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Hjerkinns Gegendarstellung
Mit freundlicher Genehmigung von Gastautorin Birgitt 
Tja, da hatte ich wieder einmal Besuch. Ich liiieeebe Besuch, wenn er mir was Nettes mitbringt (vorzugsweise was zum Fressen) und mich ansonsten knuddelig findet und des weiteren in Ruhe lässt.
Aber diese Besucherin hatte anderes im Sinn. Birte heißt sie übrigens, hab ich gehört.
Also, mal vorweg, die Birte ist total nett! Echt!
Und sie hat mich auch viel gründlicher geputzt als meine Chefinnen. Dann aber ging’s los.
Satteln, Aufsitzen. Ah... bestimmt soll ich sie die kleine Runde durch den Wald tragen. So
wie Teddy damals. Das macht Spaß!
Runter vom Hof und da treffen wir mein Zweitfrauchen, Marion, die meinem Frauchen und mir immer was zu sagen hat. Die kommt auch zu Fuß mit. Also, DAS hätte mir schon zu denken geben sollen! Aber ich bin ja die Gutmütigkeit in Person. Latschen wir einfach mal los.
Bis zum Nachbarhof. Und da will die Birte doch auf den Hof abbiegen! :augenbrauen
"Wie, auf den Reitplatz? Arbeiten?"
"Birte, du weißt aber schon, dass es Mittag ist und ich eigentlich Pause habe (immerhin hab ich vier anstrengende Weidestunden hinter mir!)"
"Und heiß ist es auch! Viel ZU heiß! Und überhaupt werde ich NIE mittags geritten! Komm abends wieder, wenn's denn schon sein muss!" <schnaub>
"Nicht? Na, bild dir nicht ein, dass du mir was zu sagen hast! Ich latsch jetzt ein bisschen hier rum, weil ich ja ein netter Kerl bin, aber dann ist's auch gut!" - tapertapertaper
"He, lass mal die Nerverei mit den Beinen! Waaas? Du haust mich? Also gut... einen Schritt schneller... aber auch nur, weil ich nett bin... und auch nicht lange!" <schiel zu Marion> Marion geht zum Viereck und gibt Birte Kommandos.
"Ach du Sch**** ... jetzt mischt sich die Co-Chefin noch ein. Die meinen das ernst!"
„Ohoh..... Na gut, könnt ihr haben! phhhh" <ohrennachhintendreh>
“Also, Haltung annehmen, etwas fleißiger gehen (aber wirklich nur etwas...)
"Dann tu ich jetzt mal so, als würd ich arbeiten!"
„Ich kann ja auch mal ein bisschen durchstarten... vielleicht mag sie dann nicht mehr?“
gib Gas...
„Nee, nutzt nix.. Boah... sachma... kannste dich jetzt mal entscheiden, ob Schritt, Trab oder Galopp? Dieses ständige Rauf- und Runterschalten ist ja vollkommen nervig!“
„Und jetzt auch noch rückwärts? Du meinst wirklich RÜCKWÄRTS? Na, dann viel Vergnügen... aber ohne mich!“
Da mischt sich doch die Marion wieder ein. Mist aber auch. Also, na gut... ein bisschen rückwärts. Und nicht zu zügig, nur damit da mal kein Missverständnis aufkommt und die Birte meint, sie hätte gewonnen!“
Uff und dann hat sie doch die Nase voll! Grade rechtzeitig, bevor ich mich ernsthaft hätte anstrengen müssen! Sie ist dann abgestiegen, bisschen eigenwilligen Stil hat sie, sie legt sich neben das Pferd und springt nicht auf die Füße. Aber das muss ja jeder selber wissen, wie er das gern hat!
Und dann klettert mein Frauchen auch noch in den Sattel. hm... da muss ich mich wohl ein bisschen mehr zusammenreißen, denn schließlich kauft sie immer mein Futter. Machen wir also noch eine Dressuraufgabe durch und ich schiel so ein bisschen zur Birte rüber. „Gell, ich kann auch anders
Liebe Birte, nix für ungut, aber mich muss man sich verdienen! Ich bin schließlich ein Charakterpony!“
Beinah Dein Hjerkinn
Fidelma trainiert Kampfsport
Ich kann es sagen: ich habe meinen vierhufigen Meister gefunden! Sein Name ist Hjerkinn und er ist ein Norwegisches Fjordpferd.
Der Fidelmamann bekommt noch die Pimpanellen: er meint, wenn es um Pferde ginge, hätte ich jegliches Verhältnis zu Entfernungen verloren. So machte ich mich dann auch letzten Sonntag morgens in der Frühe auf ins Rheinland, nahm einen kilometerlangen Stau und ungefähr weitere 70km Umwegs wegen Umfahrung desselben auf mich, um mit Hjerkinn zu trainieren. Also so richtig sicher bin ich mir nicht mehr, wie es nun genau dazu kommen konnte, aber ich werde ihn in am 2. und 3. August in Grünberg beim Fjordpferdecup reiten. Ich weiß noch, dass es etwas mit Andrea und Kutsche und Gut Beningsfeld und dem Birgitt (Hjerkinns Besitzerin) zu tun hatte - und meinem ausgeschalteten Hirn in Kombination mit meinem vorschnellen Mundwerk. Sei's drum. Genannt ist genannt - zurückrudern gilt nicht! Ich habe einen Dressurreiterwettbewerb und eine E-Dressur gemeldet. Und das alles mit einem Pony, auf dem ich vor 1,5 Jahren mal ein paar Minuten saß und das ich, außer an diesem Sonntag, kein weiteres Mal werde reiten können. Mal wieder eine völlig irre Idee.
Freitags zuvor hatte mich zu Hause die liebe Nadine ihren Lillebror reiten lassen und so konnte sich mein Allerwertester nach einigen warmblütigen Monaten schon einmal etwas auf Pony einstellen.
Ich komme etwa eine Stunde nach der verabredeten Zeit an Hjerkinns Zuhause an (zum Glück gibt es Handys!) und erblicke die fleißige Birgitt beim Weideabäppeln. Nachdem ich mich zu ihr gesellt habe ertönt das laute Brummen eines Geländewagens und es folgt ein fleißiger Austausch freundlichen Gewinkes als die Fahrerin aussteigt. Dies sei, so teilt Birgitt mir mit, ihre liebe Reitlehrerin Marion, die gekommen sei, weil "sie sich das Schauspiel nicht entgehen lassen wolle". Spätestens in diesem Moment und bei dieser Aussage hätten bei mir alle Alarmglocken schrillen sollen. In einem Anfall meines üblichen Größenwahns ("Das wird schon...") und vorrübergehender Taubheit nehme ich diesen Satz aber nicht zu Kenntnis...
Wir holen's Pony, ratschen lange und ich mache ihn, der einfach nur knuddelig guckend am Band steht (Oh jaaa! Knuddelig gucken kann er wie kein Zweiter!) reitbereit. Hjerkinn ist bekannt für seine Blitzstarts, und auf eben jene hatte ich mich auch moralisch eingestellt. Auf alles andere nicht.
Im Viereck angekommen merke ich zunächst, dass er nicht wirklich vorwärts laufen möchte. "Och, nööö..." Ich fummel mich im Schrittschleich etwas ein und bekomme von Birgitt und Marion die Ansage "Übergänge, Übergänge und Übergänge" zu reiten. Zunächst testet Hjerkinn mich nur wenig - "Zirkel? Ach, neee..." - "Ecke ausreiten? - Phhhhh..." - "Flotter? - Pah!" Ich beginne zu schwitzen. Ganz leise reift in mir die Erkenntnis, dass wir vielleicht doch nicht wirklich ein Dreamteam auf Anhieb sind... Etwas unmotiviert trabt er auf mein Geheiß hin an. Meinen beiden zusehenden Damen gebe ich zwei Dinge mit: "Wundert Euch nicht über meinen Kopf, der wird immer rot - ich fall schon nicht vom Pferd!" - und - "Bitte sagt mir, was ich tun soll - Ihr kennt ihn und wisst am Besten, wie man ihn löst..." Sie grinsen nur.
Ich reite also die geheißenen Übergänge und Bögen - ich bekomme ihn zwar immer in die nächst höhere Gangart, aber irgendwie klappt es nicht wirklich. "Oh, Himmel" denke ich "Wie sollen wir nur ansatzweise korrekt durch eine Prüfung kommen? Das wird ja ein Desaster!"
"Mach Dir nix draus, der testet nur..." schallt es von den Frauen an der Bande "Das tut er immer! Liegt nicht an Dir..." *schluck*
Sehr schnell merke ich, dass ich in den letzten Monaten wohl gelernt habe, mich ansatzweise gerade auf einem Pferd zu halten, aber eines wirklich zu REITEN, davon bin ich meilenweit entfernt. Und plumps falle ich auch schon wieder in alte Bewegungsmuster. Goldsuchersyndrom, ich knicke rechts ein, trabe sogar auf dem falschen Fuß leicht... Zwei kleine Diskussionen über "Und was sagst Du, wenn ich mich erschrecke? Hm? Bekommste Angst?" beende ich mit einem klaren "Nein!" was das Pony mit einem deutlichen "Sch***e!" und eher gesteigerten Trotzreaktionen quittiert. Marion hält es nicht mehr an der Bande. Diesem Übel kann sie nicht tatenlos zusehen. Sie steht plötzlich in der Bahn und erteilt mir Anweisungen. Traben, Volte, angaloppieren, durchparieren, traben, Volte, abgaloppieren... usw. Irgendwann kommen wir zum Rückwärtsrichten. Und da geht es dann endgültig los.
Meine Hilfen stimmen einigermaßen, aber Hjerkinn sagt einfach nur "NEIN!" Ich sag "DOCH!" und dann geht es nur "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - NEIN!" Er legt die Ohren an und fletscht die Zähne. Hjerkinn ist sauer.
"Uiuiui!" meinen meine Zuschauerinnen "Heute mimt er aber heftigst den Clown." Mittlerweile sehen uns noch mehr entgeistert bis höhnisch blickende Menschen zu. Marion nimmt meine Gerte und damit die Sache in die Hand. Darauf war Hjerkinn nicht gefasst und er fügt sich widerwillig (äußerst widerwillig!) in sein Schiksal. "Wirklich," sagt sie "es liegt nicht an Dir, das tut er immer - nur nicht immer so heftig... Aber er testet IMMER!" Ich bekomme einen Mordsrespekt vor Birgitt und Madu und Marion. Außerdem frage ich mich, ob die das nur sagen, damit ich mich nicht allzu mies fühle?
Ich habe meinen Meister gefunden. Eindeutig. Dieses Pony ist eine echte Herausforderung. In den letzten vier Jahren und besonders den letzten Monaten bin ich viele Pferde geritten: solche, die sich ständig künstlich aufregten, welche, denen alles egal war, wenige echte Professoren, die nur dann mitmachten, wenn man selbst alles richtig machte, einige, die man erst überreden musste, Rennsemmeln und auch Selbstläufer. Aber so stur wie Hjerkinn, nein, das habe ich wirklich noch nicht erlebt! Selbst mein Scheckentier (und der war wirklich auch stur!) war ein Karussellpferd gegen ihn.
Dann liest Marion die erste Aufgabe vor. Oh je... Ooohhh jeee... Es ist nicht so, dass wir nicht durchkommen, aber schön geht anders. Zumindest bekomme ich ihn ansatzweise gepackt. Zum ersten Mal an diesem Tag. Aber er braucht nicht viel, um sich, und damit auch mich, wieder auszuhebeln.
Beim Galoppieren bekomme ich einen Krampf in beiden Waden. Aua.
Marion gönnt uns keine Pause, lässt sofort nach der Aufgabe Schenkel im Trab weichen (links kann ich das ja nichtmal vernünftig im Schritt, aber rechts klappt es so lala), wieder Volten, wieder Übergänge, einfache Hand- und Galoppwechsel. "Der kann das alles, aber man muss ihn erst überzeugen" ruft sie. Ach, echt? Irgendwann brüll ich nur noch aus dem letzten Loch pfeifend "Pause!" Hjerkinn hat kein nasses Haar! "Du wolltest doch gefordert werden..." grinst Birgitt.
Dann geht es in die zweite Aufgabe. Diese klappt deutlich besser und ich bekomme Hjerkinn etwas besser gepackt und er arbeitet sogar ansatzweise mit. Die Aufgabe an sich ist etwas höher in den Ansprüchen. Das scheint auch ihm zu gefallen. "Besser" sagen beide Frauen "...aber gut nicht" füge ich in Gedanken hinzu. Marion meint, blamieren werde ich mich nicht. Ein "Aber..." wabert unausgesprochen über dem Reitplatz. Wir wollen es gut sein lassen, beschließen wir, aber Birgitt soll noch ihre Aufgaben durchreiten. Und beim Absitzen passiert es dann: Platsch, da liegt die Birte auf dem Boden! Der Boden war irgendwie näher als sonst und urplötzlich da. Wie eine Schildkröte lieg ich auf dem Rücken. Während Hjerkinn, Birgitt und Marion gleichermaßen verdutzt auf mich herabsehen kugel ich mich im Sand über meine eigene Tollpatschigkeit.
Birgitt reitet ihre Aufgabe wirklich prima durch und wir beenden die Reiteinheit. Marion fährt nach Hause und auf dem Weg zum Stall fragt Birgitt mich besorgt, ob ich jetzt sehr frustriert und enttäuscht sei. Nein, bin ich nicht. Sie solle sich vorstellen, alles hätte wie am Schnürchen geklappt und Hjerkinn hätte mir erst in Grünberg gezeigt, was er von mir hält. Dann wäre ich ja erst Recht in Nöte gekommen. So weiß ich nun, was mich erwartet aber auch, dass ich ihn grundsätzlich gepackt bekomme. Gibt halt nur kein schönes Gereite und vermutlich viel zu lachen, wie Andrea schon angemerkt hat... Nach Durchsicht des Videos, das Birgitt von mir und Hjerkinn gedreht hat (nein, Ihr bekommt es nicht zu sehen - Ihr sehr es dann ja live) bin ich davon überzeugter denn je und habe meine Ansprüche gen Null geschraubt... Aber egal, dabei sein ist alles!
Auf dem Video ist übrigens auch zu sehen, dass Hjerkinn zu keiner Sekunde unter mir gelitten hat. Im Gegenteil: er lief ganz locker und flockig mit leicht schwingendem Schweif - er war wirklich einfach nur stur!
Birgitt und ich beendeten den frühen Nachmittag mit von ihr gebackenem, leckeren Apfelkuchen und amüsieren uns noch etwas über den Ponymann, der wieder wie der Unschuldsengel persönlich da steht. Ich lese Christophers (Birgitts Sohn, im Forum Sunnyboy1) letzten Eintrag. Er endet mit: "Hjerkinn ist ein stolzes Ross!" Wie Recht er doch hat! Stolz und eigensinnig. Und falls hier ein anderer Eindruck entstanden ist: Ich finde Hjerkinn einfach großartig!
Unverhofft kommt oft...
Dies wird ein kurzer Bericht....
Gestern abend hatte ich nach dreiwöchiger Pause endlich wieder einen Termin zur Reitstunde. Als ich auf die Autobahn auffuhr stand ich schon im dicken Stau und meldete vermutliche Zeitverzögerung.
Ich hatte richtig Lust auf harte Arbeit (wie selten! ) und fest vor, welchen Reitlehrer auch immer, darum zu bitten, vor dem Hintergrund meiner spontanen "Turnierplanung" auch Aufgaben reiten zu dürfen. Motivationsgrad 100 %
Aber wie das im Leben so ist, kommt es eben immer anders als man denkt.
Ich komme (dann doch nur mit leichter zeitlicher Verzögerung) in die Reithalle gelaufen, da schallt es mir auch schon vom Juniorchef entgegen: "Birte! Wir beide reiten heute aus!" Höh? Du und ich? Heute abend? Nur wir zwei?
Jo, alle anderen Reitschüler hatten wegen Sommerferieneinstiegsparty und Fußball (wahlweise) abgesagt.
Engelchen und Teufelchen bekriegen sich rechts und links auf meiner Schulter um die Wette: "Ne, Du sagst dem jetzt, dass Du zum Arbeiten gekommen bist!" und "Auuuusreiten! Traumhaft! Bei dem Wetter! Mach das blos!" Teufelchen gewinnt.
Ich übernehme eine Stute, die ich bisher noch nicht geritten bin und fummel mich schon einmal etwas ein. Normalerweise müssen die Schulpferde nicht direkt zwei Stunden nacheinander laufen, aber zum Rausreiten mache ich mir da keine Sorgen.
Ehrenfreude, so ihr klangvoller Name, sagt mir schon beim langsamen Kreiseln in der Halle (während der Reitlehrer sein Pferd sattelt), dass sie alleine sein richtig doof findet. Da muss sie jetzt durch.
"Warst Du schon einmal ausreiten?" fragt der Reitlehrer mich. "Naja, so zwei, drei Mal..." (... in der Woche! In den letzten vier Jahren bis Februar... )
Ehrenfreude klebt. Woah! Klebt das Pferd! Ich krieg sie nur zwei Mal mit Einsatz sämtlicher Überredungskünste dazu, neben dem Pferd des Reitlehrers zu laufen. "Muuuutige Stute, braaaav" Und dann wieder: "Bitte, reite nicht so dicht auf!" "Ja, was denkst Du denn, was ich hier versuche?!"
Und dann reiten wir durch ein wirklich traumhaftes Gelände. Das Wetter ist toll, es sind kaum Bremsen da, man hat einen fantastischen Blick, die Wege sind super zum Traben und Galoppieren. Man, hab ich einen Spaß.
Und ich bin in Redelaune. Mein armer, armer Reitlehrer. Dem müssen echt die Ohren geglüht haben.
Ich erzähle ihm von meinen "Turnierplänen" und frage ihn, was er davon hält (Viel! Und nein: ich würde mich nicht blamieren! ). Dann reden wir über meine Abzeichenidee und meine Angst vorm Springen. Er ist sich sicher, dass wir das auch in den Griff bekommen werden. Dressurmäßig sei ich jetzt schon so weit. Ein Bisschen erzähle ich über dieses Forum und von unseren Reiterspielen am Wochenende am Heimatstall, über Luftballons zerbeißende Mondrians (da dreht er sich um und macht und fragt "Wie bringt man nem Pferd denn sowas bei? ). Es ist einfach nur ein schöner, friedlicher Abend. Und um aufs Reiterliche zurück zu kommen: beim Galoppieren merke ich ganz schön, dass sich Reken doch bezahlt gemacht hat. Ich hatte nie das gefühl, wirkliche Schwierigkeiten draußen zu haben, aber das war gestern dann ein ganz deutlicher Unterschied: ich hab mich total ausbalanciert gefühlt. Auch als das Stütchen mal einen Schritt zur Seite machte. Das hat mir ein echtes Sicherheitsgefühl gegeben! Und im Herbst darf ich dann da an der "kleinen" Jagd teilnehmen.
So, das war es auch schon. Ich hoffe, es nächste Woche noch einmal zu schaffen, zum Unterricht zu fahren. Arbeits- und Urlaubsbedingt hat "Fidelma lernt reiten" ansonsten bis August Sendepause. Aber Ihr könnt ja in Grünberg gucken, was ich meine, wenn ich schreibe.
Liebe Grüße
Fidelma
Exkurs: Fidelma lernt Fahren
"Aua...", sag ich leise heute morgen, wärend der beste Mann von allen mich entgeistert ansieht und fragt "Was? Aua?" "Oberschenkel, bisschen Muskelkater..." murmel ich. "Du hast vom STEHEN Muskelkater?" lacht er... Das ist aber nicht nett, finde ich, ernte aber dann gleich liebevolle Blicke, die doch Verstehen signalisieren...
Komme ich aber zum Beginn der Geschichte.
Unverhofft kommt oft... So sagt man doch so schön. Und gegen jegliche Planungen mein Wochenende betreffend warf eine kurze Unterredung im Chat des Fordpferdeforums am späten Samstagabend alles durcheinander. Ich bin ja bekanntlich für nahezu jeden Mist zu haben und schäme mich auch seltenst, mich vor einer größeren Menge Menschen zum Affen zu machen. Sinngemäß verlief das virtuelle Gespräch so:
Fidelma (FM) zu den im Chatroom anwesenden Mitgliedern des Fjordpferde-Showteams (FST - bekannt z.B. durch die Equitana...): "Ihr tretet morgen wieder auf?"
FST: "Kommste?"
FM: "Hmmm..." ("Weiß noch nicht" signalisierend...)
FST: "Wann weißte das denn?"
FM: "Hmmm..."
Andrea: "Mir fehlt noch ein Beifahrer..."
FM: "Was muss ich denn da machen?"
FST: "Nett lächeln, knuddelig gucken und festhalten..."
Und so war sie geboren, die Idee... Fidelma wird Beifahrerin! Uhrzeit wurde abgesprochen, Kleiderordnung kurz gecheckt und ab ins Bett.
Am Sonntag wache ich recht früh auf und denke "Jeans? Hatten die bei der Equitana-Open-Air in Neuss nicht alle weiße Reithosen an? Das könnte ich doch auch... Mal gucken, ob die noch passt..." Ein kleines Bisschen aufgeregt bin ich doch, habe ich doch noch nie hinten auf einer Kutsche gestanden...
Der Fidelmamann kommt von der Nachtschicht heim und erblickt seine Frau in Schlafanzugoberteil, weißer Reithose und Stiefelsocken. Ein ganz tiefes Seufzen entfährt seinem Kopf und er fragt: "Was hast Du denn jetzt schon wieder vor?" Ich erzähle ihm begeistert von dem Plan, während er vor seinem inneren Auge Sandras nicht unspektakulär aussehende Aufgabe bei der Equitana vorbei ziehen sieht (ist ja sonst ihr Ding!). "Und das traust Du Dich?" "Klar!"
Für die Nichtreitende und Nichtfahrende Leserschaft: bei Sportkutschen (muss?) steht jemand zum Gewichts- und Balanceausgleich hinten drauf. Das sieht dann ungefähr so aus:
(Bild verlinkt von www.haflinger-online.de)
Ein kurzes Telefonat mit Andrea ließ mich dann aber doch wieder in meine Jeans hupfen.
Ich mache mich auf den Weg nach Bergisch Gladbach und wir treffen uns zur verabredeten Zeit auf Gut Beningsfeld zur Pferde- und Ponyshow. Leider ergaben widrigste Umstände, dass nur ein kleiner Teil des Showteams auch tatsächlich an der Veranstaltung teilnehmen konnte - quasi FST light. Ich konnte aber einen guten Eindruck davon bekommen, wie viel Spaß das in dieser Gruppe macht.
Die Ponies wurden fertig gemacht, ich putzte Fuzz (die mein Herz im Sturm eroberte) und Andrea gab mir einen kleinen Einblick in die Weihen des Anschirrens. Und dann ging es auch schon los. Da ich außer meinem Reithelm keine weitere Kopfbedeckung dabei habe, trage ich halt den.
"Beifahrern juckt es immer an der Nase, lass aber blos nicht los!" und "Stell Dich locker und leicht etwas in die Knie und lehn Dich in den Kurven leicht nach innen!" mit diesen Anweisungen bestückt stand ich also hinten auf "dem Bock". Es rumpelte ein Bisschen als Fuzz anzog, fühlte sich aber dann doch eher unspektakulär an. Antraben fand ich auch ok. Dann ging es in "die Arena"...
Bei der Einfahrt erblicke ich die liebe Birgitt und rufe ihr zu, ob sie einen Fotoapparat dabei habe. Birgitt macht  solche Augen, dann  so ein Gesicht und schließlich  als sie erkennt, dass ihre Augen sie nicht trügen. Eine Knipse hat sie leider nicht dabei. Andrea lässt Fuzz angaloppieren und ich finde das alles ganz großartig. "Cool!" entfleucht es meinem Mund! Ich habe einen Heidenspaß. Das ist ein Bisschen wie Skifahren, finde ich. Das hat ja einen richtigen Suchtfaktor! Von den Menschen, die uns zusehen bekomme ich wenig mit. Eigentlich nehme ich außer uns Dreien (also Fuzz, Andrea und mir) insgesamt wenig wahr. Ich hab einfach nur Spaß!  Schlangenlinien, Kurven, Tempo... Klasse!  Eine Pylone nehmen wir mit. "Fehler!" ruft Andrea, aber wir stehen ja vor keinem Gericht.
Und dann ist der Auftritt auch schon wieder vorbei. Schaaade... Ich hätte noch ewig so weiter machen können.
Zurück auf der Wiese beordert Andrea mich zu sich nach vorn. Sie erklärt, beim Fahren sei es so "Entweder man liebt es, oder..." Mir ist sofort klar, dass ich ab sofort zur "Ich liebe es-Fraktion" gehören werde. Mir werden die Leinen übergeben, deren Haltung genauso wie Lenkung, Bedeutung von Hilfen mit der Peitsche (Ersatz von Schenkel und Biegen des Pferdes - um Letzteres zu verstehen bin ich aber zu aufgeregt - sorry) und Treiben erklärt. Fuzz ist ein tolles Pony. Sie macht ganz fein mit. Ich darf sie sogar antraben. Und am Ende üben wir auch noch ein Kurzkehrt. Andrea meint, ich sei ein Naturtalent.
Für mich steht fest: das will ich aber mal richtig lernen. Ich weiß noch nicht wann, aber das "dass" steht fest. Inke, ich komme!
Wir verbringen noch einen sehr netten und lustigen Teil des Tages miteinander. Dankeschön, dass ich so einen netten "Gastauftritt" beim FST haben durfte!
Der einzige Wehrmutstropfen lag am Ende des Tages darin, dass ich drei geschlagene Stunden für den Heimweg gebraucht habe. Das war dann dadurch doch sehr anstrengend... Ich war gestern abend "platt wie Flunder".
So, nun muss ich aber mal wieder einen Reitstundentermin machen, damit ich hier zum eigentlichen Thema zurückkommen kann.
Wünsche Euch eine friedvolle Woche
Fidelma
Two in one: Lesson 12 + 13
Guten Morgähn zusammen!
Diese Woche habe ich aufgrund etlicher dienstlicher Verpflichtungen keinen Reitunterricht, aber ich bin Euch ja noch den Bericht der letzten Woche schuldig und bevor das zu weit weg rückt, will ich dem nun nachkommen...
Montag - zurück an die Leine
Für Montag in der Früh hatte ich mir mal wieder einen Termin zur Sitzkorrektur an der Longe geben lassen. Angekommen berieten wir uns, welches Pferd ich denn zu reiten gedenke und der gemeinsame Beschluss fiel wieder auf Amadeus, da bei diesem - ob seines Schwungs - meine Sitzprobleme besonders deutlich würden. "Wenn Du den sitzen kannst, kannste alle sitzen..." so der Kommentar der netten, lachenden Reitlehrerin... Mich deucht, dat is' auch so...
Gesagt, Pferd geholt, gereinigt, mal meine "Bandagierkünste" ausprobiert (ich olle Gamaschenfetischistin hatte das ja schon eeeewig nicht mehr gemacht... ), gelobt worden (war der Basispass vor zwei Jahren ja doch zu was nütze... ), gesattelt (heute krieg ich das Teil auch ohne fremde Hilfe auf den Elefanten ) und los...
Ich hatte mich auf Turnübungen a là Sassi eingestellt (bei denen ich schon gedanklich zu schwitzen begann... ), aber das Ganze lief dann mehr nach dem Motto "Gucken wir mal, wo es denn genau hakt" (also mehr Sitzanalyse, denn Sitzschulung) ab. Schritt, Trab, Galopp - freihändig - funktioniert.
Schwierig wurde es ab dem Moment, in dem ich anfangen sollte, mich auf dem Pferd in alle möglichen Richtungen zu drehen und in der Halle umzusehen. Ab einem gewissen Punkt war da die Balance nämlich wech. Aha? Aha! Selbige ging ebenfalls flöten, als Amadeus sich zwei Mal etwas erschreckte (nebenan in der neuen Halle wurden die Boxen eingebaut, was nur unter schwerem "Krach-Peng" von statten ging und insofern auch für ein Pferd an der Longe durchaus verzeihlich ist - war ja auch nicht schlimm) und er mir etwas unter meinem Hintern davon schoss. Träge Masse und so...
Genau in solchen Momenten und bei solchen Übungen sitz ich eindeutig nicht mehr "im" Pferd sondern wieder ganz stark auf meinen Oberschenkeln. Ich musste von vornherein das "Tragen von Zügeln mit wirklich geschlossener Faust" simulieren, was mir erst komisch vorkam, aber eine gute Übung war, weil ich das bekanntlich ja nicht wirklich kann. Insgesamt bekam ich während dieser Einheit die Aufgabe, viel selbst zu gucken (wo zieh ich wann die Schulter & Knie hoch, wann sitz ich schief, etc.) und mich selbst auch zu korrigieren. An Spiegeln mangelt es in dieser Reithalle ja wahrlich nicht... Die Analyse ergab: eigentlich bin ich im Becken locker, eigentlich auch im Fuß, aber meine Knie blockieren...! Und damit der Rest dann auch wieder. Das wird wohl noch eeewig dauern...
Amadeus ist ein echter Schisser... Triebig, aber schissig. Beim Trockenreiten weigerte er sich in Richtung neue Halle zu gehen (wie gesagt, an diesem Morgen auch für ein Nicht-Pferd wie mich nachzuvollziehen) und in der Waschbox machte er einen auf "Hengst" weil er ablaufendes Wasser für einen angreifenden Löwen hält... Mit fremdem (zur Erinnerung: großen!) Pferd an der Hand war ich nicht bereit, diese Aufgabe zu Ende zu bringen, auch wenn ich mich da hätte durchsetzen sollen, ich weiß. 
Fazit dieser Stunde: rechne ich knapp zweieinhalb Monate zurück, als ich zum ersten Mal auf ihm saß, und stelle nun einen Vergleich an sehe ich schon einen enormen Unterschied: damals wurde auf seinem Rücken ich hin- und hergeschleudert und musste mich unglücklich am "Maria-Hilf-Riemchen" festhalten. Heute kann ich ihn freihändig ohne nennenswerte Probleme in allen drei Gangarten sitzen... Ist doch was, oder?
Donnerstag - Konditionstraining
Für Donnerstag abend ließ ich mir dann gleich noch einen Termin für eine Reitstunde geben. Die späte Stunde gibt normalerweise der Junior-Chef und der ist ja eher - wie soll ich schreiben? - zarter im Umgang mit mir. Ich war sooo müde und es war sooo warm - ein klitzekleines Bisschen hatte ich mich zugegebenermaßen auf "durchmogeln" eingestellt. Einfach etwas Reiten... Zugeteilt bekam ich den süßen Lorenzo und stellte erfreut fest, dass jener einen neuen (naja, eigentlich alten, aber halt anderen) Sattel hat. Mit dem anderen hatte ich ja so große Schwierigkeiten - um das vorweg zu nehmen: ich glaube, das lag tatsächlich am Sattel! Lorenzo ist ein sooo witziges Pferd: immer freundlich, aber auch immer spitzbübisch. Der hat sowas ponyhaftes an sich (auch im Gesicht). Mag ich!
Lorenzo und ich fummeln uns also ein und harren des Reitlehrers. Der kommt dann auch - aber der Seniorchef! Kommt der in die Bahn - das weiß ich - heißt es arbeiten: aber richtig! Ohne wenn, aber und Entschuldigungen... In mir breitet sich ein leicht panisches Gefühl aus und nehme automatisch Haltung an... (bin ich echt eine erwachsene Frau? )
"Bist Du den schonmal geritten?"- "Ja!" - "Gut!" - "Na, Longe macht sich aber bezahlt, was?" - "Ja!" Er widmet sich einer anderen, zwanzig Jahre jüngeren Reiterin: "Du solltest auch mal an die Longe! Frag mal Birte..." Sechzehnjährige hören sowas, glaub ich, nicht sooo gern. "Meine Mädels mussten noch regelmäßig an die Longe, als die schon S geritten sind!" Glaub ich gern...
Mit mir sind drei Mädchen mit ihren Pferden in der Bahn. Er lässt uns eine (kurze) Weile durcheinander reiten, guckt, meckert hier, meckert da, lobt selten und bellt schließlich: "Abteilung bilden!"
Und dann geht es los! Und wie es losgeht!
Traben bis der Arzt kommt. Er lässt uns diverse Bahnfiguren reiten ("Ja, seid Ihr denn noch nie in Eurem Leben Abteilung geritten!!?" Doch, ich verrate Dir aber nicht wie oft, könnte peinlich werden, aber bei dem Blutrauschen in meinen Ohren höre ich Dich nicht, da kannste bellen, wie Du willst...) Wie in meiner ersten Stunde bei ihm müssen wir diverse Bahnfiguren nennen und korrekt reiten. Und korrekter. Und dann geht es seitwärts - und wieder klemmt es bei mir... Und wenn es klemmt, stelle ich das arme Wesen unter mir zu stark (also, man könnte es so nennen, aber eigentlich zieh ich ihm den Kopp nur nach innen... ) "BIRTEEEE! HIMMEL! WAS MACHST DU DENN DA???!" Ich werd ganz kleinlaut und gebe mein Bestes. Das ist ihm aber auch nur grad gut genug... Als nächstes steht Vorhandwendung auf dem Programm: Höhö! Klappt gut. "Ok, Hilfen stimmen, könnte noch etwas mehr auch wirklich auf der Vorhand bleiben, aber das passt schon." (Das war sowas wie ein Lob! *freu*)
Weiter geht es und jeder bekommt sein Fett weg (ähm, bildlich gesprochen kommt das auch hin...) denn : "DAS KANN JAWOHL NICHT SEIN, DASS HIER KEINER MAL LOCKER IN DER HÜFTE IST!!!"
Und dann wird geturnt. Zunächst: mit der rechten Hand an die linke Fußspitze. "Na, Birte, Arm zu kurz?" "Mann! Ich bin 'ne alte Frau!" ächze ich zurück, was ihn lachend macht. Und ich will schließlich keinen Köpper vom Ross machen... Und dann Turnübungen im Trab: Pferd vorn umarmen, dann nach hinten auf die Kruppe legen "BIRTE! DU HÄLST DICH JAWOHL NICHT AN DEN ZÜGELN FEST!!!?" Neee, ich hatte die nur noch in der Hand... *stöhn* Wie gut, dass wir so brave Pferde haben! Und wieder und wieder... Manchmal komme ich etwas in Seenot. Übrigens reite ich mittlerweile an der Tete (*stolzbin*) und es wird auf dem Mittelzirkel angaloppiert. Und galoppiert. Und galoppiert. Und galoppiert. "Und nun dreht sich jeder so, dass er seinem Pferd auf die Schweifrübe guckt! Ich krieg Euch schon locker!" Mittelzirkel ade! Nach einer gefühlten halben Stunde des Turnens im Galopp (also, fünf Minuten waren es bestimmt!) heißt es wieder durchparieren zum "TEEERAPP" und ganze Bahn, was ich mit erleichtertem Leichttraben gerne tu. Es folgt auf dem Fuße ein "SITZT DU WOHL AUS! (Ich fühl mich wie ein Hund: Sitz!) JETZT BEIß MAL NOCH FÜNF MINUTEN DIE ZÄHNE ZUSAMMMEN!!!"
Nach zwei weiteren Runden fragt er mich: "Birte, reitest Du im Moment nur hier?" "Ja" sag ich, "Gut, dann darfste jetzt leichttraben..." Uff! Hätten wir uns aber auch klemmen können, denn nach einer weiteren halben Runde heißt es aufmarschieren... Die Stunde ist um. Lorenzo und ich sind beide klitschnass.
Beim Trockenreiten spreche ich den Reitlehrer an (wer mir hier "fishing for compliments" unterstellt hat Recht ): "Duuuu, aber es ist doch besser geworden, oder? Ich mein, denk mal, vor zwei Monaten..." Der Reitlehrer erkennt natürlich seine Schweine am Galopp und grinst nur "Naja, Kondition haste bekommen, andere fallen ja nach drei Runden schon vom Pferd..."
Ich glaub, der mag mich.
Schön reiten geht anders, aber ich bin an dem Abend topfit!
Zu Hause angekommen berichte ich dem Fidelmamann, wie "hart der Reitlehrer mich rangenommen hat".
"Gib's zu" meint der beste Mann von allen "Du stehst drauf!"
Recht hat er! Es war wieder einmal 
Ich radel dann jetzt mal zur Arbeit (die Kondition will schließlich gepflegt werden ) und wünsche Euch einen schönen, sonnigen Tag!
Nächste Woche geht es wieder weiter.
Liebe Grüße
Fidelma
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