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Mittwoch, 10. September 2008
Fidi und Fidi lernen sich kennen
Von Birtes Viechblog, 07:51

oder: Fidi an der Longe - diesmal andersherum Augenzwinkern

Montag ging es offiziell los mit meiner neuen Reitbeteiligung. Und ein ganz Klitzekleinwenig lasse ich Euch an unseren Anfängen teilhaben... großes Grinsen

Sonntag wurde die Version Fidelma lernt reiten - Beta plus erst einmal wieder einfach nur auf Beta runterkonfiguriert. Die neue Reitlehrerin hatte sich gemeldet und gemeint, ich solle die gute Stute lieber doch erst einmal mit Dreieckszügeln reiten, was ich vollkommen in Ordnung finde. Diejenigen von Euch, die mich haben reiten sehen, wissen auch warum... Ich komme einfach nicht zum Sitzen. Augen rollen Und das Pferd dann auch nicht zum Laufen. Meine Systeme werden werden also erst einmal wieder auf Reboot gestellt und dann sehen wir mal, wie es in ein paar Monaten aussieht. Aber Frau ist nicht hoffnungslos. Das wird schon. Manchmal nervt es mich echt, dass das Reitenlernen ein sooo langer Weg ist, aber es hört ja bekanntlich niemals auf. Augenzwinkern

Richtig angefangen hat es allerdings auch noch nicht, denn am Montag ergaben widrige Umstände, dass ich Fidelia nicht ritt, sie aber dennoch ein gute Stück weiter kennen lernen durfte. Und sowas ist für den Anfangsprozess doch ziemlich erhellend. Freude Ich kam am Nachmittag zum Stall an und holte sie mir schon einmal zum Putzen aus der Box. Die angebotene Banane nahm sie mit Begeisterung, alles andere fand sie doof. Am Morgen war der Tierarzt da und sie wollte wohl nicht so gern noch ein zweites Mal an diesem Tag "fremdbehandelt" werden. "Nein, ich möchte nicht so gerne da angefasst werden, und da auch nicht und - nein - Huch? Hast Du das da draußen gesehen...?" geschockt So ungefähr war ihre Körpersprache, während ich immer energischer werden musste. Schließlich ergab sie sich in ihr Schiksal, aber sie war doch ziemlich elektrisch. Die wirdrigen Umstände (krankes Pferd von Freundin - anderer Stall - mal eben hin müssen) ergaben, dass ich das Tier wieder in die Box stellen musste, um zwei Stunden später wieder mit ihrer Besitzerin dort aufzukreuzen. Leider war es deutlich später, als gewünscht. Irgendwie gehen an diesem Stall so um neun alle Lichter aus - das ist für mich ziemlich früh, aber ok... Man kann sich drauf einstellen, aber was tun eigentlich die ganzen Menschen, die arbeiten? verwirrt Viele, die ich kenne, schaffen es mal so grad abends um acht beim Pferd zu sein und ne Stunde ist doch echt sehr knapp, oder?
Als wir also so um diese Uhrzeit herum den Stall betreten und uns vor Fidis Box einfinden, zeigt sie uns ganz deutlich, dass sie für heute Feierabend hat. Sie dreht uns den Hintern zu: "Nein! Heute hab ich genug!" Ich will ja eigentlich "wer ist sturer" spielen, aber Fidis Besitzerin wendet parallel einen Trick an: "Bravour", Fidis Boxennachbar, bekommt ne Möhre, welche die er knackig frisst. Da muss Frau Stute doch auch mal gucken kommen... Augenzwinkern

Aufgrund der vorgerückten Stunde fällt der Bescheid gegen Reiten und für Longieren. Das habe ich zwar mal sogar ordentlich gelernt, aber wirklich, wirklich lange nicht mehr gemacht. Von daher bin ich sehr froh, dass Fidis Besitzerin bleibt. So war das zwar mit der Reitbeteiligung nicht gedacht (schließlich soll sie ja pferdefrei haben, wenn ich komme), aber für sie war es ebenfalls interessant, wie Fidi und ich uns vertragen. Augenbrauen

Auch hier ist Fidi artig, aber durchaus nicht, wie soll ich schreiben... leblos. großes Grinsen Raufschalten ist immer gar kein Problem, das Runterschalten schon eher. "Brrrrt... Scheeeeritt... Scheeeeeeeeeeeritt... Rrrrruuuuhiger... SCHRITT! MANN!" (öh, Frau...) Fidi quiekt zwischendurch pferdeglücklich los und legt ein paar Showeinlagen mit freudig kleinen Galoppbucklern ein, aber niemals so, dass sie mich durch die Halle ziehen würde oder das auch nur im Ansatz versucht. Das beruhigt mich, denn irgendwie macht grad dieses Lebendige mir richtig Spaß - und schlussendlich bekomme ich sie auch wieder dazu, sich auf mich zu konzentrieren. Mit der Zeit fühle ich mich immer sicherer mit der Leine an der Hand, Fidis Besitzerin erklärt mir, was sie für wichtig erachtet und fährt kurz vor Schluss - ich glaube zufrieden Freude - nach Hause. Fidi und ich laufen noch ein paar Runden und ich mache sie nachtfein - es ist wirklich schon stockduster. Der Sommer ist wirklich vorbei...

Fidi ist eine echte Stute! Boah ist die stutig! Lachen In allem: ihrem Gehabe, ihrem Gesichtsausdruck, das ganze Tier strahlt aus - "Seht her, ich bin eine Frau!" Ich muss so oft deswegen lachen.
Was ich am Montagabend dann aber am lustigsten fand war, dass sie auch sprechen kann! Ich dachte, ich steh neben "Mister Ed". Lachen
Nach der Pferdehygiene und zurück in der Box war sie deutlich unruhig. "Was hat sie bloß?" denke ich... verwirrt

Und dann sagt sie es - ihre Augen fest auf den halb mit Karotten gefüllten Eimer geheftet, der der Box gegenüber steht: "Möhöhöhöhörn!"

geschockt Lachen

Ich spreche zu ihr: "Sag noch mal!" Und tatsächlich wieder: "Möhöhöhöhörn!" Lachen
Na, so einer Aufforderung kann man jawohl schlecht widerstehen... großes Grinsen

Gestern habe ich in "meiner Reitschule" angerufen, um mitzuteilen, warum ich auf- und ersteinmal nicht mehr aufkreuze. Man freute sich ganz offensichtlich für mich mit. Als ich erwähnte, an wessen Stall Fidelia steht klang es aus dem Hörer: "Super! Birte - die Reitlehrerin hat den gleichen Ansatz wie wir! Grüß sie bitte ganz lieb - sie kann genau an der Stelle mit Dir weiterarbeiten, an der wir aufgehört haben - das passt sehr gut so!"

Ich hatte Tränen in den Augen...

Euch noch eine schöne Woche,

Fidelma (mit Fidelia)

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Sonntag, 07. September 2008
Fidelma und Fidelia
Von Birtes Viechblog, 11:35

Hallo Gemeinde,

da ihr schon nachfragt (wie nett, hab ich heute erst gesehen, danke Kiss ) - ich war einfach mal ein paar Tage anderweitig beschäftigt: habe an diesem Wochenende nach zwei Jahren meine Weiterbildung zur "Ethikberaterin im Gesundheits- und Sozialwesen" erfolgreich abgeschlossen Bier - will ich nun endlich vom neuesten Stand meines reiterlichen Daseins berichten. Freude

Ich habe mich entschieden.

I proudly present:
Fidelia


Tochter des berühmten Fidelio - Halbschwester des noch berühmteren Florestan I - gute 167cm hoch - 13 Jahre alt


Wie Ihr seht: trotz der Verwandtschaft - auch nur ein Pferd. Augenzwinkern Und noch dazu hier eins mit nem dreckigen Kopp (andere Fotos hab ich - noch - nicht). Auf Papieren kann man ja bekanntlich nicht reiten aber: Reiten lernen werde ich auf diesem Pferd bestimmt ne ganze Menge! Diejenigen von Euch, die Diana (mein "altes Mädchen") kennen, wissen angesicht dieses Kopfbildes vielleicht, warum mich Fidelia - abgesehen von der Farbe großes Grinsen - an sie erinnert...

Ich hatte ja berichtet, dass genau diese Erinnerung an Diana mich erst daran zweifeln ließ, ob dies das richtige Pferd für mich sei. Also nahm ich mir Zeit, sie etwas besser kennen zu lernen indem ich sie beobachtete.

Ihre Besitzerin lud mich eine knappe Woche nach dem ersten Proberitt ein, mir den hiesigen Reitunterricht anzusehen. Sie ritt in dieser Stunde selbstverständlich mit. Zwei Freundinnen (eine davon meine alte Reitlehrerin, deren Wort viel Gewicht für mich hat) sowie die "Vermittlerin" waren ebenfalls zugegen.
Als ich ankam fand ich weder Pferd noch Frau in / an der Box noch in der Halle. Ich ging nach draußen und sah etwas, das mein Herz erfreute. Fidelia (kurz Fidi) ging am langen Zügel mit Reiterin auf dem Rücken ganz entspannt eine Runde ums Feld. DAS wäre mit Diana nicht möglich. Die Reitstunde war wirklich ok, meine Begleiterinnen waren sehr angetan vom Stütchen und wie sie geritten ist ("Ganz tolles Pferd! Würd mich sooo freuen, wenn das klappt!") und beim Pferdversorgen fragte die "Vermittlerin" wie es denn nun weitergehe? Fidis Besitzerin und ich guckten uns an: "Ja, öhhh..., also..." verwirrt
"Mann! Seid Ihr kompliziert!" war ihr lachender Kommentar Lachen
"Wann hast Du das letzte mal "pferdefrei" gehabt?" fragt sie das Fidifrauchen "Öhm..." verwirrt Also schon ne ganze Weile nicht mehr. "Und was machst Du am Wochenende?" Diese Frage ging an mich. "Bis jetzt noch nix..." erwiderte ich. "Gut, dann kommt die Birte am Samstag und kümmert sich um Fidi (red. Anmerkung: nicht reiten, das war klar), während Du Dich mal Deinem Privatleben widmen kannst!" Und so war die Geschichte abgemacht. Bier Machte ja auch Sinn, dass ich mich mal alleine mit dem Tier beschäftige, nur mal so um zu sehen, wie am Boden die Chemie zwischen uns ist. Da ich zur Pferdebespaßung aber an Fidis Sachen musste, mussten wir noch klären, wie ich an den Spindschlüssel komme. Da es Donnerstag war blieb nur noch der Freitag, um das zu regeln - und da ich dann ja eh kam, bot sich der zweite Proberitt doch gleich mit an... Freude

Fidis Besitzerin wollte sie, bevor ich mich auf ihren Rücken schwang, noch einmal alleine lösen und ging dazu weder auf den Platz, noch in die Halle, sondern einfach auf die große, offene Wiese. An der führt eine Landstraße sowie der Zufahrtsweg zum Stall vorbei. Lastwagen, Trecker, Autos mit Pferdehänger, selbst ein scheppernder Sattelzug: all das entlockte dem Tier nicht einmal ein Zucken mit dem Ohr... Einmal machte sie einen (sehr) kleinen Freudenbuckler. großes Grinsen Und ich saß nur am Rand und staunte und dachte immer nur wieder: "Ist die cool... Meine Güte, wie cool die ist... Kein Vergleich zu Diana!" Wir beschieden, dass ich sie jedoch nicht direkt beim zweiten Probieren auch auf dieser offenen Wiese reiten solle (man hat ja schon Pferde Wuergen sehen und muss ja nun auch nix provozieren). Wir gingen also in die Halle und Fidi lief deutlich lockerer als beim ersten Ritt. Aha? Kann ich mich also tatsächlich einfummeln, auf dem Pferd. großes Grinsen Während ich durch die Halle juckelte (viel mehr war das nicht) klärte Fidis Besitzerin mit der Reitlehrerin, wann ich denn mal in den Unterricht kommen könne. Ich geselle mich einen Moment an der Bande hinzu und da strahlt und lacht das Gesicht der Reitlehrerin: "Die Birte...!" Lachen Ich denke und mache geschockt , denn dieses Gesicht kommt mir so gar nicht bekannt vor. "Mensch, Birte, erinnerst Du Dich nicht an mich? Wir sind doch zusammen zur Schule gegangen!" Ich frage höflich nach ihrem Mädchennamen und gebe (obwohl es in meinem Schädel rattert wie verrückt, klingelt nichts - wie peinlich) ein leises Wiedererkennen kund. "Ach, ja, wie schön..." (hmmm? verwirrt ) Jedenfalls ist das mit dem Unterricht kein Problem.
Fidi, Fidelma auf dem Rücken, und ihre Besitzerin gehen noch eine Runde im Schritt ums Feld. Ich hab den Zügel lang, bin ganz entspannt und der Trecker, der mit so nem rotierenden Gerät Gülle verspritzt, jagt dann auch nur mir, und nicht dem Pferd, einen Schrecken in die Glieder. Wir reden noch einmal über die Reitlehrerin und die Fidifrau sagt "Ich glaube, sie ist Schwedin..." und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich kreische nahezu los: wir waren so von 14 - 16 echt sogar richtig dicke miteinander, sie hatte nur damals die Schule abgebrochen, um Bereiterin zu werden - aber sie hatte sich so sehr verändert, dass ich sie wirklich gar nicht erkannt habe. Zurück auf dem Hof klären wir das und freuen uns, uns wieder zu sehen. Springen Dadurch tritt auch das, was ich wegen des doch ansonsten echt leistungsorientierten (gut, das liegt mir) und elitären (das weniger) Stalls befürchtete, in den Hintergrund. Da kommt dann eben nicht die kleine, "dicke" neue Reitbeteiligung, sondern eben "die Birte" (was haben wir nicht früher viel Spaß zusammen gehabt! Augenzwinkern ) - und das hat eben eine ganz andere Qualität...
Am Samstag fuhr ich dann also alleine hin und tuddelte. Fidi mag besonders gern Bananen und ich kann gut schleimen: also freunden wir uns auf diesem Weg erst einmal an (Liebe geht durch den Magen!). Ich holte sie von der Wiese, putzte sie, wusch den Rücken ab, ging eine kleine Runde mit ihr spazieren, noch etwas grasen an der Hand, Box machen... Und schon sind 1,5 Stunden um. Morgens hatte ich noch den Artikel in der neuen RR übers wohlerzogene Pferd gelesen - und mir wurde bewusst: ein solches habe ich hier an der Hand. Fidi war wirklich sehr artig. Freude
Am Dienstag hatte ich dann die Möglichkeit, mit ihr in die Reitstunde zu gehen. Eieieiei... Da waren aber wirklich viele Pferde-Menschen-Paare. geschockt Das war mehr Unfallverhütung, denn Reitunterricht, aber ich ließ mir sagen, dies sei nicht immer so. Mein Stütchen rosste leicht, was die anwesenden Hengste zu bannich Imponiergehabe und Grunzen (hihi - Angeber!) veranlasste, näherten wir uns ihnen auf ein paar Meter. Da muss ich erst einmal lernen, angemessen mit umzugehen ist halt auch ne Hengststation. Die Situationen waren jedoch nie schwierig oder gefährlich. Dafür testete Fidi mich dann doch (endlich? Engel ): mal hier ein Staunhüpf, mal da ein Tritt zur Seite, mal dort etwas sehr wenig Aufmerksamkeit. Jedoch nichts, was mich beunruhigte oder gar ängstigte "Ja, genau Birte, hol sie immer wieder zu Dir zurück!" sagt die RL. Interessant ist: jetzt muss ich reiten- in "meiner" Reitschule habe ich das vergangene halbe Jahr jedes Pferd nur mit Hilfszügeln geritten - zum Sitzenlernen war das super. Da bei mir aber "sitzen" und "reiten" immer noch zwei verschiedene paar Schuhe sind... Ich sag es mal so: eine neue Phase ist eingeleitet.

Fidelma lernt reiten - Version Beta plusgroßes Grinsen

Nach der Stunde stehen wir noch ein kleines Weilchen zusammen. Meine zuguckende Freundin sagte: "Ha! Da musste aber mal ein bisschen selbstbewusster auf dem Pferd sitzen - die will geritten werden! Von der wirste viel lernen!" Da hat sie wohl Recht. Ihre Besitzerin ist zufrieden mit uns. "Zum Schluss ist sie schon ganz schön mitgeschwungen..." Und ich? Nun ja: natürlich reite ich sie nicht ansatzweise so schön wie ihre Besitzerin. Fidi schafft es ganz prima, sich zu entziehen, den Kopf hochzunehmen und so... Aber es gab immer wieder Momente in denen ich merkte: "Da, so geht das, so fühlt es sich richtig an!" Pferdereaktion, Seitenblicke in den Spiegel und Reitlehrerinnenkommentare bestätigten diesen Eindruck.

Nach der nacharbeitlichen Pferdehygiene setzten Fidis Besitzerin und ich uns dann zusammen: wir wurden uns schnell sehr einig in allen Punkten. Die Konditionen sind echt mehr als fair.
Fidelia ist kein Pferd, das mein Herz im Sturm erobert hat, mich mit ihrem Charme niedergemetzelt hat, mich in Verzückung versetzt. Und genau das finde ich gut, war ich doch bisher mit allen Charmebolzen, die mich in himmelhochjauchzendes anfängliches Glück versetzten, letztendlich komplett überfordert. Ich werde diese Stute sicherlich nicht nur wegen des Reitens zu schätzen lernen, ich werde sie auch in mein Herz schließen und sie lieb gewinnen. Nur eben langsamer. Und das ist auch gut so.
Ab morgen heißt es dann jetzt - Montags, Donnerstags und nach Absprache: Fidi meets Fidi.

Es wird weitere "Kapitel" geben. Augenbrauen

Euch einen lieben Gruß

Fidelma

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Mittwoch, 27. August 2008
Viel Neues :-)
Von Birtes Viechblog, 07:52

Lange ist es her, dass ich mich befleißigte, von meinen reiterlichen Erlebnissen zu erzählen und des Öfteren wehte mir nun schon die Frage: „Wann schreibste denn endlich was?“ um die Ohren, respektive in die Augen (eine Frage, die mich doch ehrt und freut ). Nun ja... Ich glaube, man nennt das bei „Professionellen“ Schreibblockade - mir fehlte schlicht die Inspiration. Die Muse hat mich jedoch wieder geküsst und also widme ich mich einem neuen Bericht. Freude Da ja doch einiges seit Juli geschehen ist, untergliedere ich diese Erzählung in zwei Einzelkapitel.

Fidelma reitet ein Turnier

Grünberg - eigentlich wollte ich den Mantel des Schweigens drüber hängen, aber irgendwie finde ich: hierüber etwas zu schreiben, das bin ich Euch schuldig. großes Grinsen
Grünberg war gut! Sehr gut sogar ...für meine Demut. Augenzwinkern

Nach fast vier Wochen urlaubsbedingten gar nicht Reitens hatte ich die Ehre, mich am Samstagmorgen in Grünberg auf Hjerkinns Rücken zu schwingen. Testreiten für die am Nachmittag stattfindende E-Dressur und den Dressurreiterwettbewerb am folgenden Sonntag. Die bestürzten Gesichter der neugierig guckenden Fjordforum-Mitglieder, die wie die Hühner auf der Stange auf dem Heuwagen am Rande saßen (ich hab es nicht gehört, aber es sah so ein wenig so aus, als sagten sie „Sie hat ja nie behauptet, reiten zu können, aber sooo schlimm hatten wir uns das nicht vorgestellt...“ geschockt ) entsprachen auch meinen Gedanken: es klappte wirklich nix! Ich bekam Hjerkinn nicht „gepackt“, zum Sitzen kam ich gar gar nicht, das Pony mimte die Giraffe und tat mit mir, was es wollte - alles fühlte sich doof an und muss ebenso ausgesehen haben. Außer meinem Japsen und einem genervten Pferd: Ebbe! Nach Rücksprache mit Birgitt und ihrer Reitlehrerin Marion gingen wir zur Meldestelle und ich meldete kleinlaut einen Reiterwechsel für den einfachen Reiterwettbewerb am Mittag an (den wollte Sandalin eigentlich selbst reiten, sie fühlte sich aber an diesem Tag nicht so gut). „Da können wir ihn wenigstens ausbinden...“ so Marions Kommentar.
Birgitt und Marion machten mir das Pony turnierfein (tolle TT! Kiss ) während mir die Düse ging. Ein Entspannungsversuch in Andreas WoMo schlug gründlich fehl. Als ich mich Hjerkinn wieder näherte, zog er die Nüstern kraus. Ich schwöre Euch, der sagte: „Uuoah! DIE schon wieder!“ Augen rollen Dieses Charakterpony mag mich ganz offensichtlich nicht. Und auch in mir reifte die skeptische Erkenntnis: Beste Freunde werden wir beide in diesem Leben wohl nicht! Auf dem Abreiteplatz war dann alles tutti und ich hatte das Gefühl, dass das vielleicht doch was werden könne. Dann ging es in die Halle: erste Abteilung, kleinste Kopfnummer - ab an die Tete! Was ich eigentlich zu vermeiden versucht hatte. Direkt nach Prüfungsbeginn zeigte Hjerkinn dann auch, dass dies nicht seine Favoritenposition war und flüchtete vor dem unsichtbaren Monster am Hallentor. Und ab jenem Moment war mir eigentlich alles egal. Leider entwickelte sich das nicht in eine fatalistische Haltung à la „egal was kommt, es wird schon passen“ sondern mehr in Richtung „eigentlich hab ich keine Lust mehr“. Motivationstief in der Prüfung. So etwas geht gar nicht! Und es ist auch im Nachhinein betrachtet das Einzige, worüber ich mich echt ärgere.
Die Prüfung an sich verbuche ich unter „demütigendstes Erlebnis meiner reiterlichen Laufbahn“. Spätestens auf jeden Fall in jenem Moment, in dem es aus dem Mund der Richterin in einem mehr als mütterlichem Ton schallte „... und dann trabt die Birte jetzt mal an...“ (die kleine Birte wollte aus dem Hallenparadies abgeholt werden und sich knatschend ins Bällchenbad verziehen, um die anderen Kinder mit der Schüppe zu hauen! ). Am Ende langte es dann immerhin noch der soliden Wertnote von 6,4 und somit zu Platz 3!

(... von vier)

Die anderen genannten Prüfungen zog ich zurück.

Meinem johlenden Publikum hier aus dem Fjordforum während der Platzierung danke ich hiermit noch einmal herzlich. großes Grinsen Am Nachmittag traf ich dann noch einmal die Erstplatzierte aus meiner Abteilung, die mir etwas hochmütig mitteilte, wir beide hätten ja schließlich auch keine wirkliche Konkurrenz gehabt. Höh? verwirrt Erst auf meine erstaunt hochgezogenen Augenbrauen bekam sie schnell die Kurve: „Äh, ich meinte die Vierte...“ Das fand ich nicht nett. Zunge raus Abends setzte mich Sassi noch ein wenig auf Mondrian, der mir wenigstens etwas das Gefühl gab, ein klitzekleines Bisschen reiten zu können. Danke! War gut fürs Selbstwertgefühl an diesem Wochenende. Kiss Mein Dank gilt aber natürlich selbstverständlich Birgitt, die mir ihr Pony so großzügig angeboten hatte. Küsschen
Heute kann ich mich, erzähle ich von Grünberg, übrigens über mich selbst und das Gewesene scheckig lachen. Lachen Schade, dass mir vor Ort mein Humor etwas abhanden gekommen war. So habe ich wahrscheinlich viel von der ansonsten wirklich netten Veranstaltung verpasst. traurig

Lesson 14: Nix Besonderes, aber schön (kurz und knapp)

Eine Woche nach Grünberg zog es mich dann wieder zum Unterricht ins Münsterland. Die Reitstunde an sich war jedoch so ereignislos, dass es sich wirklich nicht lohnt, mehr Worte darüber zu verlieren. Einfach ruhiges, nettes Reiten. Auch mal schön. „Na, wie war’s?“ fragte mich dann der beste aller Männer als ich heimkam. „Prima“ sagte ich. „War nötig, was?“ „Hmhm...“ gab ich zu. „Weißte, Birte“ gab er mit wissendem Blick von sich „bei aller Liebe zu Deiner Ponyliebhaberei - aber Du gehörst einfach auf ein Warmblut...!“ WAAAAH? Seit wann weiß dieser Mensch denn, was ein „Warmblut“ ist? (bei aller Liebhaberei zu diesem Mann!)

Fidelma sucht ein neues Pferd

Seither war es nicht mehr möglich, zu meiner Reitschule zu fahren (ich hatte auch nur einen weiteren Termin, welchen ich aus beruflichen Gründen leider canceln musste), aber pferdelos war diese Zeit mitnichten! Diana - meine erste Reitbeteiligung, die mich ihrerzeit so oft in den Satz gesetzt hatte, da sie jedermann (und besonders mir!) beweisen musste, dass sie auch wirklich ein Fluchttier ist, mittlerweile aber ihre Rente genießt - bedarf meiner Pflege, denn ihre Besitzerin ist in Urlaub. Ich genieße es, täglich zu ihr zu fahren und sie zu betüddeln. Küsschen „Reitest Du sie auch?“ (bisschen rumjuckeln würde ihr trotz Rente ja nicht schaden...) werde ich nahezu jeden Tag gefragt. „Wenn mich keiner zwingt, nicht!“ lautet meine Standardantwort. Augenzwinkern Ich liebe dieses Pferd, aber ich habe meine Stürze von ihr nie ganz verwunden und ein Vertrauen zu ihr nie wieder wirklich aufbauen können. Ich hatte mal den Ehrgeiz, dies zu versuchen, dann aber irgendwann beschlossen, dass das alles so gut ist, wie es ist. Man muss halt nicht durch alles im Leben durch...

Manche Dinge jedoch müssen sein. Und dazu gehört dann und wann ein familiärer Kassensturz. Der legte offenbar, dass wir, wenn ich mit meinen Reitstunden wöchentlich so weiter mache, am Jahresende arm sein werden wie die Kirchenmäuse. Weinen Nicht die Reitstunden an sich sind das Problem, nicht einmal die horrenden Spritkosten, die dadurch entstehen. Aber: wenn ich so weiter mache, dann will das Auto in ganz kurzer Zeit schon wieder inspiziert werden - und diesmal, kündigt es schon an, will es die teure, große Wartung! Da ich ja weiß, wie es um Schulpferde und Reitunterricht in der Umgebung bestellt ist, blieb also nur eine Wahl: Fidelma braucht ein neues Pferd! Eine neue Reitbeteiligung soll es sein: nah an zu Hause, ordentlich geritten, gut gehalten, möglichst guter Unterricht und der Besitzer sollte auch noch nett sein. Die Eierlegendewollmilchsau also. Augenzwinkern
Ich durchforstete mein Handy und schrieb eine SMS mit meinem Ansinnen an alle reitenden Menschen, die ich in dieser Umgebung kenne. Wenn mal einer was höre, solle er an mich denken...
Keine fünf Minuten hatte ich zwei Angebote. Dance

Beide Pferde ritt ich bereits Probe: eine wirklich gut auf A /L - Niveau gerittene nette Warmblutstute, witzigerweise mit dem Namen „Fidi“ - Nomen est Omen? großes Grinsen Sowie einen Haffi, den ich auch schon unterm Sattel gesehen und damals für fein befunden hatte. Auch eine Stute. Ich habe mit beiden (sehr netten!) Besitzerinnen die gleichen Konditionen ausgehandelt: ich werde beide Pferde 3 - 4 x Probereiten, in eine Reitstunde gehen, um zu sehen, wie ich mit den jeweiligen Reitlehrern klarkomme und dann in Ruhe entscheiden. Gleiches steht ihnen natürlich auch zu (also eine Anti-Fidelma-Entscheidung).
Die ersten Proberitte waren interessant: mit der Warmblutstute bin ich reiterlich fürs erste Mal prima klargekommen, auch wenn ich mich nur etwas eingeschaukelt habe. Ein wirklich gutes und feines Pferd! Rittig, weich zu sitzen, traumhafter Galopp! geschockt Aber sie erinnert mich in ihrem Wesen stark an Diana (Stichwort: Fluchttier). Ich muss sehen, ob ich es schaffe, ihr einfach zu vertrauen - und auch meiner bescheidenen, aber gewachsenen Sattelfestigkeit. Hinzu kommt, dass sie an einem sehr elitären Stall steht. Hm. verwirrt Habe ich mich geschämt, als ich mich auf das (nach der Ponyzeit relativ große) Ross hinaufkämpfte...

Die Haffi-Maus hat mich hingegen sehr erschreckt: sie ist mir komplett unter dem Hintern weggerannt. Ihre Besitzerin meinte, das sei bei fremden Reitern erst immer so. Meine ganz leise Anfrage nach Galopp beantwortete sie mit einem irren Lospreschen im Trab. Da half kein Durchatmen, kein Reinsetzen, keine Parade - ich fand die Bremse kaum: Achtung! Wand! PUH! Irgendwann bekam ich sie dann doch aus einem annähernden Arbeitstrab angaloppiert - aber auch der Galopp verlief ähnlich rasant. Hui! „Geht das auch in gesetzt?“ fragte ich ihre Besitzerin. „Ja“ sagt sie „aber nur, wenn sie sich auf Dich eingeschossen hat.“ Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass das Stütchen Angst vor mir und meinen Anfragen hatte. geschockt Eindeutig ein Pferd auf dem man singen muss. Tat ich dann auch, ungeachtet der Tatsache, dass ich in fremder Halle mit fremden Menschen und fremdem Pferd war. Hier müssen wir sehen, ob das Tier mir vertrauen wird. Das ist ein bisschen eigenwillig bei mir: ängstlich bin ich nicht bei davonrennenden Pferden, nur bei solchen, die gerne Monster sehen... Das Haffitier lebt in einem Stall, den ich mag und an dem auch eine Freundin von mir ein Pferd stehen hat. Der Reitunterricht beider Anlagen hat einen guten Ruf.
In dieser Woche geht es dann mit beiden Pferden in die zweite Runde. Schaun wir mal...

Eines habe ich dennoch beschlossen: ganz aufgeben werde ich „meine“ Reitschule nicht. Und wenn ich „nur“ einmal im Monat hinfahre. Dazu gefällt es mir dort zu gut. Und berichten werde ich natürlich auch weiter, denn das Projekt „Fidelma lernt reiten“ ist ja noch lange, lange, laaaange nicht abgeschlossen. Augenzwinkern Es geht nur in eine neue Phase.

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Sonntag, 06. Juli 2008
Hjerkinns Gegendarstellung
Von Birtes Viechblog, 22:08

Mit freundlicher Genehmigung von Gastautorin Birgitt

Tja, da hatte ich wieder einmal Besuch. Ich liiieeebe Besuch, wenn er mir was Nettes mitbringt (vorzugsweise was zum Fressen) und mich ansonsten knuddelig findet und des weiteren in Ruhe lässt.
Aber diese Besucherin hatte anderes im Sinn. Birte heißt sie übrigens, hab ich gehört.
Also, mal vorweg, die Birte ist total nett! Echt!
Und sie hat mich auch viel gründlicher geputzt als meine Chefinnen. Dann aber ging’s los.

Satteln, Aufsitzen. Ah... bestimmt soll ich sie die kleine Runde durch den Wald tragen. So
wie Teddy damals. Das macht Spaß!
Runter vom Hof und da treffen wir mein Zweitfrauchen, Marion, die meinem Frauchen und mir immer was zu sagen hat. Die kommt auch zu Fuß mit. Also, DAS hätte mir schon zu denken geben sollen! Aber ich bin ja die Gutmütigkeit in Person. Latschen wir einfach mal los.
Bis zum Nachbarhof. Und da will die Birte doch auf den Hof abbiegen! :augenbrauen

"Wie, auf den Reitplatz? Arbeiten?" Augenbrauen
"Birte, du weißt aber schon, dass es Mittag ist und ich eigentlich Pause habe (immerhin hab ich vier anstrengende Weidestunden hinter mir!)" Augenbrauen
"Und heiß ist es auch! Viel ZU heiß! Und überhaupt werde ich NIE mittags geritten! Komm abends wieder, wenn's denn schon sein muss!" <schnaub>
"Nicht? Na, bild dir nicht ein, dass du mir was zu sagen hast! Ich latsch jetzt ein bisschen hier rum, weil ich ja ein netter Kerl bin, aber dann ist's auch gut!" - tapertapertaper
"He, lass mal die Nerverei mit den Beinen! Waaas? Du haust mich? Also gut... einen Schritt schneller... aber auch nur, weil ich nett bin... und auch nicht lange!" <schiel zu Marion> Marion geht zum Viereck und gibt Birte Kommandos.
"Ach du Sch**** ... jetzt mischt sich die Co-Chefin noch ein. Die meinen das ernst!"
Augenbrauen „Ohoh..... Na gut, könnt ihr haben! phhhh" <ohrennachhintendreh>
“Also, Haltung annehmen, etwas fleißiger gehen (aber wirklich nur etwas...)
"Dann tu ich jetzt mal so, als würd ich arbeiten!"
„Ich kann ja auch mal ein bisschen durchstarten... vielleicht mag sie dann nicht mehr?“
gib Gas...
„Nee, nutzt nix.. Boah... sachma... kannste dich jetzt mal entscheiden, ob Schritt, Trab oder Galopp? Dieses ständige Rauf- und Runterschalten ist ja vollkommen nervig!“
„Und jetzt auch noch rückwärts? Du meinst wirklich RÜCKWÄRTS? Na, dann viel Vergnügen... aber ohne mich!“
Da mischt sich doch die Marion wieder ein. Mist aber auch. Also, na gut... ein bisschen rückwärts. Und nicht zu zügig, nur damit da mal kein Missverständnis aufkommt und die Birte meint, sie hätte gewonnen!“

Uff und dann hat sie doch die Nase voll! Grade rechtzeitig, bevor ich mich ernsthaft hätte anstrengen müssen! Sie ist dann abgestiegen, bisschen eigenwilligen Stil hat sie, sie legt sich neben das Pferd und springt nicht auf die Füße. Aber das muss ja jeder selber wissen, wie er das gern hat!

Und dann klettert mein Frauchen auch noch in den Sattel. hm... da muss ich mich wohl ein bisschen mehr zusammenreißen, denn schließlich kauft sie immer mein Futter. Machen wir also noch eine Dressuraufgabe durch und ich schiel so ein bisschen zur Birte rüber. „Gell, ich kann auch anders pfeif
Liebe Birte, nix für ungut, aber mich muss man sich verdienen! Ich bin schließlich ein Charakterpony!“ Augenzwinkern

Beinah Dein Hjerkinn

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Fidelma trainiert Kampfsport
Von Birtes Viechblog, 21:58

Ich kann es sagen: ich habe meinen vierhufigen Meister gefunden! Sein Name ist Hjerkinn und er ist ein Norwegisches Fjordpferd. großes Grinsen

Der Fidelmamann bekommt noch die Pimpanellen: er meint, wenn es um Pferde ginge, hätte ich jegliches Verhältnis zu Entfernungen verloren. So machte ich mich dann auch letzten Sonntag morgens in der Frühe auf ins Rheinland, nahm einen kilometerlangen Stau und ungefähr weitere 70km Umwegs wegen Umfahrung desselben auf mich, um mit Hjerkinn zu trainieren. Also so richtig sicher bin ich mir nicht mehr, wie es nun genau dazu kommen konnte, aber ich werde ihn in am 2. und 3. August in Grünberg beim Fjordpferdecup reiten. Ich weiß noch, dass es etwas mit Andrea und Kutsche und Gut Beningsfeld und dem Birgitt (Hjerkinns Besitzerin) zu tun hatte - und meinem ausgeschalteten Hirn in Kombination mit meinem vorschnellen Mundwerk. Sei's drum. Genannt ist genannt - zurückrudern gilt nicht! Augenbrauen Ich habe einen Dressurreiterwettbewerb und eine E-Dressur gemeldet. Und das alles mit einem Pony, auf dem ich vor 1,5 Jahren mal ein paar Minuten saß und das ich, außer an diesem Sonntag, kein weiteres Mal werde reiten können. Mal wieder eine völlig irre Idee.

Freitags zuvor hatte mich zu Hause die liebe Nadine ihren Lillebror reiten lassen und so konnte sich mein Allerwertester nach einigen warmblütigen Monaten schon einmal etwas auf Pony einstellen.

Ich komme etwa eine Stunde nach der verabredeten Zeit an Hjerkinns Zuhause an (zum Glück gibt es Handys!) und erblicke die fleißige Birgitt beim Weideabäppeln. Nachdem ich mich zu ihr gesellt habe ertönt das laute Brummen eines Geländewagens und es folgt ein fleißiger Austausch freundlichen Gewinkes als die Fahrerin aussteigt. Dies sei, so teilt Birgitt mir mit, ihre liebe Reitlehrerin Marion, die gekommen sei, weil "sie sich das Schauspiel nicht entgehen lassen wolle". Spätestens in diesem Moment und bei dieser Aussage hätten bei mir alle Alarmglocken schrillen sollen. In einem Anfall meines üblichen Größenwahns ("Das wird schon...") und vorrübergehender Taubheit nehme ich diesen Satz aber nicht zu Kenntnis...

Wir holen's Pony, ratschen lange und ich mache ihn, der einfach nur knuddelig guckend am Band steht (Oh jaaa! Knuddelig gucken kann er wie kein Zweiter!) reitbereit. Hjerkinn ist bekannt für seine Blitzstarts, und auf eben jene hatte ich mich auch moralisch eingestellt. Auf alles andere nicht.

Im Viereck angekommen merke ich zunächst, dass er nicht wirklich vorwärts laufen möchte. "Och, nööö..." Ich fummel mich im Schrittschleich etwas ein und bekomme von Birgitt und Marion die Ansage "Übergänge, Übergänge und Übergänge" zu reiten. Zunächst testet Hjerkinn mich nur wenig - "Zirkel? Ach, neee..." - "Ecke ausreiten? - Phhhhh..." - "Flotter? - Pah!" Ich beginne zu schwitzen. Ganz leise reift in mir die Erkenntnis, dass wir vielleicht doch nicht wirklich ein Dreamteam auf Anhieb sind... Etwas unmotiviert trabt er auf mein Geheiß hin an. Meinen beiden zusehenden Damen gebe ich zwei Dinge mit: "Wundert Euch nicht über meinen Kopf, der wird immer rot - ich fall schon nicht vom Pferd!" - und - "Bitte sagt mir, was ich tun soll - Ihr kennt ihn und wisst am Besten, wie man ihn löst..." Sie grinsen nur.

Ich reite also die geheißenen Übergänge und Bögen - ich bekomme ihn zwar immer in die nächst höhere Gangart, aber irgendwie klappt es nicht wirklich. "Oh, Himmel" denke ich "Wie sollen wir nur ansatzweise korrekt durch eine Prüfung kommen? Das wird ja ein Desaster!"

"Mach Dir nix draus, der testet nur..." schallt es von den Frauen an der Bande "Das tut er immer! Liegt nicht an Dir..." *schluck*

Sehr schnell merke ich, dass ich in den letzten Monaten wohl gelernt habe, mich ansatzweise gerade auf einem Pferd zu halten, aber eines wirklich zu REITEN, davon bin ich meilenweit entfernt. Und plumps falle ich auch schon wieder in alte Bewegungsmuster. Goldsuchersyndrom, ich knicke rechts ein, trabe sogar auf dem falschen Fuß leicht... Augen rollen Zwei kleine Diskussionen über "Und was sagst Du, wenn ich mich erschrecke? Hm? Bekommste Angst?" beende ich mit einem klaren "Nein!" was das Pony mit einem deutlichen "Sch***e!" und eher gesteigerten Trotzreaktionen quittiert. Marion hält es nicht mehr an der Bande. Diesem Übel kann sie nicht tatenlos zusehen. Sie steht plötzlich in der Bahn und erteilt mir Anweisungen. Traben, Volte, angaloppieren, durchparieren, traben, Volte, abgaloppieren... usw. Irgendwann kommen wir zum Rückwärtsrichten. Und da geht es dann endgültig los.

Meine Hilfen stimmen einigermaßen, aber Hjerkinn sagt einfach nur "NEIN!" Ich sag "DOCH!" und dann geht es nur "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - NEIN!" Er legt die Ohren an und fletscht die Zähne. Hjerkinn ist sauer. Zunge raus
"Uiuiui!" meinen meine Zuschauerinnen "Heute mimt er aber heftigst den Clown." Mittlerweile sehen uns noch mehr entgeistert bis höhnisch blickende Menschen zu. Haha Marion nimmt meine Gerte und damit die Sache in die Hand. Darauf war Hjerkinn nicht gefasst und er fügt sich widerwillig (äußerst widerwillig!) in sein Schiksal. "Wirklich," sagt sie "es liegt nicht an Dir, das tut er immer - nur nicht immer so heftig... Aber er testet IMMER!" Ich bekomme einen Mordsrespekt vor Birgitt und Madu und Marion. Respekt Außerdem frage ich mich, ob die das nur sagen, damit ich mich nicht allzu mies fühle?

Ich habe meinen Meister gefunden. Eindeutig. Dieses Pony ist eine echte Herausforderung. In den letzten vier Jahren und besonders den letzten Monaten bin ich viele Pferde geritten: solche, die sich ständig künstlich aufregten, welche, denen alles egal war, wenige echte Professoren, die nur dann mitmachten, wenn man selbst alles richtig machte, einige, die man erst überreden musste, Rennsemmeln und auch Selbstläufer. Aber so stur wie Hjerkinn, nein, das habe ich wirklich noch nicht erlebt! Selbst mein Scheckentier (und der war wirklich auch stur!) war ein Karussellpferd gegen ihn.

Dann liest Marion die erste Aufgabe vor. Oh je... Ooohhh jeee... Es ist nicht so, dass wir nicht durchkommen, aber schön geht anders. Zumindest bekomme ich ihn ansatzweise gepackt. Zum ersten Mal an diesem Tag. Aber er braucht nicht viel, um sich, und damit auch mich, wieder auszuhebeln.
Beim Galoppieren bekomme ich einen Krampf in beiden Waden. Aua.

Marion gönnt uns keine Pause, lässt sofort nach der Aufgabe Schenkel im Trab weichen (links kann ich das ja nichtmal vernünftig im Schritt, aber rechts klappt es so lala), wieder Volten, wieder Übergänge, einfache Hand- und Galoppwechsel. "Der kann das alles, aber man muss ihn erst überzeugen" ruft sie. Ach, echt? Irgendwann brüll ich nur noch aus dem letzten Loch pfeifend "Pause!" Hjerkinn hat kein nasses Haar! böse "Du wolltest doch gefordert werden..." grinst Birgitt. Haha

Dann geht es in die zweite Aufgabe. Diese klappt deutlich besser und ich bekomme Hjerkinn etwas besser gepackt und er arbeitet sogar ansatzweise mit. Die Aufgabe an sich ist etwas höher in den Ansprüchen. Das scheint auch ihm zu gefallen. "Besser" sagen beide Frauen "...aber gut nicht" füge ich in Gedanken hinzu. Marion meint, blamieren werde ich mich nicht. Ein "Aber..." wabert unausgesprochen über dem Reitplatz. Wir wollen es gut sein lassen, beschließen wir, aber Birgitt soll noch ihre Aufgaben durchreiten. Und beim Absitzen passiert es dann: Platsch, da liegt die Birte auf dem Boden! geschockt Der Boden war irgendwie näher als sonst und urplötzlich da. Wie eine Schildkröte lieg ich auf dem Rücken. Während Hjerkinn, Birgitt und Marion gleichermaßen verdutzt auf mich herabsehen kugel ich mich im Sand über meine eigene Tollpatschigkeit. Lachen

Birgitt reitet ihre Aufgabe wirklich prima durch und wir beenden die Reiteinheit. Marion fährt nach Hause und auf dem Weg zum Stall fragt Birgitt mich besorgt, ob ich jetzt sehr frustriert und enttäuscht sei. Nein, bin ich nicht. Sie solle sich vorstellen, alles hätte wie am Schnürchen geklappt und Hjerkinn hätte mir erst in Grünberg gezeigt, was er von mir hält. Dann wäre ich ja erst Recht in Nöte gekommen. So weiß ich nun, was mich erwartet aber auch, dass ich ihn grundsätzlich gepackt bekomme. Gibt halt nur kein schönes Gereite und vermutlich viel zu lachen, wie Andrea schon angemerkt hat... Nach Durchsicht des Videos, das Birgitt von mir und Hjerkinn gedreht hat (nein, Ihr bekommt es nicht zu sehen Augenbrauen - Ihr sehr es dann ja live) bin ich davon überzeugter denn je und habe meine Ansprüche gen Null geschraubt... Aber egal, dabei sein ist alles! Rauchen
Auf dem Video ist übrigens auch zu sehen, dass Hjerkinn zu keiner Sekunde unter mir gelitten hat. Im Gegenteil: er lief ganz locker und flockig mit leicht schwingendem Schweif - er war wirklich einfach nur stur!

Birgitt und ich beendeten den frühen Nachmittag mit von ihr gebackenem, leckeren Apfelkuchen und amüsieren uns noch etwas über den Ponymann, der wieder wie der Unschuldsengel persönlich da steht. Engel Ich lese Christophers (Birgitts Sohn, im Forum Sunnyboy1) letzten Eintrag. Er endet mit: "Hjerkinn ist ein stolzes Ross!" Wie Recht er doch hat! Stolz und eigensinnig. Und falls hier ein anderer Eindruck entstanden ist: Ich finde Hjerkinn einfach großartig!

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