Du befindest dich in der Kategorie: Pferdiges Sonntag, 07. September 2008
Fidelma und Fidelia
Hallo Gemeinde, I proudly present:
Fidelia ![]() Tochter des berühmten Fidelio - Halbschwester des noch berühmteren Florestan I - gute 167cm hoch - 13 Jahre alt
Wie Ihr seht: trotz der Verwandtschaft - auch nur ein Pferd. Und noch dazu hier eins mit nem dreckigen Kopp (andere Fotos hab ich - noch - nicht). Auf Papieren kann man ja bekanntlich nicht reiten aber: Reiten lernen werde ich auf diesem Pferd bestimmt ne ganze Menge! Diejenigen von Euch, die Diana (mein "altes Mädchen") kennen, wissen angesicht dieses Kopfbildes vielleicht, warum mich Fidelia - abgesehen von der Farbe - an sie erinnert...Ich hatte ja berichtet, dass genau diese Erinnerung an Diana mich erst daran zweifeln ließ, ob dies das richtige Pferd für mich sei. Also nahm ich mir Zeit, sie etwas besser kennen zu lernen indem ich sie beobachtete. Ihre Besitzerin lud mich eine knappe Woche nach dem ersten Proberitt ein, mir den hiesigen Reitunterricht anzusehen. Sie ritt in dieser Stunde selbstverständlich mit. Zwei Freundinnen (eine davon meine alte Reitlehrerin, deren Wort viel Gewicht für mich hat) sowie die "Vermittlerin" waren ebenfalls zugegen. Als ich ankam fand ich weder Pferd noch Frau in / an der Box noch in der Halle. Ich ging nach draußen und sah etwas, das mein Herz erfreute. Fidelia (kurz Fidi) ging am langen Zügel mit Reiterin auf dem Rücken ganz entspannt eine Runde ums Feld. DAS wäre mit Diana nicht möglich. Die Reitstunde war wirklich ok, meine Begleiterinnen waren sehr angetan vom Stütchen und wie sie geritten ist ("Ganz tolles Pferd! Würd mich sooo freuen, wenn das klappt!") und beim Pferdversorgen fragte die "Vermittlerin" wie es denn nun weitergehe? Fidis Besitzerin und ich guckten uns an: "Ja, öhhh..., also..." "Mann! Seid Ihr kompliziert!" war ihr lachender Kommentar "Wann hast Du das letzte mal "pferdefrei" gehabt?" fragt sie das Fidifrauchen "Öhm..." Also schon ne ganze Weile nicht mehr. "Und was machst Du am Wochenende?" Diese Frage ging an mich. "Bis jetzt noch nix..." erwiderte ich. "Gut, dann kommt die Birte am Samstag und kümmert sich um Fidi (red. Anmerkung: nicht reiten, das war klar), während Du Dich mal Deinem Privatleben widmen kannst!" Und so war die Geschichte abgemacht. Machte ja auch Sinn, dass ich mich mal alleine mit dem Tier beschäftige, nur mal so um zu sehen, wie am Boden die Chemie zwischen uns ist. Da ich zur Pferdebespaßung aber an Fidis Sachen musste, mussten wir noch klären, wie ich an den Spindschlüssel komme. Da es Donnerstag war blieb nur noch der Freitag, um das zu regeln - und da ich dann ja eh kam, bot sich der zweite Proberitt doch gleich mit an... Fidis Besitzerin wollte sie, bevor ich mich auf ihren Rücken schwang, noch einmal alleine lösen und ging dazu weder auf den Platz, noch in die Halle, sondern einfach auf die große, offene Wiese. An der führt eine Landstraße sowie der Zufahrtsweg zum Stall vorbei. Lastwagen, Trecker, Autos mit Pferdehänger, selbst ein scheppernder Sattelzug: all das entlockte dem Tier nicht einmal ein Zucken mit dem Ohr... Einmal machte sie einen (sehr) kleinen Freudenbuckler. Und ich saß nur am Rand und staunte und dachte immer nur wieder: "Ist die cool... Meine Güte, wie cool die ist... Kein Vergleich zu Diana!" Wir beschieden, dass ich sie jedoch nicht direkt beim zweiten Probieren auch auf dieser offenen Wiese reiten solle (man hat ja schon Pferde sehen und muss ja nun auch nix provozieren). Wir gingen also in die Halle und Fidi lief deutlich lockerer als beim ersten Ritt. Aha? Kann ich mich also tatsächlich einfummeln, auf dem Pferd. Während ich durch die Halle juckelte (viel mehr war das nicht) klärte Fidis Besitzerin mit der Reitlehrerin, wann ich denn mal in den Unterricht kommen könne. Ich geselle mich einen Moment an der Bande hinzu und da strahlt und lacht das Gesicht der Reitlehrerin: "Die Birte...!" Ich denke und mache , denn dieses Gesicht kommt mir so gar nicht bekannt vor. "Mensch, Birte, erinnerst Du Dich nicht an mich? Wir sind doch zusammen zur Schule gegangen!" Ich frage höflich nach ihrem Mädchennamen und gebe (obwohl es in meinem Schädel rattert wie verrückt, klingelt nichts - wie peinlich) ein leises Wiedererkennen kund. "Ach, ja, wie schön..." (hmmm? ) Jedenfalls ist das mit dem Unterricht kein Problem.Fidi, Fidelma auf dem Rücken, und ihre Besitzerin gehen noch eine Runde im Schritt ums Feld. Ich hab den Zügel lang, bin ganz entspannt und der Trecker, der mit so nem rotierenden Gerät Gülle verspritzt, jagt dann auch nur mir, und nicht dem Pferd, einen Schrecken in die Glieder. Wir reden noch einmal über die Reitlehrerin und die Fidifrau sagt "Ich glaube, sie ist Schwedin..." und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich kreische nahezu los: wir waren so von 14 - 16 echt sogar richtig dicke miteinander, sie hatte nur damals die Schule abgebrochen, um Bereiterin zu werden - aber sie hatte sich so sehr verändert, dass ich sie wirklich gar nicht erkannt habe. Zurück auf dem Hof klären wir das und freuen uns, uns wieder zu sehen. Dadurch tritt auch das, was ich wegen des doch ansonsten echt leistungsorientierten (gut, das liegt mir) und elitären (das weniger) Stalls befürchtete, in den Hintergrund. Da kommt dann eben nicht die kleine, "dicke" neue Reitbeteiligung, sondern eben "die Birte" (was haben wir nicht früher viel Spaß zusammen gehabt! ) - und das hat eben eine ganz andere Qualität...Am Samstag fuhr ich dann also alleine hin und tuddelte. Fidi mag besonders gern Bananen und ich kann gut schleimen: also freunden wir uns auf diesem Weg erst einmal an (Liebe geht durch den Magen!). Ich holte sie von der Wiese, putzte sie, wusch den Rücken ab, ging eine kleine Runde mit ihr spazieren, noch etwas grasen an der Hand, Box machen... Und schon sind 1,5 Stunden um. Morgens hatte ich noch den Artikel in der neuen RR übers wohlerzogene Pferd gelesen - und mir wurde bewusst: ein solches habe ich hier an der Hand. Fidi war wirklich sehr artig. Am Dienstag hatte ich dann die Möglichkeit, mit ihr in die Reitstunde zu gehen. Eieieiei... Da waren aber wirklich viele Pferde-Menschen-Paare. Das war mehr Unfallverhütung, denn Reitunterricht, aber ich ließ mir sagen, dies sei nicht immer so. Mein Stütchen rosste leicht, was die anwesenden Hengste zu bannich Imponiergehabe und Grunzen (hihi - Angeber!) veranlasste, näherten wir uns ihnen auf ein paar Meter. Da muss ich erst einmal lernen, angemessen mit umzugehen ist halt auch ne Hengststation. Die Situationen waren jedoch nie schwierig oder gefährlich. Dafür testete Fidi mich dann doch (endlich? ): mal hier ein Staunhüpf, mal da ein Tritt zur Seite, mal dort etwas sehr wenig Aufmerksamkeit. Jedoch nichts, was mich beunruhigte oder gar ängstigte "Ja, genau Birte, hol sie immer wieder zu Dir zurück!" sagt die RL. Interessant ist: jetzt muss ich reiten- in "meiner" Reitschule habe ich das vergangene halbe Jahr jedes Pferd nur mit Hilfszügeln geritten - zum Sitzenlernen war das super. Da bei mir aber "sitzen" und "reiten" immer noch zwei verschiedene paar Schuhe sind... Ich sag es mal so: eine neue Phase ist eingeleitet.Fidelma lernt reiten - Version Beta plus Nach der Stunde stehen wir noch ein kleines Weilchen zusammen. Meine zuguckende Freundin sagte: "Ha! Da musste aber mal ein bisschen selbstbewusster auf dem Pferd sitzen - die will geritten werden! Von der wirste viel lernen!" Da hat sie wohl Recht. Ihre Besitzerin ist zufrieden mit uns. "Zum Schluss ist sie schon ganz schön mitgeschwungen..." Und ich? Nun ja: natürlich reite ich sie nicht ansatzweise so schön wie ihre Besitzerin. Fidi schafft es ganz prima, sich zu entziehen, den Kopf hochzunehmen und so... Aber es gab immer wieder Momente in denen ich merkte: "Da, so geht das, so fühlt es sich richtig an!" Pferdereaktion, Seitenblicke in den Spiegel und Reitlehrerinnenkommentare bestätigten diesen Eindruck. Nach der nacharbeitlichen Pferdehygiene setzten Fidis Besitzerin und ich uns dann zusammen: wir wurden uns schnell sehr einig in allen Punkten. Die Konditionen sind echt mehr als fair. Fidelia ist kein Pferd, das mein Herz im Sturm erobert hat, mich mit ihrem Charme niedergemetzelt hat, mich in Verzückung versetzt. Und genau das finde ich gut, war ich doch bisher mit allen Charmebolzen, die mich in himmelhochjauchzendes anfängliches Glück versetzten, letztendlich komplett überfordert. Ich werde diese Stute sicherlich nicht nur wegen des Reitens zu schätzen lernen, ich werde sie auch in mein Herz schließen und sie lieb gewinnen. Nur eben langsamer. Und das ist auch gut so. Ab morgen heißt es dann jetzt - Montags, Donnerstags und nach Absprache: Fidi meets Fidi. Es wird weitere "Kapitel" geben. Euch einen lieben Gruß Fidelma
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