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Scheiße!
Es tut mir leid, verzeiht den Fluch, aber was raus muss, muss eben mal raus...
In den letzten beiden Tagen haben wir Fidi - nach den Anweisungen des Physiotherapeuten - longiert. Heute hat ihre Besitzerin dann das erste Mal wieder auf ihr gesessen. Das, was in den letzten beiden Wochen eher wie ein leichtes "Rumeiern" oder ab und an wie eine Taktunreinheit wirkte, zeigte sich zu Beginn der Stunde als Lahmheit - oder zumindest als ein sehr deutliches Kürzertreten mit der linken Hinterhand. Der Physio hatte all dies allerdings angekündigt. Der Reitlehrer war da sofort wach und hat Fidis Besitzerin angesprochen. Auch er war der Meinung, sie solle erst einmal drüber reiten. Es wurde im Laufe der ersten Viertelstunde deutlichst (!) besser. Der Reitlehrer fragte auch genau die Dinge ab, die der Physio verordnet hatte (ohne Absprache).
Es ist ganz klar: sobald und so lange Fidi ans Bein geritten wird und da auch gefordert wird, läuft sie klar und gut - in dem Moment, in dem der Reiter nachlässt, verfällt auch sie sofort in "alte" Bewegungsmuster - heißt, das linke Hinterbein ist sofort nicht mehr aktiv. Sie schummelt beim Übertreten im Schenkenweichen, wird nölig bei klarer Forderung des Beins...
Der RL ist ebenfalls der Meinung, dass es sich um ein muskuläres Problem (Verspannung) handelt, das von der Kruppe ausgeht. Er setzt den Überprüfungsintervall allerdings kürzer an als der Physio. Er meint, in zwei Wochen müsse eine deutliche Verbesserung zu sehen sein (Physio nach sechs...). Sonst solle sie noch einmal den TA hinzu ziehen.
Was für mich aber extrem deutlich geworden ist, ist, dass ich Fidi nicht so reiten kann, wie sie es derzeit braucht. Und damit meine ich nicht mein Gewicht, sondern schlicht mein reiterliches Unvermögen. Ich krieg sie so nicht ans Bein, das weiß ich... Da muss ich mir auch nix vormachen. Und alles andere wäre kontraproduktiv.
Fidis Besitzerin fiel es so schwer, einfach zu sagen, dass auch sie das so sieht. Natürlich ist es doof für mich, aber ich werde mich erst wieder auf das Stütchen setzen, wenn sie stark und reif in der Muskulatur dazu ist. Vorher nicht. Basta. Bis dahin werde ich sie longieren. So, wie der Physio es verordnet hat. Ich habe es von Anfang an gesagt: das ist sie mir einfach wert! Ob das nun zwei, vier, sechs oder acht Wochen dauern wird!
Verlernen werde ich das, was ich bisher gelernt habe, wohl in dieser Zeit kaum. Und schließlich bietet sich ja immer mal wieder hier und dort ein Pferd zum Reiten.
Ich bin natürlich nicht glücklich über diese Situation, aber sie ist, wie sie ist. Und die Pferdegesundheit geht einfach vor. Basta. Lerne ich sie halt so noch weiter kennen. Und wenn das so weiter geht, bin ich dann ja zudem auch noch ein paar Pfund geschrumpft und damit hoffentlich auch beweglicher.
Meine Reitstiefel, die vor Grünberg noch an beiden Waden 4cm aufstanden, ließen sich heute zumindest schon einmal problemlos schließen.
Liebe Grüße,
die Fidelma
Fidi und Fidi lernen sich kennen - Part II
oder: Fidelma geht in die Lehre
Moin zusammen!
Gestern wurde ich im (alten) Stall angesprochen, wann ich denn mal wieder was über Fidi und mich zu schreiben gedenke? Voilà!
Wird aber lang! Sag ich nur schonmal...
Fidi macht mir wirklich viel Freude. Ich muss ja zugeben, dass ich anfangs dachte: Prima, solide gerittenes, feines Pferd - sehr gut, um reiten zu lernen - aber eben "nur" ein typisch - wie zum Beispiel manche Fjordleute oder auch "Barockies" das ja so schön ausdrücken - "großes braunes Warmblut"... Nicht grad die Pferdeliebe auf den ersten Blick. Tja...
Wie soll ich sagen? Fidi hat so einen ausgeprägten Charakter, der mein Herz immer mehr anrührt. Ich finde sie so witzig. Und ich lerne so viel von ihr... Viel mehr als "nur" reiten!
Reiterlich konnten wir uns bisher nur marginal annähern, da ich zwischendrin eine Woche auf Dienstreise gewesen bin oder die Reitstunde ausfiel. So habe ich die Zeit genutzt, mich einfach nur auf ihr einzufummeln. Anfangs war Fidis Besitzerin auch noch oft dabei - das ist spannend für uns beide und stört mich nicht im Geringsten. Am Sonntag hatten Fidi und ich dann aber unseren ersten Tag trauter Zweisamkeit.
Nebeneffekt des Reitenlernens ist durch den neuen Stall auch, dass ich nun hautnah die Unterschiede zwischen einem reinen "Freizeitreiterstall" und einem reinen "Turnierstall" erlebe. Da ist am Sonntag morgen niemand! Oder zumindest so gut wie niemand. Sonntag morgens (um halb neun zum Beispiel) sind die nämlich entweder alle schon zum Turnier - oder sie schlafen noch... Sich einfach nur dem Pferd zu widmen, bzw. dafür zu sorgen, dass selbiges möglichst früh auf die Wiese kommt, das macht kaum jemand. DAS kenne ich von meinem "alten" Stall nicht! Mit hochgradigem Befremden habe ich zudem festgestellt, dass es wirklich noch Pferdebesitzer gibt, die ihre hochpreisigen Turnierzossen (man schreit ja allenthalben, das gäbe es nicht mehr - doch, tut es, leider ) 23 Stunden in die Box sperren... Besitzer- nicht Stallentscheidung, wohlbemerkt!
Der Fidelmamann brachte es ziemlich auf den Punkt: sperrte ich eine Katze lebenslang auf 4x4m ein und jemand bekäme das mit, hätte ich ratzfatz den Tierschutz auf dem Hals... Bei einem Pferd entlocke das anscheinend zwar viel Kopfschütteln, aber mehr auch nicht...
Das Fidifrauchen und Fidi gehören ja Gott sei Dank (!) nicht zu der Gattung einsperrender oder eingesperrter Wesen - sonst hätten wir wohl auch kaum zusammen gefunden - aber eine irre komplizierte Weideregel (durch die ich nun endlich langsam durchsteige: der darf nicht mit dem und die nicht mit der und... fragt einfach nicht) sorgt dafür, dass auch Fidis Weidezeit begrenzt ist. Drei, maximal vier Stunden am Tag...
Damit sowohl die erste "Ladung" als auch die zweite möglichst viel vom Sonntag auf der Wiese hat, begab ich mich also früh zum Stall. Fidi wollte ich reiten, um dann mittags die Pferde "umzutopfen".
Es wäre vermessen zu behaupten, Fidi hätte bereits eine Bindung zu mir aufgebaut, aber die Synapse "die gehört irgendwie dazu" ist jedenfalls in ihrem Hirn bereits freigeschaltet. Ich war total irritiert: laut wieherte sie mir entgegen! Ich sah mich um: kein Futterwagen, kein Heuverteiler, auch sonst niemand aus Pferdeperspektive bedeutsamer Mensch in der Nähe... Sie meinte tatsächlich mich! "Raus! Ich will raus! Und Du hast dafür zu sorgen!" so lautete die Botschaft. Größtes Pferdeempören machte sich breit, als ich dann aber mit den Weidegenossen an der Hand an ihr vorbei schlappte. *schnaub* *wieher* *Box umgrab* Unverschämtheit!
Als ich dann mit Sattelzeug und Putzkiste vor ihrer Box auflief, machte Frau Stute nur noch große Augen: "Das jetzt aber nicht wirklich Dein Ernst, oder?" fragte sie und murrte dann auch während der Pferdehygiene ziemlich herum. Ein energisches "FIDELIA!" meinerseits reichte jedoch, um die Fronten wieder zu klären. Nachdem ich's Stütchen fast komplett angezogen hatte, stand sie plötzlich auf drei Beinen und warf einen weinerlichen Blick auf den rechten Hinterlauf. "Aua!" sagt sie leise. Prinzessin auf der Erbse? Ich hatte tatsächlich die Gamasche einen Ditsch zu stramm gezogen... Gut, dass sie Bescheid gibt.
Beim Reiten war sie sehr brav und fleißig und an jenem Morgen testete ich dann mal mehr aus, was ich alles mit ihr anstellen kann (für meine Verhältnisse ziemlich viel - Fidi ist echt sehr bemüht, alles richtig zu machen). Ich konzentrierte mich extrem auf ein wirklich korrektes Reiten meinerseits (also auf alles, was das Fidifrauchen mir so gesagt hatte). Machte Spaß. Ich war hinterher klitschnass geschwitzt. Intensive Recherchen ergaben dann auch am Pferd drei nasse Haare (in der Gurtlage...). Gestern hatte ich dann zum ersten Mal wieder richtig Muskelkater vom Reiten, und das ohne, dass mich ein Reitlehrer gequält hatte.
Fidi hat leider ein kleines Gebäudeproblem. Sie steht hinten sehr eng und läuft, wenn sie nicht ordentlich von hinten nach vorne durchgeritten wird, auch so. Zudem hatte sie kurz vor der Umstallung in diesen Stall im Juni einen kleinen Unfall: sie hatte sich festgelegt und dabei eine ordentliche Prellung (nein, es war doch kein eingeklemmter Nerv, wie ich es manchen hier schon pm geschrieben hatte) auf dem Schweifrübenansatz und diverse Blockaden zugezogen. Durch die lange Rekonvaleszens hat sie nun extrem an der Hinterhand Muskulatur abgebaut und hat seither auch Schwierigkeiten diese wieder ordentlich aufzubauen... Einen richtigen "Knackarsch" hatte sie laut ihrer Besitzerin aber wohl eh noch nie...
Ab und an (also nicht immer!) sackt sie hinten links leicht ein - sieht fast aus wie eine leichte Ataxie. Nach ein paar Tritten geht sie dann wieder klar. TA und Osteo haben dies einheitlich als muskuläres Problem benannt, welches "weggeritten" werden müsse.
Hier sieht man das ganz gut:

Dies ist mein Wehrmutstropfen: insgeheim hatte ich die ganze Zeit Angst, zu schwer für Fidi zu sein... Seit für mich klar ist "sie ist es" zähle ich wieder fleißig Punkte. Vier Kilo habe ich seither verloren...
Gestern war dann der große Fidi-Gesundheitstag. Fidis Besitzerin und ich haben beide Urlaub. Wir konnten also alles zusammen machen. Ich glaube, sie genießt es, jemanden (also mich ) zu haben, mit dem sie sich austauschen, gemeinsam überlegen, planen und das Pferd umsorgen kann. Zuerst fuhren wir mit dem neuen großen Blutbild zum Futterhändler mit der bekanntermaßen größten Kompetenz zur Fütterungsberatung. Was kann man - mal abgesehen von Anabolika (die soll die Stute natürlich nicht bekommen! ) und ordentlichem Reiten noch tun, dass das Hinterteil wieder runder wird? Vollbepackt kamen wir dann in den Stall. Dann kam der Pferdephysiotherapeut. Vor diesem Termin hatte ich etwas Angst - wie gesagt, ich reite nicht so dolle und bin kein Fliegengewicht... Hätte der gesagt, ich sei für's erste nix fürs Tier: ich hätte sie auch über Monate nur longiert...
Eindrücke von "Fidelma und Fidelia" (4. Ritt - ich trau mich jetzt einfach mal):


Von diesem Menschen war ich schwer beeindruckt. So viel Zeit, so viel Ruhe, so viel Erklärung und so viel Kompetenz... Mir hat er Nahe gelegt, mir das Buch "Finger in der Wunde" und "Der Reiter formt das Pferd" zu besorgen ([x] done), um noch mehr nachvollziehen zu können, was er da redet. Und ich solle, so wie es schon geplant und umgesetzt wird, mit Dreieckszügeln reiten. Ansonsten gab er klare "Reithausaufgaben" an Fidis Besitzerin (die das natürlich viel besser umsetzen kann als ich) und mich: die nächsten sechs Wochen nur v/a reiten, biegen, biegen, biegen und imer wieder das Hinterbein aktivieren. Viele Seitengänge. Drei Gänge zurück, vom leichten zum Schweren. Der Rücken muss zum Schwingen kommen. Alles Binsenweisheiten, ich weiß. Keine Revolution. Aber mir wurde schon mulmig, ob ich das alles so umsetzen kann. "Dafür ist Deine Reitlehrerin da - die sieht das sehr genau und weiß, worum es geht und wird Dich korrigieren! Und lass ja die Dreicker drauf!" Wo er Recht hat. Selbige wird in den "Behandlungsplan" mit ins Boot geholt. In sechs Wochen kommt er wieder...
Was mich extrem beeindruckt hat war, dass der "Hubbel" auf Fidis Kruppe nach der Behandlung plötzlich "weg" war. Sie hatte eine ganz andere Oberlinie (selbst für mich sichtbar). Das war natürlich nix Dauerhaftes, aber für den Moment schon sehr eindrücklich.
Für mich ist es so: plötzlich habe ich nicht nur ein Pferd, auf dem ich reiten lernen will, sondern eines, dass ich auch richtig zu reiten lernen muss, damit es voll und ganz gesund bleibt / wird. Und da steigen die Anforderungen natürlich noch einmal... Aber: ich bin ja nicht alleine.
Gefühlt ist es so: die ersten drei Jahre nach meinem "Wiedereinstieg" werte ich aktuell als "Praktikum". Das letzte halbe Jahr als "Schnupperkurs Reitenlernen" - und nun gehe ich quasi in die Lehre...
Leider fällt durch die Behandlung gestern die erste Einzelstunde, die morgen auf dem Programm für mich gestanden hätte, aus. Wir longieren Fidi die heute und morgen nur (zusammen - wir wollen "eine Linie" drin haben und ich soll eben auch nochmal sehr genau zugucken, worauf es ankommen wird) und dann setzt sich am Donnerstag zunächst ihre Besitzerin wieder drauf. Am Freitag werde ich dann wieder unter ihrer Anleitung reiten. Nächste Woche wird es dann hoffentlich endlich mit dem "richtigen" Reitunterricht losgehen.
Ich werde berichten.
Liebe Grüße
Fidelma
Fidi und Fidi lernen sich kennen
oder: Fidi an der Longe - diesmal andersherum
Montag ging es offiziell los mit meiner neuen Reitbeteiligung. Und ein ganz Klitzekleinwenig lasse ich Euch an unseren Anfängen teilhaben...
Sonntag wurde die Version Fidelma lernt reiten - Beta plus erst einmal wieder einfach nur auf Beta runterkonfiguriert. Die neue Reitlehrerin hatte sich gemeldet und gemeint, ich solle die gute Stute lieber doch erst einmal mit Dreieckszügeln reiten, was ich vollkommen in Ordnung finde. Diejenigen von Euch, die mich haben reiten sehen, wissen auch warum... Ich komme einfach nicht zum Sitzen. Und das Pferd dann auch nicht zum Laufen. Meine Systeme werden werden also erst einmal wieder auf Reboot gestellt und dann sehen wir mal, wie es in ein paar Monaten aussieht. Aber Frau ist nicht hoffnungslos. Das wird schon. Manchmal nervt es mich echt, dass das Reitenlernen ein sooo langer Weg ist, aber es hört ja bekanntlich niemals auf.
Richtig angefangen hat es allerdings auch noch nicht, denn am Montag ergaben widrige Umstände, dass ich Fidelia nicht ritt, sie aber dennoch ein gute Stück weiter kennen lernen durfte. Und sowas ist für den Anfangsprozess doch ziemlich erhellend. Ich kam am Nachmittag zum Stall an und holte sie mir schon einmal zum Putzen aus der Box. Die angebotene Banane nahm sie mit Begeisterung, alles andere fand sie doof. Am Morgen war der Tierarzt da und sie wollte wohl nicht so gern noch ein zweites Mal an diesem Tag "fremdbehandelt" werden. "Nein, ich möchte nicht so gerne da angefasst werden, und da auch nicht und - nein - Huch? Hast Du das da draußen gesehen...?" So ungefähr war ihre Körpersprache, während ich immer energischer werden musste. Schließlich ergab sie sich in ihr Schiksal, aber sie war doch ziemlich elektrisch. Die wirdrigen Umstände (krankes Pferd von Freundin - anderer Stall - mal eben hin müssen) ergaben, dass ich das Tier wieder in die Box stellen musste, um zwei Stunden später wieder mit ihrer Besitzerin dort aufzukreuzen. Leider war es deutlich später, als gewünscht. Irgendwie gehen an diesem Stall so um neun alle Lichter aus - das ist für mich ziemlich früh, aber ok... Man kann sich drauf einstellen, aber was tun eigentlich die ganzen Menschen, die arbeiten? Viele, die ich kenne, schaffen es mal so grad abends um acht beim Pferd zu sein und ne Stunde ist doch echt sehr knapp, oder?
Als wir also so um diese Uhrzeit herum den Stall betreten und uns vor Fidis Box einfinden, zeigt sie uns ganz deutlich, dass sie für heute Feierabend hat. Sie dreht uns den Hintern zu: "Nein! Heute hab ich genug!" Ich will ja eigentlich "wer ist sturer" spielen, aber Fidis Besitzerin wendet parallel einen Trick an: "Bravour", Fidis Boxennachbar, bekommt ne Möhre, welche die er knackig frisst. Da muss Frau Stute doch auch mal gucken kommen...
Aufgrund der vorgerückten Stunde fällt der Bescheid gegen Reiten und für Longieren. Das habe ich zwar mal sogar ordentlich gelernt, aber wirklich, wirklich lange nicht mehr gemacht. Von daher bin ich sehr froh, dass Fidis Besitzerin bleibt. So war das zwar mit der Reitbeteiligung nicht gedacht (schließlich soll sie ja pferdefrei haben, wenn ich komme), aber für sie war es ebenfalls interessant, wie Fidi und ich uns vertragen.
Auch hier ist Fidi artig, aber durchaus nicht, wie soll ich schreiben... leblos. Raufschalten ist immer gar kein Problem, das Runterschalten schon eher. "Brrrrt... Scheeeeritt... Scheeeeeeeeeeeritt... Rrrrruuuuhiger... SCHRITT! MANN!" (öh, Frau...) Fidi quiekt zwischendurch pferdeglücklich los und legt ein paar Showeinlagen mit freudig kleinen Galoppbucklern ein, aber niemals so, dass sie mich durch die Halle ziehen würde oder das auch nur im Ansatz versucht. Das beruhigt mich, denn irgendwie macht grad dieses Lebendige mir richtig Spaß - und schlussendlich bekomme ich sie auch wieder dazu, sich auf mich zu konzentrieren. Mit der Zeit fühle ich mich immer sicherer mit der Leine an der Hand, Fidis Besitzerin erklärt mir, was sie für wichtig erachtet und fährt kurz vor Schluss - ich glaube zufrieden - nach Hause. Fidi und ich laufen noch ein paar Runden und ich mache sie nachtfein - es ist wirklich schon stockduster. Der Sommer ist wirklich vorbei...
Fidi ist eine echte Stute! Boah ist die stutig! In allem: ihrem Gehabe, ihrem Gesichtsausdruck, das ganze Tier strahlt aus - "Seht her, ich bin eine Frau!" Ich muss so oft deswegen lachen.
Was ich am Montagabend dann aber am lustigsten fand war, dass sie auch sprechen kann! Ich dachte, ich steh neben "Mister Ed".
Nach der Pferdehygiene und zurück in der Box war sie deutlich unruhig. "Was hat sie bloß?" denke ich...
Und dann sagt sie es - ihre Augen fest auf den halb mit Karotten gefüllten Eimer geheftet, der der Box gegenüber steht: "Möhöhöhöhörn!"
Ich spreche zu ihr: "Sag noch mal!" Und tatsächlich wieder: "Möhöhöhöhörn!"
Na, so einer Aufforderung kann man jawohl schlecht widerstehen...
Gestern habe ich in "meiner Reitschule" angerufen, um mitzuteilen, warum ich auf- und ersteinmal nicht mehr aufkreuze. Man freute sich ganz offensichtlich für mich mit. Als ich erwähnte, an wessen Stall Fidelia steht klang es aus dem Hörer: "Super! Birte - die Reitlehrerin hat den gleichen Ansatz wie wir! Grüß sie bitte ganz lieb - sie kann genau an der Stelle mit Dir weiterarbeiten, an der wir aufgehört haben - das passt sehr gut so!"
Ich hatte Tränen in den Augen...
Euch noch eine schöne Woche,
Fidelma (mit Fidelia)
Fidelma und Fidelia
Hallo Gemeinde,
da ihr schon nachfragt (wie nett, hab ich heute erst gesehen, danke ) - ich war einfach mal ein paar Tage anderweitig beschäftigt: habe an diesem Wochenende nach zwei Jahren meine Weiterbildung zur "Ethikberaterin im Gesundheits- und Sozialwesen" erfolgreich abgeschlossen - will ich nun endlich vom neuesten Stand meines reiterlichen Daseins berichten.
Ich habe mich entschieden.
I proudly present:
Fidelia
Tochter des berühmten Fidelio - Halbschwester des noch berühmteren Florestan I - gute 167cm hoch - 13 Jahre alt
Wie Ihr seht: trotz der Verwandtschaft - auch nur ein Pferd.  Und noch dazu hier eins mit nem dreckigen Kopp (andere Fotos hab ich - noch - nicht). Auf Papieren kann man ja bekanntlich nicht reiten aber: Reiten lernen werde ich auf diesem Pferd bestimmt ne ganze Menge! Diejenigen von Euch, die Diana (mein "altes Mädchen") kennen, wissen angesicht dieses Kopfbildes vielleicht, warum mich Fidelia - abgesehen von der Farbe  - an sie erinnert...
Ich hatte ja berichtet, dass genau diese Erinnerung an Diana mich erst daran zweifeln ließ, ob dies das richtige Pferd für mich sei. Also nahm ich mir Zeit, sie etwas besser kennen zu lernen indem ich sie beobachtete.
Ihre Besitzerin lud mich eine knappe Woche nach dem ersten Proberitt ein, mir den hiesigen Reitunterricht anzusehen. Sie ritt in dieser Stunde selbstverständlich mit. Zwei Freundinnen (eine davon meine alte Reitlehrerin, deren Wort viel Gewicht für mich hat) sowie die "Vermittlerin" waren ebenfalls zugegen.
Als ich ankam fand ich weder Pferd noch Frau in / an der Box noch in der Halle. Ich ging nach draußen und sah etwas, das mein Herz erfreute. Fidelia (kurz Fidi) ging am langen Zügel mit Reiterin auf dem Rücken ganz entspannt eine Runde ums Feld. DAS wäre mit Diana nicht möglich. Die Reitstunde war wirklich ok, meine Begleiterinnen waren sehr angetan vom Stütchen und wie sie geritten ist ("Ganz tolles Pferd! Würd mich sooo freuen, wenn das klappt!") und beim Pferdversorgen fragte die "Vermittlerin" wie es denn nun weitergehe? Fidis Besitzerin und ich guckten uns an: "Ja, öhhh..., also..."
"Mann! Seid Ihr kompliziert!" war ihr lachender Kommentar
"Wann hast Du das letzte mal "pferdefrei" gehabt?" fragt sie das Fidifrauchen "Öhm..."  Also schon ne ganze Weile nicht mehr. "Und was machst Du am Wochenende?" Diese Frage ging an mich. "Bis jetzt noch nix..." erwiderte ich. "Gut, dann kommt die Birte am Samstag und kümmert sich um Fidi (red. Anmerkung: nicht reiten, das war klar), während Du Dich mal Deinem Privatleben widmen kannst!" Und so war die Geschichte abgemacht.  Machte ja auch Sinn, dass ich mich mal alleine mit dem Tier beschäftige, nur mal so um zu sehen, wie am Boden die Chemie zwischen uns ist. Da ich zur Pferdebespaßung aber an Fidis Sachen musste, mussten wir noch klären, wie ich an den Spindschlüssel komme. Da es Donnerstag war blieb nur noch der Freitag, um das zu regeln - und da ich dann ja eh kam, bot sich der zweite Proberitt doch gleich mit an...
Fidis Besitzerin wollte sie, bevor ich mich auf ihren Rücken schwang, noch einmal alleine lösen und ging dazu weder auf den Platz, noch in die Halle, sondern einfach auf die große, offene Wiese. An der führt eine Landstraße sowie der Zufahrtsweg zum Stall vorbei. Lastwagen, Trecker, Autos mit Pferdehänger, selbst ein scheppernder Sattelzug: all das entlockte dem Tier nicht einmal ein Zucken mit dem Ohr... Einmal machte sie einen (sehr) kleinen Freudenbuckler.  Und ich saß nur am Rand und staunte und dachte immer nur wieder: "Ist die cool... Meine Güte, wie cool die ist... Kein Vergleich zu Diana!" Wir beschieden, dass ich sie jedoch nicht direkt beim zweiten Probieren auch auf dieser offenen Wiese reiten solle (man hat ja schon Pferde  sehen und muss ja nun auch nix provozieren). Wir gingen also in die Halle und Fidi lief deutlich lockerer als beim ersten Ritt. Aha? Kann ich mich also tatsächlich einfummeln, auf dem Pferd.  Während ich durch die Halle juckelte (viel mehr war das nicht) klärte Fidis Besitzerin mit der Reitlehrerin, wann ich denn mal in den Unterricht kommen könne. Ich geselle mich einen Moment an der Bande hinzu und da strahlt und lacht das Gesicht der Reitlehrerin: "Die Birte...!"  Ich denke und mache  , denn dieses Gesicht kommt mir so gar nicht bekannt vor. "Mensch, Birte, erinnerst Du Dich nicht an mich? Wir sind doch zusammen zur Schule gegangen!" Ich frage höflich nach ihrem Mädchennamen und gebe (obwohl es in meinem Schädel rattert wie verrückt, klingelt nichts - wie peinlich) ein leises Wiedererkennen kund. "Ach, ja, wie schön..." (hmmm?  ) Jedenfalls ist das mit dem Unterricht kein Problem.
Fidi, Fidelma auf dem Rücken, und ihre Besitzerin gehen noch eine Runde im Schritt ums Feld. Ich hab den Zügel lang, bin ganz entspannt und der Trecker, der mit so nem rotierenden Gerät Gülle verspritzt, jagt dann auch nur mir, und nicht dem Pferd, einen Schrecken in die Glieder. Wir reden noch einmal über die Reitlehrerin und die Fidifrau sagt "Ich glaube, sie ist Schwedin..." und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich kreische nahezu los: wir waren so von 14 - 16 echt sogar richtig dicke miteinander, sie hatte nur damals die Schule abgebrochen, um Bereiterin zu werden - aber sie hatte sich so sehr verändert, dass ich sie wirklich gar nicht erkannt habe. Zurück auf dem Hof klären wir das und freuen uns, uns wieder zu sehen.  Dadurch tritt auch das, was ich wegen des doch ansonsten echt leistungsorientierten (gut, das liegt mir) und elitären (das weniger) Stalls befürchtete, in den Hintergrund. Da kommt dann eben nicht die kleine, "dicke" neue Reitbeteiligung, sondern eben "die Birte" (was haben wir nicht früher viel Spaß zusammen gehabt!  ) - und das hat eben eine ganz andere Qualität...
Am Samstag fuhr ich dann also alleine hin und tuddelte. Fidi mag besonders gern Bananen und ich kann gut schleimen: also freunden wir uns auf diesem Weg erst einmal an (Liebe geht durch den Magen!). Ich holte sie von der Wiese, putzte sie, wusch den Rücken ab, ging eine kleine Runde mit ihr spazieren, noch etwas grasen an der Hand, Box machen... Und schon sind 1,5 Stunden um. Morgens hatte ich noch den Artikel in der neuen RR übers wohlerzogene Pferd gelesen - und mir wurde bewusst: ein solches habe ich hier an der Hand. Fidi war wirklich sehr artig.
Am Dienstag hatte ich dann die Möglichkeit, mit ihr in die Reitstunde zu gehen. Eieieiei... Da waren aber wirklich viele Pferde-Menschen-Paare.  Das war mehr Unfallverhütung, denn Reitunterricht, aber ich ließ mir sagen, dies sei nicht immer so. Mein Stütchen rosste leicht, was die anwesenden Hengste zu bannich Imponiergehabe und Grunzen (hihi - Angeber!) veranlasste, näherten wir uns ihnen auf ein paar Meter. Da muss ich erst einmal lernen, angemessen mit umzugehen ist halt auch ne Hengststation. Die Situationen waren jedoch nie schwierig oder gefährlich. Dafür testete Fidi mich dann doch (endlich?  ): mal hier ein Staunhüpf, mal da ein Tritt zur Seite, mal dort etwas sehr wenig Aufmerksamkeit. Jedoch nichts, was mich beunruhigte oder gar ängstigte "Ja, genau Birte, hol sie immer wieder zu Dir zurück!" sagt die RL. Interessant ist: jetzt muss ich reiten- in "meiner" Reitschule habe ich das vergangene halbe Jahr jedes Pferd nur mit Hilfszügeln geritten - zum Sitzenlernen war das super. Da bei mir aber "sitzen" und "reiten" immer noch zwei verschiedene paar Schuhe sind... Ich sag es mal so: eine neue Phase ist eingeleitet.
Fidelma lernt reiten - Version Beta plus
Nach der Stunde stehen wir noch ein kleines Weilchen zusammen. Meine zuguckende Freundin sagte: "Ha! Da musste aber mal ein bisschen selbstbewusster auf dem Pferd sitzen - die will geritten werden! Von der wirste viel lernen!" Da hat sie wohl Recht. Ihre Besitzerin ist zufrieden mit uns. "Zum Schluss ist sie schon ganz schön mitgeschwungen..." Und ich? Nun ja: natürlich reite ich sie nicht ansatzweise so schön wie ihre Besitzerin. Fidi schafft es ganz prima, sich zu entziehen, den Kopf hochzunehmen und so... Aber es gab immer wieder Momente in denen ich merkte: "Da, so geht das, so fühlt es sich richtig an!" Pferdereaktion, Seitenblicke in den Spiegel und Reitlehrerinnenkommentare bestätigten diesen Eindruck.
Nach der nacharbeitlichen Pferdehygiene setzten Fidis Besitzerin und ich uns dann zusammen: wir wurden uns schnell sehr einig in allen Punkten. Die Konditionen sind echt mehr als fair.
Fidelia ist kein Pferd, das mein Herz im Sturm erobert hat, mich mit ihrem Charme niedergemetzelt hat, mich in Verzückung versetzt. Und genau das finde ich gut, war ich doch bisher mit allen Charmebolzen, die mich in himmelhochjauchzendes anfängliches Glück versetzten, letztendlich komplett überfordert. Ich werde diese Stute sicherlich nicht nur wegen des Reitens zu schätzen lernen, ich werde sie auch in mein Herz schließen und sie lieb gewinnen. Nur eben langsamer. Und das ist auch gut so.
Ab morgen heißt es dann jetzt - Montags, Donnerstags und nach Absprache: Fidi meets Fidi.
Es wird weitere "Kapitel" geben.
Euch einen lieben Gruß
Fidelma
Viel Neues :-)
Lange ist es her, dass ich mich befleißigte, von meinen reiterlichen Erlebnissen zu erzählen und des Öfteren wehte mir nun schon die Frage: „Wann schreibste denn endlich was?“ um die Ohren, respektive in die Augen (eine Frage, die mich doch ehrt und freut ). Nun ja... Ich glaube, man nennt das bei „Professionellen“ Schreibblockade - mir fehlte schlicht die Inspiration. Die Muse hat mich jedoch wieder geküsst und also widme ich mich einem neuen Bericht. Da ja doch einiges seit Juli geschehen ist, untergliedere ich diese Erzählung in zwei Einzelkapitel.
Fidelma reitet ein Turnier
Grünberg - eigentlich wollte ich den Mantel des Schweigens drüber hängen, aber irgendwie finde ich: hierüber etwas zu schreiben, das bin ich Euch schuldig.
Grünberg war gut! Sehr gut sogar ...für meine Demut.
Nach fast vier Wochen urlaubsbedingten gar nicht Reitens hatte ich die Ehre, mich am Samstagmorgen in Grünberg auf Hjerkinns Rücken zu schwingen. Testreiten für die am Nachmittag stattfindende E-Dressur und den Dressurreiterwettbewerb am folgenden Sonntag. Die bestürzten Gesichter der neugierig guckenden Fjordforum-Mitglieder, die wie die Hühner auf der Stange auf dem Heuwagen am Rande saßen (ich hab es nicht gehört, aber es sah so ein wenig so aus, als sagten sie „Sie hat ja nie behauptet, reiten zu können, aber sooo schlimm hatten wir uns das nicht vorgestellt...“ ) entsprachen auch meinen Gedanken: es klappte wirklich nix! Ich bekam Hjerkinn nicht „gepackt“, zum Sitzen kam ich gar gar nicht, das Pony mimte die Giraffe und tat mit mir, was es wollte - alles fühlte sich doof an und muss ebenso ausgesehen haben. Außer meinem Japsen und einem genervten Pferd: Ebbe! Nach Rücksprache mit Birgitt und ihrer Reitlehrerin Marion gingen wir zur Meldestelle und ich meldete kleinlaut einen Reiterwechsel für den einfachen Reiterwettbewerb am Mittag an (den wollte Sandalin eigentlich selbst reiten, sie fühlte sich aber an diesem Tag nicht so gut). „Da können wir ihn wenigstens ausbinden...“ so Marions Kommentar.
Birgitt und Marion machten mir das Pony turnierfein (tolle TT! ) während mir die Düse ging. Ein Entspannungsversuch in Andreas WoMo schlug gründlich fehl. Als ich mich Hjerkinn wieder näherte, zog er die Nüstern kraus. Ich schwöre Euch, der sagte: „Uuoah! DIE schon wieder!“ Dieses Charakterpony mag mich ganz offensichtlich nicht. Und auch in mir reifte die skeptische Erkenntnis: Beste Freunde werden wir beide in diesem Leben wohl nicht! Auf dem Abreiteplatz war dann alles tutti und ich hatte das Gefühl, dass das vielleicht doch was werden könne. Dann ging es in die Halle: erste Abteilung, kleinste Kopfnummer - ab an die Tete! Was ich eigentlich zu vermeiden versucht hatte. Direkt nach Prüfungsbeginn zeigte Hjerkinn dann auch, dass dies nicht seine Favoritenposition war und flüchtete vor dem unsichtbaren Monster am Hallentor. Und ab jenem Moment war mir eigentlich alles egal. Leider entwickelte sich das nicht in eine fatalistische Haltung à la „egal was kommt, es wird schon passen“ sondern mehr in Richtung „eigentlich hab ich keine Lust mehr“. Motivationstief in der Prüfung. So etwas geht gar nicht! Und es ist auch im Nachhinein betrachtet das Einzige, worüber ich mich echt ärgere.
Die Prüfung an sich verbuche ich unter „demütigendstes Erlebnis meiner reiterlichen Laufbahn“. Spätestens auf jeden Fall in jenem Moment, in dem es aus dem Mund der Richterin in einem mehr als mütterlichem Ton schallte „... und dann trabt die Birte jetzt mal an...“ (die kleine Birte wollte aus dem Hallenparadies abgeholt werden und sich knatschend ins Bällchenbad verziehen, um die anderen Kinder mit der Schüppe zu hauen! ). Am Ende langte es dann immerhin noch der soliden Wertnote von 6,4 und somit zu Platz 3!
(... von vier)
Die anderen genannten Prüfungen zog ich zurück.
Meinem johlenden Publikum hier aus dem Fjordforum während der Platzierung danke ich hiermit noch einmal herzlich. Am Nachmittag traf ich dann noch einmal die Erstplatzierte aus meiner Abteilung, die mir etwas hochmütig mitteilte, wir beide hätten ja schließlich auch keine wirkliche Konkurrenz gehabt. Höh? Erst auf meine erstaunt hochgezogenen Augenbrauen bekam sie schnell die Kurve: „Äh, ich meinte die Vierte...“ Das fand ich nicht nett. Abends setzte mich Sassi noch ein wenig auf Mondrian, der mir wenigstens etwas das Gefühl gab, ein klitzekleines Bisschen reiten zu können. Danke! War gut fürs Selbstwertgefühl an diesem Wochenende. Mein Dank gilt aber natürlich selbstverständlich Birgitt, die mir ihr Pony so großzügig angeboten hatte.
Heute kann ich mich, erzähle ich von Grünberg, übrigens über mich selbst und das Gewesene scheckig lachen. Schade, dass mir vor Ort mein Humor etwas abhanden gekommen war. So habe ich wahrscheinlich viel von der ansonsten wirklich netten Veranstaltung verpasst.
Lesson 14: Nix Besonderes, aber schön (kurz und knapp)
Eine Woche nach Grünberg zog es mich dann wieder zum Unterricht ins Münsterland. Die Reitstunde an sich war jedoch so ereignislos, dass es sich wirklich nicht lohnt, mehr Worte darüber zu verlieren. Einfach ruhiges, nettes Reiten. Auch mal schön. „Na, wie war’s?“ fragte mich dann der beste aller Männer als ich heimkam. „Prima“ sagte ich. „War nötig, was?“ „Hmhm...“ gab ich zu. „Weißte, Birte“ gab er mit wissendem Blick von sich „bei aller Liebe zu Deiner Ponyliebhaberei - aber Du gehörst einfach auf ein Warmblut...!“ WAAAAH? Seit wann weiß dieser Mensch denn, was ein „Warmblut“ ist? (bei aller Liebhaberei zu diesem Mann!)
Fidelma sucht ein neues Pferd
Seither war es nicht mehr möglich, zu meiner Reitschule zu fahren (ich hatte auch nur einen weiteren Termin, welchen ich aus beruflichen Gründen leider canceln musste), aber pferdelos war diese Zeit mitnichten! Diana - meine erste Reitbeteiligung, die mich ihrerzeit so oft in den Satz gesetzt hatte, da sie jedermann (und besonders mir!) beweisen musste, dass sie auch wirklich ein Fluchttier ist, mittlerweile aber ihre Rente genießt - bedarf meiner Pflege, denn ihre Besitzerin ist in Urlaub. Ich genieße es, täglich zu ihr zu fahren und sie zu betüddeln. „Reitest Du sie auch?“ (bisschen rumjuckeln würde ihr trotz Rente ja nicht schaden...) werde ich nahezu jeden Tag gefragt. „Wenn mich keiner zwingt, nicht!“ lautet meine Standardantwort. Ich liebe dieses Pferd, aber ich habe meine Stürze von ihr nie ganz verwunden und ein Vertrauen zu ihr nie wieder wirklich aufbauen können. Ich hatte mal den Ehrgeiz, dies zu versuchen, dann aber irgendwann beschlossen, dass das alles so gut ist, wie es ist. Man muss halt nicht durch alles im Leben durch...
Manche Dinge jedoch müssen sein. Und dazu gehört dann und wann ein familiärer Kassensturz. Der legte offenbar, dass wir, wenn ich mit meinen Reitstunden wöchentlich so weiter mache, am Jahresende arm sein werden wie die Kirchenmäuse. Nicht die Reitstunden an sich sind das Problem, nicht einmal die horrenden Spritkosten, die dadurch entstehen. Aber: wenn ich so weiter mache, dann will das Auto in ganz kurzer Zeit schon wieder inspiziert werden - und diesmal, kündigt es schon an, will es die teure, große Wartung! Da ich ja weiß, wie es um Schulpferde und Reitunterricht in der Umgebung bestellt ist, blieb also nur eine Wahl: Fidelma braucht ein neues Pferd! Eine neue Reitbeteiligung soll es sein: nah an zu Hause, ordentlich geritten, gut gehalten, möglichst guter Unterricht und der Besitzer sollte auch noch nett sein. Die Eierlegendewollmilchsau also.
Ich durchforstete mein Handy und schrieb eine SMS mit meinem Ansinnen an alle reitenden Menschen, die ich in dieser Umgebung kenne. Wenn mal einer was höre, solle er an mich denken...
Keine fünf Minuten hatte ich zwei Angebote.
Beide Pferde ritt ich bereits Probe: eine wirklich gut auf A /L - Niveau gerittene nette Warmblutstute, witzigerweise mit dem Namen „Fidi“ - Nomen est Omen? Sowie einen Haffi, den ich auch schon unterm Sattel gesehen und damals für fein befunden hatte. Auch eine Stute. Ich habe mit beiden (sehr netten!) Besitzerinnen die gleichen Konditionen ausgehandelt: ich werde beide Pferde 3 - 4 x Probereiten, in eine Reitstunde gehen, um zu sehen, wie ich mit den jeweiligen Reitlehrern klarkomme und dann in Ruhe entscheiden. Gleiches steht ihnen natürlich auch zu (also eine Anti-Fidelma-Entscheidung).
Die ersten Proberitte waren interessant: mit der Warmblutstute bin ich reiterlich fürs erste Mal prima klargekommen, auch wenn ich mich nur etwas eingeschaukelt habe. Ein wirklich gutes und feines Pferd! Rittig, weich zu sitzen, traumhafter Galopp! Aber sie erinnert mich in ihrem Wesen stark an Diana (Stichwort: Fluchttier). Ich muss sehen, ob ich es schaffe, ihr einfach zu vertrauen - und auch meiner bescheidenen, aber gewachsenen Sattelfestigkeit. Hinzu kommt, dass sie an einem sehr elitären Stall steht. Hm. Habe ich mich geschämt, als ich mich auf das (nach der Ponyzeit relativ große) Ross hinaufkämpfte... 
Die Haffi-Maus hat mich hingegen sehr erschreckt: sie ist mir komplett unter dem Hintern weggerannt. Ihre Besitzerin meinte, das sei bei fremden Reitern erst immer so. Meine ganz leise Anfrage nach Galopp beantwortete sie mit einem irren Lospreschen im Trab. Da half kein Durchatmen, kein Reinsetzen, keine Parade - ich fand die Bremse kaum: Achtung! Wand! PUH! Irgendwann bekam ich sie dann doch aus einem annähernden Arbeitstrab angaloppiert - aber auch der Galopp verlief ähnlich rasant. Hui! „Geht das auch in gesetzt?“ fragte ich ihre Besitzerin. „Ja“ sagt sie „aber nur, wenn sie sich auf Dich eingeschossen hat.“ Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass das Stütchen Angst vor mir und meinen Anfragen hatte. Eindeutig ein Pferd auf dem man singen muss. Tat ich dann auch, ungeachtet der Tatsache, dass ich in fremder Halle mit fremden Menschen und fremdem Pferd war. Hier müssen wir sehen, ob das Tier mir vertrauen wird. Das ist ein bisschen eigenwillig bei mir: ängstlich bin ich nicht bei davonrennenden Pferden, nur bei solchen, die gerne Monster sehen... Das Haffitier lebt in einem Stall, den ich mag und an dem auch eine Freundin von mir ein Pferd stehen hat. Der Reitunterricht beider Anlagen hat einen guten Ruf.
In dieser Woche geht es dann mit beiden Pferden in die zweite Runde. Schaun wir mal...
Eines habe ich dennoch beschlossen: ganz aufgeben werde ich „meine“ Reitschule nicht. Und wenn ich „nur“ einmal im Monat hinfahre. Dazu gefällt es mir dort zu gut. Und berichten werde ich natürlich auch weiter, denn das Projekt „Fidelma lernt reiten“ ist ja noch lange, lange, laaaange nicht abgeschlossen. Es geht nur in eine neue Phase.
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