Halfterproblem löste) und wir holten die Zossinnen. Hier begann dann mein Problem: ich war durch und durch nass. Fidi grinste: unter der Decke war sie trocken, ansonsten hatte sich die ansonsten erhabene Prinzessin jedoch mit Schlamm eingesult. Die gute Bucas pitschte, wenn man sie anfasste.
Ich brachte Fidi also zum Stall (die neben mir auf einmal mindestens drei Meter groß wurde – sie sah die beiden neuen Tinker auf dem Paddock stehen, hielt sie wohl für pferdefressende Kühe – Wind und Regen taten ihr übriges – hätten wir an einer Stutenschau teilgenommen, hätte es für diesen Stechtrab, mit dem Madame mich durch den Matsch zog, sicherlich eine glatte „8,0“ gegeben - nein, nein, sonst ist sie wirklich artig!). Und dann stand ich da: Beine sauber kriegen, kein Problem! Matschhals stört beim Longieren nicht, der wird dabei eher trocken und hinterher gut abbürstbar! Aber wo zum Henker soll ich mit der nassen Regendecke hin? Die kann ich dem Tier doch unmöglich nach dem Longieren wieder auf den Rücken packen? Von innen war sie trocken, aber das ändert sich ja während sie arbeiten muss…? Da zieht die Feuchtigkeit und Kälte ja einmal schön durchs Textil. Die dann auf den eh leicht maladen Stutenrücken? Ne.
Grundsätzlich – so habe ich es gelernt – lässt man Decken am Pferd trocknen. Nur: so viel Zeit hatte ich dann auch wieder nicht mitgebracht!
Was also tun? Kurzfristig überlegte ich, das Pferd samt Decke unters Solarium zu stellen… Doofe Idee, dachte ich dann. Schmilzt das Pferd ja bestimmt.
Holzpferd der Voltis holen, Decke drauf und unters Solarium stellen? Holzpferd der Voltis ist extrem schwer. Zumindest, um es dorthin zu schleppen… Auch ne doofe Idee.
Und da reifte sie, die neue Geschäftsidee: der mobile Pferdedeckentrockner. Gehört in die Rubrik: Praktisches für den Schönwetterreiter!
So, und nun seid Ihr an der Reihe? Hat jemand diese Idee schon vor mir gehabt, oder wie löst Ihr derlei Probleme?
Vielleicht könnt Ihr es erahnen: Fidi bekam an jenem Tag frei (was sie sehr gut vertrug) - ich hingegen wurde natürlich krank und hüte seither das Bett! 
Wünsche Euch ein schönes Restwochenende!
Die Fidelma
Scheiße!
Es tut mir leid, verzeiht den Fluch, aber was raus muss, muss eben mal raus...
In den letzten beiden Tagen haben wir Fidi - nach den Anweisungen des Physiotherapeuten - longiert. Heute hat ihre Besitzerin dann das erste Mal wieder auf ihr gesessen. Das, was in den letzten beiden Wochen eher wie ein leichtes "Rumeiern" oder ab und an wie eine Taktunreinheit wirkte, zeigte sich zu Beginn der Stunde als Lahmheit - oder zumindest als ein sehr deutliches Kürzertreten mit der linken Hinterhand. Der Physio hatte all dies allerdings angekündigt. Der Reitlehrer war da sofort wach und hat Fidis Besitzerin angesprochen. Auch er war der Meinung, sie solle erst einmal drüber reiten. Es wurde im Laufe der ersten Viertelstunde deutlichst (!) besser. Der Reitlehrer fragte auch genau die Dinge ab, die der Physio verordnet hatte (ohne Absprache).
Es ist ganz klar: sobald und so lange Fidi ans Bein geritten wird und da auch gefordert wird, läuft sie klar und gut - in dem Moment, in dem der Reiter nachlässt, verfällt auch sie sofort in "alte" Bewegungsmuster - heißt, das linke Hinterbein ist sofort nicht mehr aktiv. Sie schummelt beim Übertreten im Schenkenweichen, wird nölig bei klarer Forderung des Beins...
Der RL ist ebenfalls der Meinung, dass es sich um ein muskuläres Problem (Verspannung) handelt, das von der Kruppe ausgeht. Er setzt den Überprüfungsintervall allerdings kürzer an als der Physio. Er meint, in zwei Wochen müsse eine deutliche Verbesserung zu sehen sein (Physio nach sechs...). Sonst solle sie noch einmal den TA hinzu ziehen.
Was für mich aber extrem deutlich geworden ist, ist, dass ich Fidi nicht so reiten kann, wie sie es derzeit braucht. Und damit meine ich nicht mein Gewicht, sondern schlicht mein reiterliches Unvermögen. Ich krieg sie so nicht ans Bein, das weiß ich... Da muss ich mir auch nix vormachen. Und alles andere wäre kontraproduktiv.
Fidis Besitzerin fiel es so schwer, einfach zu sagen, dass auch sie das so sieht. Natürlich ist es doof für mich, aber ich werde mich erst wieder auf das Stütchen setzen, wenn sie stark und reif in der Muskulatur dazu ist. Vorher nicht. Basta. Bis dahin werde ich sie longieren. So, wie der Physio es verordnet hat. Ich habe es von Anfang an gesagt: das ist sie mir einfach wert! Ob das nun zwei, vier, sechs oder acht Wochen dauern wird!
Verlernen werde ich das, was ich bisher gelernt habe, wohl in dieser Zeit kaum. Und schließlich bietet sich ja immer mal wieder hier und dort ein Pferd zum Reiten.
Ich bin natürlich nicht glücklich über diese Situation, aber sie ist, wie sie ist. Und die Pferdegesundheit geht einfach vor. Basta. Lerne ich sie halt so noch weiter kennen. Und wenn das so weiter geht, bin ich dann ja zudem auch noch ein paar Pfund geschrumpft und damit hoffentlich auch beweglicher.
Meine Reitstiefel, die vor Grünberg noch an beiden Waden 4cm aufstanden, ließen sich heute zumindest schon einmal problemlos schließen.
Liebe Grüße,
die Fidelma
Fidi und Fidi lernen sich kennen - Part II
oder: Fidelma geht in die Lehre
Moin zusammen!
Gestern wurde ich im (alten) Stall angesprochen, wann ich denn mal wieder was über Fidi und mich zu schreiben gedenke? Voilà!
Wird aber lang! Sag ich nur schonmal...
Fidi macht mir wirklich viel Freude. Ich muss ja zugeben, dass ich anfangs dachte: Prima, solide gerittenes, feines Pferd - sehr gut, um reiten zu lernen - aber eben "nur" ein typisch - wie zum Beispiel manche Fjordleute oder auch "Barockies" das ja so schön ausdrücken - "großes braunes Warmblut"... Nicht grad die Pferdeliebe auf den ersten Blick. Tja...
Wie soll ich sagen? Fidi hat so einen ausgeprägten Charakter, der mein Herz immer mehr anrührt. Ich finde sie so witzig. Und ich lerne so viel von ihr... Viel mehr als "nur" reiten!
Reiterlich konnten wir uns bisher nur marginal annähern, da ich zwischendrin eine Woche auf Dienstreise gewesen bin oder die Reitstunde ausfiel. So habe ich die Zeit genutzt, mich einfach nur auf ihr einzufummeln. Anfangs war Fidis Besitzerin auch noch oft dabei - das ist spannend für uns beide und stört mich nicht im Geringsten. Am Sonntag hatten Fidi und ich dann aber unseren ersten Tag trauter Zweisamkeit.
Nebeneffekt des Reitenlernens ist durch den neuen Stall auch, dass ich nun hautnah die Unterschiede zwischen einem reinen "Freizeitreiterstall" und einem reinen "Turnierstall" erlebe. Da ist am Sonntag morgen niemand! Oder zumindest so gut wie niemand. Sonntag morgens (um halb neun zum Beispiel) sind die nämlich entweder alle schon zum Turnier - oder sie schlafen noch... Sich einfach nur dem Pferd zu widmen, bzw. dafür zu sorgen, dass selbiges möglichst früh auf die Wiese kommt, das macht kaum jemand. DAS kenne ich von meinem "alten" Stall nicht! Mit hochgradigem Befremden habe ich zudem festgestellt, dass es wirklich noch Pferdebesitzer gibt, die ihre hochpreisigen Turnierzossen (man schreit ja allenthalben, das gäbe es nicht mehr - doch, tut es, leider ) 23 Stunden in die Box sperren... Besitzer- nicht Stallentscheidung, wohlbemerkt!
Der Fidelmamann brachte es ziemlich auf den Punkt: sperrte ich eine Katze lebenslang auf 4x4m ein und jemand bekäme das mit, hätte ich ratzfatz den Tierschutz auf dem Hals... Bei einem Pferd entlocke das anscheinend zwar viel Kopfschütteln, aber mehr auch nicht...
Das Fidifrauchen und Fidi gehören ja Gott sei Dank (!) nicht zu der Gattung einsperrender oder eingesperrter Wesen - sonst hätten wir wohl auch kaum zusammen gefunden - aber eine irre komplizierte Weideregel (durch die ich nun endlich langsam durchsteige: der darf nicht mit dem und die nicht mit der und... fragt einfach nicht) sorgt dafür, dass auch Fidis Weidezeit begrenzt ist. Drei, maximal vier Stunden am Tag...
Damit sowohl die erste "Ladung" als auch die zweite möglichst viel vom Sonntag auf der Wiese hat, begab ich mich also früh zum Stall. Fidi wollte ich reiten, um dann mittags die Pferde "umzutopfen".
Es wäre vermessen zu behaupten, Fidi hätte bereits eine Bindung zu mir aufgebaut, aber die Synapse "die gehört irgendwie dazu" ist jedenfalls in ihrem Hirn bereits freigeschaltet. Ich war total irritiert: laut wieherte sie mir entgegen! Ich sah mich um: kein Futterwagen, kein Heuverteiler, auch sonst niemand aus Pferdeperspektive bedeutsamer Mensch in der Nähe... Sie meinte tatsächlich mich! "Raus! Ich will raus! Und Du hast dafür zu sorgen!" so lautete die Botschaft. Größtes Pferdeempören machte sich breit, als ich dann aber mit den Weidegenossen an der Hand an ihr vorbei schlappte. *schnaub* *wieher* *Box umgrab* Unverschämtheit!
Als ich dann mit Sattelzeug und Putzkiste vor ihrer Box auflief, machte Frau Stute nur noch große Augen: "Das jetzt aber nicht wirklich Dein Ernst, oder?" fragte sie und murrte dann auch während der Pferdehygiene ziemlich herum. Ein energisches "FIDELIA!" meinerseits reichte jedoch, um die Fronten wieder zu klären. Nachdem ich's Stütchen fast komplett angezogen hatte, stand sie plötzlich auf drei Beinen und warf einen weinerlichen Blick auf den rechten Hinterlauf. "Aua!" sagt sie leise. Prinzessin auf der Erbse? Ich hatte tatsächlich die Gamasche einen Ditsch zu stramm gezogen... Gut, dass sie Bescheid gibt.
Beim Reiten war sie sehr brav und fleißig und an jenem Morgen testete ich dann mal mehr aus, was ich alles mit ihr anstellen kann (für meine Verhältnisse ziemlich viel - Fidi ist echt sehr bemüht, alles richtig zu machen). Ich konzentrierte mich extrem auf ein wirklich korrektes Reiten meinerseits (also auf alles, was das Fidifrauchen mir so gesagt hatte). Machte Spaß. Ich war hinterher klitschnass geschwitzt. Intensive Recherchen ergaben dann auch am Pferd drei nasse Haare (in der Gurtlage...). Gestern hatte ich dann zum ersten Mal wieder richtig Muskelkater vom Reiten, und das ohne, dass mich ein Reitlehrer gequält hatte.
Fidi hat leider ein kleines Gebäudeproblem. Sie steht hinten sehr eng und läuft, wenn sie nicht ordentlich von hinten nach vorne durchgeritten wird, auch so. Zudem hatte sie kurz vor der Umstallung in diesen Stall im Juni einen kleinen Unfall: sie hatte sich festgelegt und dabei eine ordentliche Prellung (nein, es war doch kein eingeklemmter Nerv, wie ich es manchen hier schon pm geschrieben hatte) auf dem Schweifrübenansatz und diverse Blockaden zugezogen. Durch die lange Rekonvaleszens hat sie nun extrem an der Hinterhand Muskulatur abgebaut und hat seither auch Schwierigkeiten diese wieder ordentlich aufzubauen... Einen richtigen "Knackarsch" hatte sie laut ihrer Besitzerin aber wohl eh noch nie...
Ab und an (also nicht immer!) sackt sie hinten links leicht ein - sieht fast aus wie eine leichte Ataxie. Nach ein paar Tritten geht sie dann wieder klar. TA und Osteo haben dies einheitlich als muskuläres Problem benannt, welches "weggeritten" werden müsse.
Hier sieht man das ganz gut:

Dies ist mein Wehrmutstropfen: insgeheim hatte ich die ganze Zeit Angst, zu schwer für Fidi zu sein... Seit für mich klar ist "sie ist es" zähle ich wieder fleißig Punkte. Vier Kilo habe ich seither verloren...
Gestern war dann der große Fidi-Gesundheitstag. Fidis Besitzerin und ich haben beide Urlaub. Wir konnten also alles zusammen machen. Ich glaube, sie genießt es, jemanden (also mich ) zu haben, mit dem sie sich austauschen, gemeinsam überlegen, planen und das Pferd umsorgen kann. Zuerst fuhren wir mit dem neuen großen Blutbild zum Futterhändler mit der bekanntermaßen größten Kompetenz zur Fütterungsberatung. Was kann man - mal abgesehen von Anabolika (die soll die Stute natürlich nicht bekommen! ) und ordentlichem Reiten noch tun, dass das Hinterteil wieder runder wird? Vollbepackt kamen wir dann in den Stall. Dann kam der Pferdephysiotherapeut. Vor diesem Termin hatte ich etwas Angst - wie gesagt, ich reite nicht so dolle und bin kein Fliegengewicht... Hätte der gesagt, ich sei für's erste nix fürs Tier: ich hätte sie auch über Monate nur longiert...
Eindrücke von "Fidelma und Fidelia" (4. Ritt - ich trau mich jetzt einfach mal):


Von diesem Menschen war ich schwer beeindruckt. So viel Zeit, so viel Ruhe, so viel Erklärung und so viel Kompetenz... Mir hat er Nahe gelegt, mir das Buch "Finger in der Wunde" und "Der Reiter formt das Pferd" zu besorgen ([x] done), um noch mehr nachvollziehen zu können, was er da redet. Und ich solle, so wie es schon geplant und umgesetzt wird, mit Dreieckszügeln reiten. Ansonsten gab er klare "Reithausaufgaben" an Fidis Besitzerin (die das natürlich viel besser umsetzen kann als ich) und mich: die nächsten sechs Wochen nur v/a reiten, biegen, biegen, biegen und imer wieder das Hinterbein aktivieren. Viele Seitengänge. Drei Gänge zurück, vom leichten zum Schweren. Der Rücken muss zum Schwingen kommen. Alles Binsenweisheiten, ich weiß. Keine Revolution. Aber mir wurde schon mulmig, ob ich das alles so umsetzen kann. "Dafür ist Deine Reitlehrerin da - die sieht das sehr genau und weiß, worum es geht und wird Dich korrigieren! Und lass ja die Dreicker drauf!" Wo er Recht hat. Selbige wird in den "Behandlungsplan" mit ins Boot geholt. In sechs Wochen kommt er wieder...
Was mich extrem beeindruckt hat war, dass der "Hubbel" auf Fidis Kruppe nach der Behandlung plötzlich "weg" war. Sie hatte eine ganz andere Oberlinie (selbst für mich sichtbar). Das war natürlich nix Dauerhaftes, aber für den Moment schon sehr eindrücklich.
Für mich ist es so: plötzlich habe ich nicht nur ein Pferd, auf dem ich reiten lernen will, sondern eines, dass ich auch richtig zu reiten lernen muss, damit es voll und ganz gesund bleibt / wird. Und da steigen die Anforderungen natürlich noch einmal... Aber: ich bin ja nicht alleine.
Gefühlt ist es so: die ersten drei Jahre nach meinem "Wiedereinstieg" werte ich aktuell als "Praktikum". Das letzte halbe Jahr als "Schnupperkurs Reitenlernen" - und nun gehe ich quasi in die Lehre...
Leider fällt durch die Behandlung gestern die erste Einzelstunde, die morgen auf dem Programm für mich gestanden hätte, aus. Wir longieren Fidi die heute und morgen nur (zusammen - wir wollen "eine Linie" drin haben und ich soll eben auch nochmal sehr genau zugucken, worauf es ankommen wird) und dann setzt sich am Donnerstag zunächst ihre Besitzerin wieder drauf. Am Freitag werde ich dann wieder unter ihrer Anleitung reiten. Nächste Woche wird es dann hoffentlich endlich mit dem "richtigen" Reitunterricht losgehen.
Ich werde berichten.
Liebe Grüße
Fidelma
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