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Samstag, 13. Dezember 2008
Ubiquitäre Reitstallgören
Von Birtes Viechblog, 20:13

Der Begriff "ubiquitäre Reitstallgören" (die tauchen halt immer irgendwo auf...) oder auch kurz URGS (das Geräusch trifft ziemlich passend das, was ich machen möchte, wenn sie mir begegnen! Wuergen ) stammt nicht von mir. Den habe ich da (sehr lesenswert!) geliehen. Heute hatte ich an Fidis Stall die erste unangenehme Konfrontation mit einer Person dieser Gattung.

Boah! Ich könnte echt platzen!

URGS zeichnen sich an eben jenem Stall durch außergewöhnliche Verwöhnheit, dem Besitz von mindestens einem (meistens aber zwei oder drei) höchstpreisiger Zossen (die sie - garniturweise ausgestattet mindestens mit Utensilien der Firma Scapa-Sports, von Reiterkopf bis Pferdefuß, selbstverfreilich farblich passend - entweder gar nicht reiten können, zusammengurgeln oder vermöbeln - meistens jedoch alles zusammen), die niemals nicht grüßen oder süffisant siezen, wenn sie etwas von einem wollen () und die auf gar keinen Fall jemals eine Reitkappe tragen (auch wenn die schweineteuer gewesen wäre, ne, nope, komplett uncool ). Deren armen Geschöpfe sehen natürlich außer ihrem Stall maximal wahlweise noch die Schrittmaschine (Konditrainer hier genannt) oder das Laufband und die Reithalle. Im absoluten Ausnahmefall vielleicht mal hier und da eine Stunde Paddock (alleine, gemeinsam könnten sie sich ja verletzen) und das auch nur bei Sonne, wenn leichtes Hühnerpipi vom Himmel fällt, wird der Gaul panisch wieder in den Stall gezogen, könnte ja nass werden... Trotz aufliegender Regendecke, man weiß ja nie! Alle URGS zusammengefasst würden bei einem IQ-Test (mit abgucken und sich beraten) wahrscheinlich gesammelt bei einem Ergebnis von unter 90 liegen. Und so eine ist mir heute quer gekommen.

Ich wollte das Fidi-Tier longieren. An diesem Stall gibt es zwei Reithallen:
eine ganz große (20x60, vielleicht auch 80, weiß ich nicht genau, groß jedenfalls) und eine kleine (20x40, vielleicht auch 50). Und besagten Konditrainer in dessen Mitte eine Art Roundpen eingebaut ist. Die Außenplätze lasse ich mal außen vor, die waren heute gefrostet.

Ich komme, checke die Lage, sehe die große Halle reitervoll, gehe in die kleine in der zwei Sprünge aufgebaut sind, die aber niemand überspringen will. Die große Halle hat ein Longiertabu, welches ich verstehe und achte. In der kleinen longiert hingegen immer irgendwer. Ich mache das Fiditier also longierfein und zerre es zur kleinen Halle - und höre wen hüpfen. Mist!

Guter Rat ist teuer, ich weiß doch, dass Fidi den Konditrainer hasst.

Dennoch marschiere ich mit ihr dorthin und bitte eine weitere URG (die ist aber wenigstens gut erzogen und ansatzweise freundlich), mir kurz behilflich zu sein. Denn: man muss den Konditrainer ausmachen (warten bis kein Pferd vorm Durchgang steht), aufmachen, ganz durch und dann - ja, und dann? "Ich mach das wieder an, eigentlich ist innen ein Knopf, mit dem man die Maschine auch ein- und ausmachen kann, der ist aber kaputt. Musst Du rufen, irgendwer kommt hier ja immer mal vorbei..."

geschockt

Das Fiditier ist eh sehr nervös und ich werde es auch. Neee, Moment mal! Ich komme hier nicht mehr raus?

Ich bitte die URG einen Moment zu warten, weil ich mir ob Fidis Reaktion nicht sicher bin. Sie willigt dankenswerterweise ein, macht die Maschine an und über uns und neben uns und überhaupt quietscht es und Fidi und ich sind gleichermaßen in Panik. "Mach aus, mach aus!" brülle ich und bitte um Auslass.

Im Zugang zur Halle werde ich angesprochen, wieso ich nicht in die kleine Halle gehe. Ich verweise auf die Springenden und mir wird gesagt, die seien doch eh fertig. Ich atme auf und stapfe, das sich langsam beruhigende Tier an der Hand, in die Halle. Fidi und ich sind sofort in unserem Turn (wir sind mittlerweile auch im Feintuning am Boden aufeinander eingeschossen). Alles ist gut. Bis nach fünf Minuten SIE auftaucht und mich anmacht: "Ich will springen!" "Und ich muss longieren!" Augenbrauen
Und dann geht es los:"Hier ist longieren verboten! (Höh? Seit wann? verwirrt ) "Dafür geht man in den Konditrainer!" *keifzetermotz* Ich erkläre ruhig und sachlich, dass es mir nunmal nicht anders möglich ist, mein Tier zu bewegen und der Konditrainer nach fehlgeschlagenem Versuch nun einmal flach fällt. "Ich kann aber jetzt nicht ne Stunde warten!" *gift* "Na, dann warteste eben mindestens eine halbe..." Maulend zieht sie ab und meint, sie müsse ja eh noch warmreiten. Wie bitte?

Nach 25 Minuten steht sie wieder da. Eine weitere URG zur Unterstützung dazu geholt. Die fragt einigermaßen höflich: "Dürfen wir springen, während Sie longieren?" (remember: ). Nee, sag ich, gebt mir noch fünf Minuten. Sie verziehen sich in eine Ecke der Halle und ratschen vor sich hin, während ihr grad warm gerittene Pferd schön wieder auskühlt. Ganz URG eben... Wuergen

Ich überziehe die fünf Minuten und spule Fidis und mein Programm zwar im Schnelllauf, aber immerhin bis zum Ende durch. Ich hab ihr noch nicht die Abschwitzdecke (die billige aus dem Raiffeisen...) aufgelegt, da höre ich es hinter mir springen (und Fidi zucken)...

Mannmannmann, ich hab echt eine Menge Verständnis und bin ziemlich kompromissbereit, aber nicht, wenn man mich so anmacht! Da kann ich dann auch echt zickig werden: Und diese inflationären URGS an diesem Stall, die bringen mich echt an meine Grenzen. Wenn es nicht grad Fidi wäre, die dort stünde, ich würde einfach Zunge raus machen und verschwinden.
Wird Zeit, dass ich wieder reiten kann... Freitag saß ich übrigens schonmal probehalber wieder drauf. Und Montag nehme ich sogar Reitunterricht mit ihr. Aber das ist eine andere Geschichte...

So, nu hab ich's mir von der Seele geschrieben und danke für Euer Auge.

Es grüßt Euch

Fidelma (mit Fidelia im Schlepptau)

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Samstag, 06. Dezember 2008
Henriette
Von Birtes Viechblog, 14:30

... oder wie ein Federvieh eine Firma auf Trab halten kann!

Hallo Forum,

heute, quasi zum Ausgang einer „tierischen“ Woche möchte ich Euch von Henriette erzählen. Wer ist Henriette? Nun, ihr werdet es erfahren... Augenzwinkern

Henriette trat vor drei Tagen in mein Leben. Plötzlich und unvermittelt stand sie da - auf der Fensterbank einer Kollegin und begehrte offensichtlich Einlass. „Guck mal“ rief man mich zu sich. Tok! Tok! Tok! Das Tier hat einen sehr aufdringlichen Blick und wirkt darüber hinaus außerordentlich selbstbewusst.

Henriette ist eine Taube. Eine Pfautaube, wie mir Tante Google verriet:


Dieses Bild ist dem Original verblüffend ähnlich.

Den Namen habe ich ihr nun nach dreitägiger Anwesenheit verpasst. Vielleicht ist Henriette auch ein Hahn, ich weiß es nicht, aber ich finde, der Name passt einfach zu ihr. Augenzwinkern

Diese eine Kollegin ist nicht besonders tierlieb und nicht-tierliebe Menschen sind mir eigentlich immer etwas suspekt, aber selbst sie war dem Charme und der Schönheit dieses Wesens, das flehentlich auf ihren Bürotisch linste, erlegen.

"Birte, seit Stunden sitzt sie da!" sagt sie mit einem leicht verzweifelten Ton. "Was machen wir denn nun?" „Hm…“ sage ich. „Sie will rein, oder?“ „Sieht so aus... Viel deutlicher kann man es nicht sagen.“ lautet meine Antwort. „Aber wir können doch keine TAUBE ins Büro lassen…“ „Hm… ich überleg mir was“ so meine Reaktion. Eine Weile überlegen wir, woher der Vogel wohl stammt und wieso er nicht nach Hause findet.

Dazu muss man wissen: ich bin so was wie die inoffizielle Tierschutzbeauftragte unseres (nicht kleinen) Ladens. Irgendwie hat es sich rumgesprochen (gut, ich habe relativ viel Publikumsverkehr und mein Herz für Tiere ist in meinem Büro nicht zu übersehen – Bilder alle „meiner“ Viecher zieren seine Wände): immer mal wieder klingelt mein Telefon, weil in irgendeiner Einrichtung wieder irgendwas Vierbeiniges gefunden wurde. Beispielsweise: „Ich hab hier ’ne winzige Katze auf meinem Schoß sitzen, die saß draußen unterm Holzstapel, was mach ich denn jetzt damit?“). Da mein Mann auf den Satz „Bring vorbei und dann sehen wir weiter“ mittlerweile hochallergisch reagiert Lachen habe ich auf verschiedenen Post-Its die Rufnummern der örtlichen Tierschutzvereine notiert und an meinen Monitor gepappt. Und nun also eine Taube… Ich sammele einen Karton aus dem Lager, mache Löcher rein und frage mich, wo ich mit der Taube hin soll. Zoo? Mal sehen…

Als ich Feierabend mache ist die Taube jedoch verschwunden. Vor fünf Minuten sei sie weggeflogen. Ich beherzige den ehernen Grundsatz sozialer Arbeit „Hilf keinem, der nicht geholfen werden will“ Augenzwinkern und mache mich auf den Heimweg. Nun fahre ich mal wieder einen Löcherkarton im Auto spazieren.

Am nächsten Tag, später Vormittag, komme ich in das Büro meiner Chefin: „Guck mal daaaaa!“ deutet sie verzweifelt auf eine hübsche weiße Taube, die eindeutig Einlass begehrt. „Ah“ sag ich „die kenne ich. Ist sie also wieder da...“ und erzähle die gestrige Geschichte. „Und nu?“ fragt meine Chefin „Die macht mich wahnsinnig, so wie sie hier reinguckt!“
Der Löcherkarton befindet sich im Auto, also bau ich einen neuen. Und ich frage wieder Tante Google, die sagt, es gäbe ganz in meiner Nähe einen Taubenschutzverein. Außerdem, erzählt sie mir, seinen Pfautauben schützens- und fangenswert, weil eher für die Voliere gezüchtet und Greifvögeln und anderen Widrigkeiten der Natur ausgeliefert und zum Tode verdammt. Mein Retterherz pocht.
Ich eröffne also die Taubenjagd – was Henriette gar nicht lustig findet. Sie will rein, nicht gefangen werden und verzieht sich beleidigt auf die Fensterbank unseres EDV-Schulungsraums. Von da hat sie einen guten Blick in mein Büro und somit auf mich. Ich beschließe, den Taubenschutzverein zu alarmieren, habe aber nur das Band dran. Tja, bringe ich das Vieh später einfach vorbei, sofern es sich denn fangen lässt, und öffne meine Bürofenster.

Es ist kalt.

Henriette findet es auch kalt, kommt angespurtet und wärmt sich ihren Taubenpo an meiner Heizung. Ich sitze am offenen Fenster, arbeite an meinem PC in Jacke und Schal gemummelt während eine Führung für junge Nachwuchsführungskräfte durch unser Gebäude stattfindet. Die blocke ich vor meiner Tür ab (und dabei bin ich die einzige, an deren Tür „HERZLICH WILLKOMMEN“ steht). Hab ich das Tier schließlich endlich fast da, wo ich es hin haben will. „Wissen Sie, ich habe da grad einen Vogel“ teile ich den jungen aufstrebenden Menschen auf dem Gang mit. Sie glauben mir aufs Wort.

Etwa eine Stunde später kommt meine Chefin fluchend in mein Büro.
„Ist ja nicht so, als müssten wir hier arbeiten, oder? Ich habe wahrlich anderes zu tun! Du holst Dir den Tod!“ schimpft sie. Was hat sie nur? verwirrt Ich arbeite munter vor mich hin und sehe ihr aus den Augenwinkeln zu, wie sie eine handvoll Körner auf meiner Fensterbank ausstreut. Ich glaube, die hatte sie von ihrem Brötchen abgeknibbelt. großes Grinsen

Die Taube findet DAS natürlich super. Fangen lässt sie sich weiter nicht. Ich muss Feierabend machen und zum Pferd. Henriette lasse ich zurück. Ein Löcherkarton steht nun auch in meinem Büro einsatzbereit.

Gestern betrete ich wie jeden Morgen mein Büro. Von Henriette keine Spur. Hat sie sich wohl was Neues gesucht oder die Natur hat sie sich geholt. Auf meinem Schreibtisch klebt ein großes Post-It mit der Handschrift meiner Chefin: „Taubenschutzverein hat angerufen: können nix machen. Vogel hat noch mal blöd geguckt und ist weggeflogen.“ Aha.

Etwa zwei Stunden später klingelt mein Telefon und meine ansonsten ausgesprochen ausgeglichene und natürliche Kollegin (also diesmal eine andere) keift divenhaft ins Telefon: „ICH KANN SO NICHT ARBEITEN!!!“ Höh? verwirrt „Hier sitzt ne weiße Taube und beobachtet jeden meiner Handgriffe!“

Lachen Ahhh! Henriette ist wieder da.

Meine Kollegin wird handgreiflich und verscheucht das Tier (sie ist pragmatischer als ich). Einmal schaut Henriette noch bei mir vorbei, dann ist sie verschwunden. Ein bisschen schade finde ich das. Ich hätte sie gern gerettet (ich rette gern, zugegebenermaßen). Mal sehen, ob sie Montag wieder da ist. Sie ist mir doch ganz schön ans Herz gewachsen.
Vielleicht sollte ich Taubenfutter kaufen und ein Häuschen vor meinem Büro aufstellen? Augenzwinkern

Ich wünsche Euch allen ein schönes zweites Adventwochenende!

Fidelma

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