Dieser Kater...
Hallo Ihrs,
heute möchte ich Euch etwas von Moses erzählen.
Moses ist mein Kater, der im Sommer 2001 von einer lieben Bekannten zusammen mit drei Geschwistern in der Müllpresse des (damals) örtlichen Walmarts gefunden wurde (echt wahr ). Er war damals so knapp drei Wochen alt.
Ich habe Moses teilweise noch mit der Flasche groß gezogen und er hängt an mir wie eine Klette (ich selbst, das muss ich der Schilderung vorweg nehmen, hänge auch wie Bolle an ihm - er ist halt mein Herzenstier...).
Leider muss man es deutlich sagen: Moses ist strunzdumm... Dem guckt die Blödheit echt aus den Augen. Während seine Partnerin Emma (gleiches Alter, damals sehr scheu als Katzengesellschaft aus dem TH zu uns genommen - sie lieben sich!) über ein katzenperspektivisch ausgesprochen hohes Maß an Intelligenz verfügt (was ihn leider immer noch langsamer wirken lässt...). Emma hat sich meinen Liebsten als ihren Herzensmenschen ausgesucht. So herrscht hier wenigstens diesbezüglich eine gewisse Ausgewogenheit.
Moses Leben besteht aus vier für ihn einzig relevanten Konstanten: Birte, Fressen, Schlafen und Angst vorm Staubsauger... Die Gewichtung hängt von seinem jeweiligen Gemütszustand und der ensprechenden Verfügbarkeit ab.
Für Fressen bin ich zuständig. Und das setzt Moses auch massiv durch. Besonders dann, wenn ich noch zu schlafen gedenke...
Moses hat sich verschiedene Strategien ausgedacht, um seinem Anliegen "Gehör" zu verschaffen.
Variante A) Man räume den Nachttisch ab...
Folgt keine Reaktion meinerseits greift er zu Plan B:
Ausräumen des nahestehenden Billy-Regals. Buch für Buch...
So etwas hielt ich immer für nervig aber ignorierenswert.
Irgendwann trat Plan C in Kraft: ich hörte ein zuerst leises, dann immer lauter werdendes "Krzzzz, krzzzz!"
Mit einem halb geöffneten Auge musste ich beobachten, dass das Katertier, mit einer Kralle (!) über die Seiten der nun auf dem Boden liegenden, aufgeschlagenen Bücher kratzte. DAS erforderte natürlich ein Eingreifen. Das Tier hatte gewonnen: an dieser Stelle musste ich reagieren!
Im verzweifelten Versuch, dem Einhalt zu gebieten, wurden alle wertvollen Bücher außerhalb der Katerreichweite deponiert. Soll er mit dem "kleinen Stowasser" doch anstellen, was er will.
Also durchdachte (laaaangsam) Moses seine Pläne und entwarf einen neuen, der sich nun folgendermaßen äußerte: er kletterte (springen ist für seine Körperfülle zu viel gesagt) auf den für ihn am höchsten zu erreichenden Punkt und sprang mir dann "rumms" (sechs Kilo!) voll auf den Bauch!
Hier half nur noch Notwehr: ich stellte (Sonntags in der früh) einfach den Staubsauger vors Bett. Wir hatten für STUNDEN Ruhe...
Ich weiß, das ist echt nicht nett, aber wie heißt es so schön: der Zweck heiligt die Mittel.
Dazu muss ich sagen, dass Moses diese Randale auch bei noch vollen Näpfen veranstaltet. Das ist für ihn einfach eine Frage des Prinzips.
In der vergangenen Woche hat er sich dann etwas Neues ausgedacht, das ich so süß fand, dass ich letztlich reagierte:
Phase A verlief nach altem Muster "Regal ausräumen" - keine Reaktion.
Phase B leutete etwas Neues ein: Herr Kater setzte sich neben meinen Kopf und schnurrte sich die Seele aus dem Leib. Direkt neben meinem Ohr. Zur Verstärkung hatte er sich Emma (ebenfalls schnurrend, was sie sehr selten tut) geholt. Das wirkte zugegebenermaßen auf mich eher einschläfernd...
In Pase C fing er an, mit meinem Kopf zu köpfeln. *hach*
Aufstehen wollte ich aber immer noch nicht.
In Phase D überraschte er mich dann aber wirklich: er fing an, mit seinen Vorderpfoten, ohne Krallen, sanft, aber nachdrücklich (!) auf meinem Kopf herum zu trommeln!
"STEH ENDLICH AUF!"
Das war so neu und so nett, dass ich mich lachend aus dem Bett schwang (um sechs, bis sieben hätte ich selig schlummern dürfen).
An dem Morgen hatte er sogar zu Recht Hunger: der Napf war leer...
Dieses Katertier... Ich hoffe er bleibt uns noch seeehr lange erhalten und frage mich, welche Kommuninkationswege er sich demnächst (immer mit der Ruhe...) einfallen lassen mag.
Liebe Grüße und Euch ein schönes Wochenende,
Birte
Montags fängt das Jahr neu an: jede Woche Silvester (Lesson 6 & 7)
... oder auch: drei Reitlehrer sind zwei zu viel!
Hallo zusammen,
nachdem ich ja nun schon mehrfach gefragt wurde, wann ich denn gedenke, mich hier wieder zu meinem Reitunterricht zu äußern (ich danke für das Interesse ), will ich dem nun gerne folgen. Letzte Woche war ich sehr schreibfaul, deswegen gibt es heute nun eine Zusammenfassung der letzten beiden Wochen (und deswegen wird es auch wieder ziemlich lang).
Ich hatte mit meiner Reitschule ja einen Deal geschlossen: eigentlich haben sie morgens keine Reitstunden, da sich aber ab und an der Montag morgen so für mich anbietet kann ich gerne kommen, dann werde ich aber (zu der Zeit reiten sie ihre Pferde selbst) vom Pferd aus korrigiert. Dafür muss ich dann nicht die teuren Einzelstunden zahlen. Ich war gespannt auf dieses (für mich neue) Arrangement. Nach zwei Montagen muss ich sagen: kann man so machen... Muss man aber nicht!
Aber beginne ich von vorn:
Letzte Woche komme ich (fast, die Autobahn war etwas voll) zur verabredeten Zeit auf den Hof gefahren und kaum habe ich einen Fuß aus meinem Auto gesetzt schallt es auch schon aus dem Büro "Mach Dir mal den Silvester fertig!" Gerufen, getan.
Silvester mag ich echt gerne: er ist nett, ehrlich, nicht sooo groß und nicht so schwer zu reiten, außerdem lässt er sich gut sitzen. Er ist halt nur etwas triebig. Und irgendwie isser mir auch schon ans Herz gewachsen.
Statt um halb, sitze ich erst um zehn auf dem Pferd. Ich musste noch etwas warten, weil der Juniorchef noch auf einem jungen Pferd, das dieses offensichtlich weder besonders gut kannte und es offenkundig auch nicht wirklich genoss, ritt. Das sah nicht ganz unspektakulär aus...
Er ist noch in der Bahn, in der Mitte stehen zwei Azubis und ich frage eine freundlich, ob sie mir wohl gegenhalten würde? Klar, sagt sie, macht sie gern und verschwindet neben meinem Pferd. Ich gurte also nach und schwinge mich hoch, sitze ein und "Huch!" da steht gar keiner... Das mag ja jetzt doof klingen, aber: ich bin seit Jahren nicht mehr ohne Aufstieghilfe oder jemanden zum Gegenhalten auf ein Pferd gestiegen. Das halte ich erstens eh für wichtig wegen des Zusammentreffens von Pferderücken und Birtegewicht und zweitens... Nun: ehrlich gesagt hatte ich immer Schiss, dass mir der Sattel entgegenkommt, wenn ich mich da hochhieve (das' mir n' bisschen peinlich)...
Das erste Erfolgserlebnis des Tages: ich komme aufs Pferd! Ich habe vernünftig gegurtet! Mir ist kein Sattel entgegen gekommen. Ich schaffe es also auch im Notfall alleine auf ein Warmblut! Ha!
Die Azubine hatte im Übrigen nicht mitbekommen, dass ich schon so weit war, sie stand ein paar Meter neben dem Pferd und machte eine genauso verblüffte Mine wie ich.
Drei Reitlehrer reiten fleißig ihre Pferde und ich fange an, meines und mich warm zu reiten. Nach einer geraumen Weile bekomme ich die ersten Korrekturen der RL bei A. "Vorwärts reiten! Schön und noch mehr und immer mehr treiben..." Silvester scheint genauso montagsmüde wie ich es bin.
"Mach den mal wach! Ja, genau! Wenn Du Dich nicht von Anfang an bei ihm durchsetzt, dann läuft der dir den Rest der Zeit auch nicht..." Puh... Merk ich schon.
Ich kreisel durch die Gegend und komme immer noch nicht in der großen Halle klar. Im Galopp weigert sich Silvester standhaft, auf den Zirkel zu gehen. Gips jawohl nicht! Nochmal!
RL bei A: "Du musst schon auch in die Richtung gucken, in die du reiten willst, so klappt das nicht!" Wie Recht sie hat...
Silvester und ich einigen uns über die Richtung: es ist mehr ein Ei, aber es geht einigermaßen. Ich pariere durch und übe meine "Haufaufgabe Schenkelweichen". Uuuuuund: *tusch* Es klappt, ich krieg mich wieder sortiert, Silvester versteht was ich will, seitwärts klemmt's nicht mehr. Innerlich jubel ich. An der nächsten langen Seite gleich nochmal.
RL bei X: Na, siehste, klappt doch. *freu*
Eine Runde weiter. Also, an der nächsten langen Seite wieder.
RL bei A: Nenene, lass denn mal nur ab und an ein paar Tritte übertreten, das reicht völlig. Menno... Ich hab doch gar nich so oft und so lang...
Nach einer Weile galoppieren wir wieder. 2 x Zirkel, ganze Bahn.
RL bei X: "Prima, Birte, seeehr schön, sieht doch schon gut aus!"
RL bei A: "Hömma Birte, reit mal keine Kilometer! Nur, weil der sich im Galopp so schön sitzen lässt... Reit lieber schöne Übergange!" *durchparier* *Übergänge reite* Schritt-Trab-Schitt-Trab-Galopp-Trab-Galopp-Schritt.
RL bei C bölkt: "JETZT LASS DEN DOCH MAL ENDLICH VORWÄRTS GEHEN UND PARIER NICHT WEGEN JEDEM SCH*** DURCH!!! Der muss mindestens 10 Runden laufen. HERRJEE! DER TRABT DIR JA SCHON FAST WIEDER!"
Also, jetzt mal in Echt (wie man so schön hier zu sagen pflegt)! Watt denn nu???
Anstatt meinen Mund aufzumachen, reiche ich die innere Kündigung ein und beschließe, selbst zu entscheiden, was und wie ich den Rest der Stunde reiten will. 
Diese Idee ist aber nur semi-gut, denn RL bei C hat mich von nun an genau im Visier. Das ist auch gut so, denn mit meinem eigenständigen Rumhampeln komme ich den anderen (RL N° 4 ist mittlwerweile mit neuem Jungpferd in der Bahn und bittet mich, nicht zu nah aufzureiten) in die Quere. Der Senior (RL bei C) ruft (mit freundlicher Intonation): "Birte, kommst Du mal zu mir?" Natürlich. Angekommen fragt er in nicht minder freundlichem Ton: "Sag mal, kennst Du eigentlich die Bahnregeln?" Ich krieg soooo eine Bombe! 
"Ja", sag ich kleinlaut, "natürlich, aber..."
"Ok, wie lauten sie denn?"
DER FRAGT MICH AB!!!
Da steht man da, gestandene fünf mal sieben (plus eins), eine beruflich nicht unerfolgreiche, auch ansonsten im Leben stehende, interessierte, nicht gerade ungebildete junge Frau - man steht da also mit diesem Backround und leiert wie ein Schulmädchen herunter: "Rechte Hand weicht vor linker Hand und Zirkel weicht vor ganzer Bahn, und Schritt vor Trab und Galopp, und wer nicht arbeitet weicht allen anderen sowieso..." "Genau", werde ich gelobt "und wie viel Platz lässt man zum ersten Hufschlag?" "Ja, ähm, so viel" *zeig* Das Schlimme ist: der ist echt nicht doof dabei. Ich fühle mich zwar wie ein kleines Mädchen, aber er verhält sich echt nicht doof. Das ist völlig al dente. Und ich bau ja auch den Mist... Von daher...
Ich beginne, mich zu rechtfertigen. Die Bahnregeln kenne ich aus dem Effeff, aber wenn meine Rübe nach unten hängt, dann seh ich die anderen zu spät... Er grinst und meint, das das ein nicht unübliches Problem sei, er selbst habe damit zu kämpfen. Ich solle mir einfach vornehmen, die Hallenlampen zu bestaunen, dann klappt's auch mit dem richtig gucken. Wie Recht er doch hat... Und das war dann ja auch schon wieder irgendwie süss.
Uns schon ist die Stunde auch schon wieder vorbei. Silvester und ich sind beide gut geschwitzt und laufen uns trocken. Irgendwie hatte ich das Hausturnier (wo ich doch so nett gefragt wurde...) immer noch im Hinterkopf und sage ganz nebenbei zum Juniorchef, dass ich am Samstag doch nicht arbeiten müsse und beim Turnier auftauchen werde...
...
???
Entweder er ist auf dem Appellohr taub (das sind ja die meisten Männer), oder ich bin ich der Botschaft zu uneindeutig (das sind ja die meisten Frauen), oder aber meine Vorstellung war heute weit unter Niveau. Man weiß es nicht. Da außer einem freundlichen Lächeln nix von seiner Seite kommt, hat sich das Thema "Turnier" für mich endgültig erledigt.
Am Samstag war ich dann natürlich gucken - und froh über diese Entscheidung. 
Heute morgen war es dann wieder so weit. Ich weiß nicht, welcher irre Hund mich geritten hat, dass ich mir einen Reitstundentermin geben lasse, der uhrzeittechnisch (Anfahrt hinzugerechnet) noch vor meinem sonstigen Dienstbeginn liegt (Anfahrt hinzugerechnet). Das werde ich demnächst ändern. Wo ich doch so schon immer so schlecht aus den Federn komme...
Angekommen guckt der Juniorchef, wieder auf dem jungen Stute der letzten Woche sitzend, etwas entgeistert (haben die mich vergessen??? ) und meint meiner angesichtig nur: "Oh, ach ja, Silvester, oder so..." "Oder so" bin ich noch nicht geritten, aber mit Silvester bin ich sofort einverstanden.
Aber, hey, Jungs, ich lob Euch allenthalben über den grünen Klee, ob der bis dato so planvoll wirkenden Reitstunden...
Ich hole mir also Silvester. Fertig gemacht, bisschen geschmust, aufgesessen, losgeritten. Man redet kaum mit mir (was ich nicht schlimm finde, weil ich mich nach einer reitfreien Woche erst einmal wieder einfummeln muss). Vorwärts, rückwärts, seitwärts - geht. Alle drei Gangarten auch. Finde ich! Heute sind zwar nur zwei Reitlehrer in der Bahn, aber der Juniorchef reitet mehr seiner eigenen Wege. Er korrigiert vor allem meine Handhaltung. Der Seniorchef hingegen will wieder, dass ich mehr vorwärts reite. Manchmal klappt das auch, aber längst nicht immer. Silvester und ich können und wieder nicht auf den Zirkel einigen... "Reit den Zirkel mit Gewicht und Bein und lass den Zügel weg!!!" Ups. "DEN ZÜÜÜÜGEL! HÄNG DICH DA NICHT SO REIN UND LASS DEN LAUFEN!!!" Ja, doch, wenn er's so haben will, nehm ich meine dicke Kiste aus dem Sattel und treib so doll ich kann. "Gut, aber jetzt auch wieder zum Sitzen kommen!" Silvester kann tatsächlich ziemlich frisch werden, stelle ich erstaunt fest. Der Senior lobt mich. Und darauf bin ich dann echt stolz! Er meint, alles in allem sei das doch schon ganz gut geworden.
Die nächste Korrektur lässt natürlich nicht lange auf sich warten: Absatz tiefer, federnder und das dann gleich auch als treibende Hilfe einsetzen. Ich bemühe mich leidlich, das umzusetzen. Zwischendurch gelingt es mir sogar, alles zusammen koordiniert zu kriegen.
Ich reite wieder eine Weile vor mich hin und versuche mich größenwahnsinnig im Trab am Schulterherein. Hatte mir keiner gesagt, hat aber auch keiner gesehen. Gut so. Das war nix, das heben wir uns für später mal auf...
Mittlerweile kommen zwei mir fremde Menschen mit ziemlich flippigen (augenscheinlich auch noch sehr jungen) Pferden in die Bahn. Obwohl die etwas kamikazemäßig reiten verursache ich keine (naja, einmal fast) Karambolage! Gucken hilft ungemein!
Das eine Pferd erschrickt sich fürchterlich in einer Ecke und als Silvester und ich dort vorbei reiten, sieht auch er ein grünes Hallenmonster dort! Na, guck an: das ist ja doch ein Pferd! Ein richtig lebendiges sogar.
Da hat die Birte ja auf einmal Spaß. Die Frage, ob man da vorbei müsse, beantworte ich mit einem klaren "Ja!" und gewinne.
Hab ich mal erwähnt, dass ich eigentlich eine mega schissige Reiterin bin? Man darf mir nie nich sagen, ein Pferd neige dazu, zur Seite zu springen. Dann sitze ich drauf, wie ein verkrampftes Huhn. Sitze ich allerdings auf einem Pferd, das nie nich zu irgendwas etwas sagt, finde ich es bald etwas langweilig und freue mich, wenn wieder etwas Leben hinein kommt. Ich bin irre, ich weiß. 
Heute schaffe ich es zum ersten Mal, die Bahnpunkte zu treffen und einigermaßen saubere (also, abgesehen vom Zirkel) Hufschlagfiguren zu reiten (zum ersten Mal z.B. sauber durch die ganze Bahn wechseln) und sogar die ganze Bahn gerade auf dem zweiten Hufschlag (60m! ) zu bleiben, so ich das will. Ich bin zufrieden.
Der Senior reitet derweil einen wirklich unglaublich schönen Ponyhengst. Der haut mich fast um, so schön ist der. Glänzend Kastanienbraun mit dichtem, ganz langen schwarzen Behang und erstaunlicher Knieaktion. 
Ich spreche den Senior an, dessen Brust vor Besitzerstolz fast platzt. "Könnte als Spanier durchgehen, oder?" Aber hallo! Ist aber dennoch "nur" deutsches Reitpony. Ich bin beeindruckt.
Heute gibt es eigentlich außer "TREIB IHN!" nicht so viel zu berichten. Es passt diensttechnisch ganz gut: nächsten Montag kann ich nicht. Es wird also (leider *seufz*) bis Ende der kommenden Woche dauern, bis ich wieder eine Reitstunde dort habe. Aber die nehme ich dann wieder abends. Eben in einer "richtigen" Reitstunde. Nicht, dass das in den beiden letzten nix gewesen wäre, aber ich glaube, in der (kleinen) Gruppe bringt mir das mehr. Und ganz Einzel kann ich mir nicht leisten...
Vielleicht wird es sinnvoll sein, das zu kombinieren: also ein übers andere Mal morgens und viel für mich machen und sonst in die Reitstunde. Schaun' 'mer mal...
Ich danke Euch für Euer Auge!
Liebe Grüße
Fidelma
... und nächste Woche auf's Turnier?
Hallo Zusammen,
nee, keine Sorge, das wird jetzt kein irrwitziger Bericht aka "Wie wird man Turnierreiter in fünf Tagen?" - auch wenn ich mich extreeeem gebauchpinselt fühle (dazu unten mehr) - nein, ich erzähle von meiner heutigen Reitstunde.
Im Moment bin ich von neugierigen Menschen umschwirrt, die mich gerne begleiten. Das ist für mich ganz praktisch, weil ich so immer jemanden zum Gegenhalten und so habe... Heute begleitete mich die Freundin, der ich das eigentlich alles zu verdanken habe, weil sie mir letzten Sommer meine Reitschule zeigte.
Meine Freundin berichtete mir schon auf dem Hinweg, dass da heute am Stall mit Sicherheit eine Menge los sei, da morgen Kreisjugendmeisterschaft wäre und die dort drei Mannschaften genannt hätten. Sie weiß sowas irgendwie immer. Ich hingegen war einfach nur aufgeregt und völlig uninformiert, weil ich die ganze Woche auf Dienstreise war. Und müüüüüde war ich. Mein Sinn war schon auf "Pferd" geeicht, aber nach "Arbeit" war mir so gaaar nicht zu Mute.
Angekommen stellte ich erfreut fest, dass mir wieder der liebe braune Oldenburger (sein Name ist im Übrigen Silvester) von der ersten Stunde zugeteilt wurde.
Meine Freundin hatte Recht, es herrschte ein sehr emsiges Treiben: hier wurden Pferde eingeflochten, dort wurden Aufgaben geritten, andernorts wienerte man Sattelzeug.
Ob's an der anstehenden Meisterschaft oder an meiner (Ver-) Peilung lag: ich hatte fest im Kopf, dass die Stunde um sechs begönne und saß brav um Viertel vor auf dem Pferd. Ich ritt uns warm. Und wärmer. Und noch mehr. Und noch ein Ründchen. Ich begann zu schwitzen.
Um mich herum waren drei Ponyflitzer (solche von der gemeingefährlichen Sorte: die hier und da aus dem Nichts vor einem in einem irren Tempo auftauchen) und ein Mädel auf einem großen federnden Warmblut.
...
Hm. Wo ist der Reitlehrer?
...
Nebenan fängt die Reitstunde pünktlich an. Eine kleine Erwachsenenanfängergruppe. Ich frage höflich nach, ob ich vielleicht falsch bin und eigentlich da hinüber soll? Nene, ruft die Reitlehrerin herüber. Alles ok.
Ich reite weiter meine Kreisel und "Hausaufgaben" bezüglich der seitwärts treibenden Hilfen - aber letzteres klappt auch heute nicht wirklich. *grmpf* Silvester und ich hatten schon beim Aufsteigen ein kleines Zwiegespräch in dem ich, ich war ja auf seine Ruhe - aber auch Triebigkeit - gefasst, klarstellte, dass ich für heute gedachte, über Tempo, die Größe der Bahn etc. zu bestimmen. Vielleicht war es die Gerte unter meinem Arm, vielleicht aber auch mein mittlerweile gewachsenes Selbstvertrauen, das Silvester in ein sofortiges Einwilligen in dieses Agreement bewegte. DAS jedenfalls funktionierte heute. Meistens jedenfalls...
Die Zeit schritt voran und innerlich freute ich mich sogar in der losen Hoffnung, es gäbe vielleicht gar keine Stunde... Vielleicht hätte irgendwer in einem hohen Maße an Empathie gegenüber meiner verweichlichten Körper- und Geisteskraft ein Erbarmen mit mir? So nach dem Motto "lassen wir der Birte heute doch einfach mal ihren Spaß...". Hätte ich gaaar nix gegen gehabt.
Um halb sieben beschloss ich dann, genug Sport für heute getan zu haben und sinnierte übers "Trockenreiten" nach (ich musste trocknen, das Pferd hatte kein nasses Haar). In jenem Moment schallt es durch die Bahn: "Sooooo! Fangen wir mal an..." Der Juniorchef steht in der Bahn.
Und dann ging es los. Und wie es los ging. Wir ritten durcheinander und ich wurde hier und da korrigiert. "Sag mal, wieso rutscht denn Dein Schenkel so zurück? Das ist mir bisher noch gar nicht so aufgefallen... Ob das am Sattel liegt...?" 
Nun ja, das Thema "Schenkel an den Gurt" hatte ich ja bereits in der ersten Stunde mit seinem Schwiegervater. Vom Junior werde ich in nun den "Schumacher-Rennsitz" gesetzt (ich mag seinen Euphemismus! ). Krasses Verhalten erfordere krasse Gegenmaßnahmen und im Lauf der Stunde rutschen meine Beine tatsächlich auch wieder weiter nach vorne an den Gurt. Auch meine Riesenbaustelle Schenkelweichen wird weiter unter die Lupe genommen. Dachte ich's mir doch: mit meinen Gewichtshilfen stimmt's einfach nicht. Ich belaste falsch. Irgendwann schaffe ich es wenigstens halbwegs, das Viereck zu verkleinern und wieder zu vergrößern. Da hab ich aber noch ne Menge vor mir, um das mal gescheit hin zu bekommen...
Außerdem, obwohl mir die Bahnregeln bekannt sind, verursache ich irgendwie immer wieder Beinahe-Karambolagen mit den Kamikazeponies. Mist.
Es wird eine Abteilung gebildet. Ich hänge mich hinter die Kinder und ihre Pferdchen und kann trotzdem nicht wirklich mithalten. *treib* *schwitz*
Wir gehen auf den Zirkel und galoppieren an. DAS klappt diesmal richtig gut (erinnert man sich daran, dass ich Silvester in der ersten Stunde kaum zu einem etwas flotteren Sprung bewegen konnte). "Schön, Birte, schööön! Seehr gut!" Ich wachse über mich hinaus.
Das muss ich auch, denn das Telefon klingelt und der Chef muss rangehen. Im Vorbeifliegen höre ich immer nur: "Ja, ok" - "Ich muss" - "Ich unter-" "Ich wer-" "Ja mach-" - und bete nur noch heimlich: Bitte, lass ihn auflegen, bitte, es reicht, bitte, ich kann nicht mehr!
Nach einer gefühlten halben Stunde heißt es dann endlich: durchparieren zum "Deeerapp". Puh! Ich warte auf die erlösende Schrittphase, die aber nicht folgt. Handwechsel, durch die halbe Bahn wechseln. Weiter im Trab (ich wieder leicht, ich kann nicht mehr, in meinem Kopf rauscht es). Und dann heißt es plötzlich "aufmarschieren!".
Es ist kurz nach sieben. Ich sitze seit mehr als eineinviertel Stunden auf Silvester. Ich bin froh. Es war gut, es ist vorbei...
Das korrekte Aufmarschieren wird geübt (ich steh zu nah am Tier rechts von mir) und gelobt wird erst, als alle so stehen, wie sie es sollen.
Mein Körper lechzt nach dem Kommando "Zügel aus der Hand kauen lassen" meine Ohren vernehmen statt dessen ein gebelltes: "GRÜßEN!" 
Waaa?
Pflichtschuldigst schnellt meine Hand an den Helm und mein Haupt neigt sich.
"Wir reiten jetzt Aufgabe!"
*schluck*
Und so kommt Fidelma noch in den Genuss des Reitens einer E-Dressur. Und glaubt es, oder glaubt es nicht: allein der Grüßen-Befehl hat in mir alle letzten Reserven locker gemacht. Ich fühle mich wie in einer echten Turniersimulation (die es für meine morgen startenden Mitreiterinnen ja auch sein soll) und gebe mein Letztes.
Nach dem letzten Aufmarschieren sehe ich das grinsende Reitlehrergesicht vor mir: "Na? War doch gar nicht so schlecht... Magste beim Hausturnier mitreiten? Wir haben da auch ne Erwachsenengruppe..."
Wenn ich etwas nicht sofort will, hab ich da einen Reflex: ich antworte dann immer "Da muss ich arbeiten..." (was in 99,9 % aller Fälle auch stimmt!) Der Reitlehrer guckt etwas bedröppelt und mir wird jetzt erst klar, was der da gesagt hat und wie ich reagiert habe. Und eigentlich freue ich mich doch ganz dolle und fühle mich sooooo geehrt. 
Aber wollen will ich trotzdem nicht.
Endlich dürfen wir trocken reiten und ich bekomme noch das wohl süßeste Bonbon des Tages. Eines der Pony-Mädchen (Sowas von süß! Neee, was 'ne Süße!), so vielleicht 12 Jahre alt, schließt zu mir auf und fragt schüchtern nach oben: "Wie lange reiten sie schon?" Ich überlege einen Moment, wie viel Ehrlichkeit auf diese Frage wohl angemessen ist (also, Pausen mit eingerechnet vom ersten Ponyritt an, roundabout dreißig Jahre...) und entscheide mich für ein diplomatisches: "Naja, schon ein paar Jahre, aber mehr im Wald. Hier habe ich meine fünfte Stunde..." - "Wieso fragst Du?"
"Och", strahlt es mich von unten an, "Sie machen das schon ganz prima..."
SÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜß! Danke.
Zu Hause angekommen habe ich dann dennoch mal geguckt, was mein Kleiderschrank in Richtung reiten so her gibt. Ich sag es mal so: mein Turniersakko (*) und mich trennen einfach noch mindestens 10 Kilo. Und die krieg ich bis nächste Woche (das Hausturnier ist nämlich morgen in einer Woche) definitiv nicht weg...
Aber träumen wird ja noch erlaubt sein, oder?
Am Montag reite ich wieder, und wenn es Euch gefällt, dann schreibe ich auch etwas drüber.
Ich habe geschwitzt wie ein Stier, ich habe gelitten wie ein Hund, ich merke jeden Muskel: Heute war's jedenfalls einfach ganz große Klasse.
Liebe Grüße und gute Nacht
Fidelma
* vor zwei Jahren im Wahn, bestimmt auch mal mein Abzeichen zu machen, als Belohung für damaligen WW-Erfolg erstanden
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