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Dienstag, 23. September 2008
Fidi und Fidi lernen sich kennen - Part II
Von Birtes Viechblog, 11:30

oder: Fidelma geht in die Lehre

Moin zusammen! Winken

Gestern wurde ich im (alten) Stall angesprochen, wann ich denn mal wieder was über Fidi und mich zu schreiben gedenke? Voilà! großes Grinsen

Wird aber lang! Sag ich nur schonmal...

Fidi macht mir wirklich viel Freude. Ich muss ja zugeben, dass ich anfangs dachte: Prima, solide gerittenes, feines Pferd - sehr gut, um reiten zu lernen - aber eben "nur" ein typisch - wie zum Beispiel manche Fjordleute oder auch "Barockies" das ja so schön ausdrücken - "großes braunes Warmblut"... Augenzwinkern Nicht grad die Pferdeliebe auf den ersten Blick. Tja...

Wie soll ich sagen? Fidi hat so einen ausgeprägten Charakter, der mein Herz immer mehr anrührt. Ich finde sie so witzig. Lachen Und ich lerne so viel von ihr... Viel mehr als "nur" reiten! Freude

Reiterlich konnten wir uns bisher nur marginal annähern, da ich zwischendrin eine Woche auf Dienstreise gewesen bin oder die Reitstunde ausfiel. So habe ich die Zeit genutzt, mich einfach nur auf ihr einzufummeln. Anfangs war Fidis Besitzerin auch noch oft dabei - das ist spannend für uns beide und stört mich nicht im Geringsten. Am Sonntag hatten Fidi und ich dann aber unseren ersten Tag trauter Zweisamkeit.

Nebeneffekt des Reitenlernens ist durch den neuen Stall auch, dass ich nun hautnah die Unterschiede zwischen einem reinen "Freizeitreiterstall" und einem reinen "Turnierstall" erlebe. Da ist am Sonntag morgen niemand! geschockt Oder zumindest so gut wie niemand. Sonntag morgens (um halb neun zum Beispiel) sind die nämlich entweder alle schon zum Turnier - oder sie schlafen noch... Sich einfach nur dem Pferd zu widmen, bzw. dafür zu sorgen, dass selbiges möglichst früh auf die Wiese kommt, das macht kaum jemand. geschockt DAS kenne ich von meinem "alten" Stall nicht! Mit hochgradigem Befremden habe ich zudem festgestellt, dass es wirklich noch Pferdebesitzer gibt, die ihre hochpreisigen Turnierzossen (man schreit ja allenthalben, das gäbe es nicht mehr - doch, tut es, leider traurig ) 23 Stunden in die Box sperren... Besitzer- nicht Stallentscheidung, wohlbemerkt!

Der Fidelmamann brachte es ziemlich auf den Punkt: sperrte ich eine Katze lebenslang auf 4x4m ein und jemand bekäme das mit, hätte ich ratzfatz den Tierschutz auf dem Hals... Bei einem Pferd entlocke das anscheinend zwar viel Kopfschütteln, aber mehr auch nicht...

Das Fidifrauchen und Fidi gehören ja Gott sei Dank (!) nicht zu der Gattung einsperrender oder eingesperrter Wesen - sonst hätten wir wohl auch kaum zusammen gefunden - aber eine irre komplizierte Weideregel (durch die ich nun endlich langsam durchsteige: der darf nicht mit dem und die nicht mit der und... fragt einfach nicht) sorgt dafür, dass auch Fidis Weidezeit begrenzt ist. Drei, maximal vier Stunden am Tag...

Damit sowohl die erste "Ladung" als auch die zweite möglichst viel vom Sonntag auf der Wiese hat, begab ich mich also früh zum Stall. Fidi wollte ich reiten, um dann mittags die Pferde "umzutopfen".

Es wäre vermessen zu behaupten, Fidi hätte bereits eine Bindung zu mir aufgebaut, aber die Synapse "die gehört irgendwie dazu" ist jedenfalls in ihrem Hirn bereits freigeschaltet. großes Grinsen Ich war total irritiert: laut wieherte sie mir entgegen! Ich sah mich um: kein Futterwagen, kein Heuverteiler, auch sonst niemand aus Pferdeperspektive bedeutsamer Mensch in der Nähe... Sie meinte tatsächlich mich! "Raus! Ich will raus! Und Du hast dafür zu sorgen!" so lautete die Botschaft. Größtes Pferdeempören machte sich breit, als ich dann aber mit den Weidegenossen an der Hand an ihr vorbei schlappte. *schnaub* *wieher* *Box umgrab* Unverschämtheit!

Als ich dann mit Sattelzeug und Putzkiste vor ihrer Box auflief, machte Frau Stute nur noch große Augen: "Das jetzt aber nicht wirklich Dein Ernst, oder?" geschockt fragte sie und murrte dann auch während der Pferdehygiene ziemlich herum. Ein energisches "FIDELIA!" meinerseits reichte jedoch, um die Fronten wieder zu klären. Nachdem ich's Stütchen fast komplett angezogen hatte, stand sie plötzlich auf drei Beinen und warf einen weinerlichen Blick auf den rechten Hinterlauf. "Aua!" sagt sie leise. Prinzessin auf der Erbse? Ich hatte tatsächlich die Gamasche einen Ditsch zu stramm gezogen... Gut, dass sie Bescheid gibt. Engel

Beim Reiten war sie sehr brav und fleißig und an jenem Morgen testete ich dann mal mehr aus, was ich alles mit ihr anstellen kann (für meine Verhältnisse ziemlich viel - Fidi ist echt sehr bemüht, alles richtig zu machen). Ich konzentrierte mich extrem auf ein wirklich korrektes Reiten meinerseits (also auf alles, was das Fidifrauchen mir so gesagt hatte). Machte Spaß. Freak Ich war hinterher klitschnass geschwitzt. Intensive Recherchen ergaben dann auch am Pferd drei nasse Haare (in der Gurtlage...). Gestern hatte ich dann zum ersten Mal wieder richtig Muskelkater vom Reiten, und das ohne, dass mich ein Reitlehrer gequält hatte. Augenbrauen

Fidi hat leider ein kleines Gebäudeproblem. Sie steht hinten sehr eng und läuft, wenn sie nicht ordentlich von hinten nach vorne durchgeritten wird, auch so. Zudem hatte sie kurz vor der Umstallung in diesen Stall im Juni einen kleinen Unfall: sie hatte sich festgelegt und dabei eine ordentliche Prellung (nein, es war doch kein eingeklemmter Nerv, wie ich es manchen hier schon pm geschrieben hatte) auf dem Schweifrübenansatz und diverse Blockaden zugezogen. Durch die lange Rekonvaleszens hat sie nun extrem an der Hinterhand Muskulatur abgebaut und hat seither auch Schwierigkeiten diese wieder ordentlich aufzubauen... Einen richtigen "Knackarsch" hatte sie laut ihrer Besitzerin aber wohl eh noch nie...
Ab und an (also nicht immer!) sackt sie hinten links leicht ein - sieht fast aus wie eine leichte Ataxie. Nach ein paar Tritten geht sie dann wieder klar. TA und Osteo haben dies einheitlich als muskuläres Problem benannt, welches "weggeritten" werden müsse.

Hier sieht man das ganz gut:


Dies ist mein Wehrmutstropfen: insgeheim hatte ich die ganze Zeit Angst, zu schwer für Fidi zu sein... Seit für mich klar ist "sie ist es" zähle ich wieder fleißig Punkte. Vier Kilo habe ich seither verloren...

Gestern war dann der große Fidi-Gesundheitstag. Fidis Besitzerin und ich haben beide Urlaub. Wir konnten also alles zusammen machen. Ich glaube, sie genießt es, jemanden (also mich großes Grinsen ) zu haben, mit dem sie sich austauschen, gemeinsam überlegen, planen und das Pferd umsorgen kann. Zuerst fuhren wir mit dem neuen großen Blutbild zum Futterhändler mit der bekanntermaßen größten Kompetenz zur Fütterungsberatung. Was kann man - mal abgesehen von Anabolika (die soll die Stute natürlich nicht bekommen! Augenzwinkern ) und ordentlichem Reiten noch tun, dass das Hinterteil wieder runder wird? Vollbepackt kamen wir dann in den Stall. Dann kam der Pferdephysiotherapeut. Vor diesem Termin hatte ich etwas Angst - wie gesagt, ich reite nicht so dolle und bin kein Fliegengewicht... Hätte der gesagt, ich sei für's erste nix fürs Tier: ich hätte sie auch über Monate nur longiert...

Eindrücke von "Fidelma und Fidelia" (4. Ritt - ich trau mich jetzt einfach mal):





Von diesem Menschen war ich schwer beeindruckt. So viel Zeit, so viel Ruhe, so viel Erklärung und so viel Kompetenz... geschockt Mir hat er Nahe gelegt, mir das Buch "Finger in der Wunde" und "Der Reiter formt das Pferd" zu besorgen ([x] done), um noch mehr nachvollziehen zu können, was er da redet. Und ich solle, so wie es schon geplant und umgesetzt wird, mit Dreieckszügeln reiten. Ansonsten gab er klare "Reithausaufgaben" an Fidis Besitzerin (die das natürlich viel besser umsetzen kann als ich) und mich: die nächsten sechs Wochen nur v/a reiten, biegen, biegen, biegen und imer wieder das Hinterbein aktivieren. Viele Seitengänge. Drei Gänge zurück, vom leichten zum Schweren. Der Rücken muss zum Schwingen kommen. Alles Binsenweisheiten, ich weiß. Keine Revolution. Aber mir wurde schon mulmig, ob ich das alles so umsetzen kann. "Dafür ist Deine Reitlehrerin da - die sieht das sehr genau und weiß, worum es geht und wird Dich korrigieren! Und lass ja die Dreicker drauf!" Wo er Recht hat. Selbige wird in den "Behandlungsplan" mit ins Boot geholt. In sechs Wochen kommt er wieder...

Was mich extrem beeindruckt hat war, dass der "Hubbel" auf Fidis Kruppe nach der Behandlung plötzlich "weg" war. geschockt Sie hatte eine ganz andere Oberlinie (selbst für mich sichtbar). Das war natürlich nix Dauerhaftes, aber für den Moment schon sehr eindrücklich.

Für mich ist es so: plötzlich habe ich nicht nur ein Pferd, auf dem ich reiten lernen will, sondern eines, dass ich auch richtig zu reiten lernen muss, damit es voll und ganz gesund bleibt / wird. Und da steigen die Anforderungen natürlich noch einmal... Aber: ich bin ja nicht alleine. großes Grinsen

Gefühlt ist es so: die ersten drei Jahre nach meinem "Wiedereinstieg" werte ich aktuell als "Praktikum". Das letzte halbe Jahr als "Schnupperkurs Reitenlernen" - und nun gehe ich quasi in die Lehre...

Leider fällt durch die Behandlung gestern die erste Einzelstunde, die morgen auf dem Programm für mich gestanden hätte, aus. Wir longieren Fidi die heute und morgen nur (zusammen - wir wollen "eine Linie" drin haben und ich soll eben auch nochmal sehr genau zugucken, worauf es ankommen wird) und dann setzt sich am Donnerstag zunächst ihre Besitzerin wieder drauf. Am Freitag werde ich dann wieder unter ihrer Anleitung reiten. Nächste Woche wird es dann hoffentlich endlich mit dem "richtigen" Reitunterricht losgehen.

Ich werde berichten. großes Grinsen

Liebe Grüße

Fidelma

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