Viel Neues :-)
Lange ist es her, dass ich mich befleißigte, von meinen reiterlichen Erlebnissen zu erzählen und des Öfteren wehte mir nun schon die Frage: „Wann schreibste denn endlich was?“ um die Ohren, respektive in die Augen (eine Frage, die mich doch ehrt und freut
). Nun ja... Ich glaube, man nennt das bei „Professionellen“ Schreibblockade - mir fehlte schlicht die Inspiration. Die Muse hat mich jedoch wieder geküsst und also widme ich mich einem neuen Bericht.
Da ja doch einiges seit Juli geschehen ist, untergliedere ich diese Erzählung in zwei Einzelkapitel.
Fidelma reitet ein Turnier
Grünberg - eigentlich wollte ich den Mantel des Schweigens drüber hängen, aber irgendwie finde ich: hierüber etwas zu schreiben, das bin ich Euch schuldig.
Grünberg war gut! Sehr gut sogar ...für meine Demut.
Nach fast vier Wochen urlaubsbedingten gar nicht Reitens hatte ich die Ehre, mich am Samstagmorgen in Grünberg auf Hjerkinns Rücken zu schwingen. Testreiten für die am Nachmittag stattfindende E-Dressur und den Dressurreiterwettbewerb am folgenden Sonntag. Die bestürzten Gesichter der neugierig guckenden Fjordforum-Mitglieder, die wie die Hühner auf der Stange auf dem Heuwagen am Rande saßen (ich hab es nicht gehört, aber es sah so ein wenig so aus, als sagten sie „Sie hat ja nie behauptet, reiten zu können, aber sooo schlimm hatten wir uns das nicht vorgestellt...“
) entsprachen auch meinen Gedanken: es klappte wirklich nix! Ich bekam Hjerkinn nicht „gepackt“, zum Sitzen kam ich gar gar nicht, das Pony mimte die Giraffe und tat mit mir, was es wollte - alles fühlte sich doof an und muss ebenso ausgesehen haben. Außer meinem Japsen und einem genervten Pferd: Ebbe! Nach Rücksprache mit Birgitt und ihrer Reitlehrerin Marion gingen wir zur Meldestelle und ich meldete kleinlaut einen Reiterwechsel für den einfachen Reiterwettbewerb am Mittag an (den wollte Sandalin eigentlich selbst reiten, sie fühlte sich aber an diesem Tag nicht so gut). „Da können wir ihn wenigstens ausbinden...“ so Marions Kommentar.
Birgitt und Marion machten mir das Pony turnierfein (tolle TT!
) während mir die Düse ging. Ein Entspannungsversuch in Andreas WoMo schlug gründlich fehl. Als ich mich Hjerkinn wieder näherte, zog er die Nüstern kraus. Ich schwöre Euch, der sagte: „Uuoah! DIE schon wieder!“
Dieses Charakterpony mag mich ganz offensichtlich nicht. Und auch in mir reifte die skeptische Erkenntnis: Beste Freunde werden wir beide in diesem Leben wohl nicht! Auf dem Abreiteplatz war dann alles tutti und ich hatte das Gefühl, dass das vielleicht doch was werden könne. Dann ging es in die Halle: erste Abteilung, kleinste Kopfnummer - ab an die Tete! Was ich eigentlich zu vermeiden versucht hatte. Direkt nach Prüfungsbeginn zeigte Hjerkinn dann auch, dass dies nicht seine Favoritenposition war und flüchtete vor dem unsichtbaren Monster am Hallentor. Und ab jenem Moment war mir eigentlich alles egal. Leider entwickelte sich das nicht in eine fatalistische Haltung à la „egal was kommt, es wird schon passen“ sondern mehr in Richtung „eigentlich hab ich keine Lust mehr“. Motivationstief in der Prüfung. So etwas geht gar nicht!
Und es ist auch im Nachhinein betrachtet das Einzige, worüber ich mich echt ärgere.
Die Prüfung an sich verbuche ich unter „demütigendstes Erlebnis meiner reiterlichen Laufbahn“. Spätestens auf jeden Fall in jenem Moment, in dem es aus dem Mund der Richterin in einem mehr als mütterlichem Ton schallte „... und dann trabt die Birte jetzt mal an...“ (die kleine Birte wollte aus dem Hallenparadies abgeholt werden und sich knatschend ins Bällchenbad verziehen, um die anderen Kinder mit der Schüppe zu hauen!
). Am Ende langte es dann immerhin noch der soliden Wertnote von 6,4 und somit zu Platz 3!
(... von vier)
Die anderen genannten Prüfungen zog ich zurück.
Meinem johlenden Publikum hier aus dem Fjordforum während der Platzierung danke ich hiermit noch einmal herzlich.
Am Nachmittag traf ich dann noch einmal die Erstplatzierte aus meiner Abteilung, die mir etwas hochmütig mitteilte, wir beide hätten ja schließlich auch keine wirkliche Konkurrenz gehabt. Höh?
Erst auf meine erstaunt hochgezogenen Augenbrauen bekam sie schnell die Kurve: „Äh, ich meinte die Vierte...“ Das fand ich nicht nett.
Abends setzte mich Sassi noch ein wenig auf Mondrian, der mir wenigstens etwas das Gefühl gab, ein klitzekleines Bisschen reiten zu können. Danke! War gut fürs Selbstwertgefühl an diesem Wochenende.
Mein Dank gilt aber natürlich selbstverständlich Birgitt, die mir ihr Pony so großzügig angeboten hatte.
Heute kann ich mich, erzähle ich von Grünberg, übrigens über mich selbst und das Gewesene scheckig lachen.
Schade, dass mir vor Ort mein Humor etwas abhanden gekommen war. So habe ich wahrscheinlich viel von der ansonsten wirklich netten Veranstaltung verpasst.
Lesson 14: Nix Besonderes, aber schön (kurz und knapp)
Eine Woche nach Grünberg zog es mich dann wieder zum Unterricht ins Münsterland. Die Reitstunde an sich war jedoch so ereignislos, dass es sich wirklich nicht lohnt, mehr Worte darüber zu verlieren. Einfach ruhiges, nettes Reiten. Auch mal schön. „Na, wie war’s?“ fragte mich dann der beste aller Männer als ich heimkam. „Prima“ sagte ich. „War nötig, was?“ „Hmhm...“ gab ich zu. „Weißte, Birte“ gab er mit wissendem Blick von sich „bei aller Liebe zu Deiner Ponyliebhaberei - aber Du gehörst einfach auf ein Warmblut...!“ WAAAAH? Seit wann weiß dieser Mensch denn, was ein „Warmblut“ ist?
(bei aller Liebhaberei zu diesem Mann!)
Fidelma sucht ein neues Pferd
Seither war es nicht mehr möglich, zu meiner Reitschule zu fahren (ich hatte auch nur einen weiteren Termin, welchen ich aus beruflichen Gründen leider canceln musste), aber pferdelos war diese Zeit mitnichten! Diana - meine erste Reitbeteiligung, die mich ihrerzeit so oft in den Satz gesetzt hatte, da sie jedermann (und besonders mir!) beweisen musste, dass sie auch wirklich ein Fluchttier ist, mittlerweile aber ihre Rente genießt - bedarf meiner Pflege, denn ihre Besitzerin ist in Urlaub. Ich genieße es, täglich zu ihr zu fahren und sie zu betüddeln.
„Reitest Du sie auch?“ (bisschen rumjuckeln würde ihr trotz Rente ja nicht schaden...) werde ich nahezu jeden Tag gefragt. „Wenn mich keiner zwingt, nicht!“ lautet meine Standardantwort.
Ich liebe dieses Pferd, aber ich habe meine Stürze von ihr nie ganz verwunden und ein Vertrauen zu ihr nie wieder wirklich aufbauen können. Ich hatte mal den Ehrgeiz, dies zu versuchen, dann aber irgendwann beschlossen, dass das alles so gut ist, wie es ist. Man muss halt nicht durch alles im Leben durch...
Manche Dinge jedoch müssen sein. Und dazu gehört dann und wann ein familiärer Kassensturz. Der legte offenbar, dass wir, wenn ich mit meinen Reitstunden wöchentlich so weiter mache, am Jahresende arm sein werden wie die Kirchenmäuse.
Nicht die Reitstunden an sich sind das Problem, nicht einmal die horrenden Spritkosten, die dadurch entstehen. Aber: wenn ich so weiter mache, dann will das Auto in ganz kurzer Zeit schon wieder inspiziert werden - und diesmal, kündigt es schon an, will es die teure, große Wartung! Da ich ja weiß, wie es um Schulpferde und Reitunterricht in der Umgebung bestellt ist, blieb also nur eine Wahl: Fidelma braucht ein neues Pferd! Eine neue Reitbeteiligung soll es sein: nah an zu Hause, ordentlich geritten, gut gehalten, möglichst guter Unterricht und der Besitzer sollte auch noch nett sein. Die Eierlegendewollmilchsau also.
Ich durchforstete mein Handy und schrieb eine SMS mit meinem Ansinnen an alle reitenden Menschen, die ich in dieser Umgebung kenne. Wenn mal einer was höre, solle er an mich denken...
Keine fünf Minuten hatte ich zwei Angebote.
Beide Pferde ritt ich bereits Probe: eine wirklich gut auf A /L - Niveau gerittene nette Warmblutstute, witzigerweise mit dem Namen „Fidi“ - Nomen est Omen?
Sowie einen Haffi, den ich auch schon unterm Sattel gesehen und damals für fein befunden hatte. Auch eine Stute. Ich habe mit beiden (sehr netten!) Besitzerinnen die gleichen Konditionen ausgehandelt: ich werde beide Pferde 3 - 4 x Probereiten, in eine Reitstunde gehen, um zu sehen, wie ich mit den jeweiligen Reitlehrern klarkomme und dann in Ruhe entscheiden. Gleiches steht ihnen natürlich auch zu (also eine Anti-Fidelma-Entscheidung).
Die ersten Proberitte waren interessant: mit der Warmblutstute bin ich reiterlich fürs erste Mal prima klargekommen, auch wenn ich mich nur etwas eingeschaukelt habe. Ein wirklich gutes und feines Pferd! Rittig, weich zu sitzen, traumhafter Galopp!
Aber sie erinnert mich in ihrem Wesen stark an Diana (Stichwort: Fluchttier). Ich muss sehen, ob ich es schaffe, ihr einfach zu vertrauen - und auch meiner bescheidenen, aber gewachsenen Sattelfestigkeit. Hinzu kommt, dass sie an einem sehr elitären Stall steht. Hm.
Habe ich mich geschämt, als ich mich auf das (nach der Ponyzeit relativ große) Ross hinaufkämpfte... 
Die Haffi-Maus hat mich hingegen sehr erschreckt: sie ist mir komplett unter dem Hintern weggerannt. Ihre Besitzerin meinte, das sei bei fremden Reitern erst immer so. Meine ganz leise Anfrage nach Galopp beantwortete sie mit einem irren Lospreschen im Trab.
Da half kein Durchatmen, kein Reinsetzen, keine Parade - ich fand die Bremse kaum: Achtung! Wand! PUH! Irgendwann bekam ich sie dann doch aus einem annähernden Arbeitstrab angaloppiert - aber auch der Galopp verlief ähnlich rasant. Hui! „Geht das auch in gesetzt?“ fragte ich ihre Besitzerin. „Ja“ sagt sie „aber nur, wenn sie sich auf Dich eingeschossen hat.“ Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass das Stütchen Angst vor mir und meinen Anfragen hatte.
Eindeutig ein Pferd auf dem man singen muss. Tat ich dann auch, ungeachtet der Tatsache, dass ich in fremder Halle mit fremden Menschen und fremdem Pferd war.
Hier müssen wir sehen, ob das Tier mir vertrauen wird. Das ist ein bisschen eigenwillig bei mir: ängstlich bin ich nicht bei davonrennenden Pferden, nur bei solchen, die gerne Monster sehen... Das Haffitier lebt in einem Stall, den ich mag und an dem auch eine Freundin von mir ein Pferd stehen hat. Der Reitunterricht beider Anlagen hat einen guten Ruf.
In dieser Woche geht es dann mit beiden Pferden in die zweite Runde. Schaun wir mal...
Eines habe ich dennoch beschlossen: ganz aufgeben werde ich „meine“ Reitschule nicht. Und wenn ich „nur“ einmal im Monat hinfahre. Dazu gefällt es mir dort zu gut. Und berichten werde ich natürlich auch weiter, denn das Projekt „Fidelma lernt reiten“ ist ja noch lange, lange, laaaange nicht abgeschlossen.
Es geht nur in eine neue Phase.