Two in one: Lesson 12 + 13
Guten Morgähn zusammen!
Diese Woche habe ich aufgrund etlicher dienstlicher Verpflichtungen keinen Reitunterricht, aber ich bin Euch ja noch den Bericht der letzten Woche schuldig und bevor das zu weit weg rückt, will ich dem nun nachkommen...
Montag - zurück an die Leine
Für Montag in der Früh hatte ich mir mal wieder einen Termin zur Sitzkorrektur an der Longe geben lassen. Angekommen berieten wir uns, welches Pferd ich denn zu reiten gedenke und der gemeinsame Beschluss fiel wieder auf Amadeus, da bei diesem - ob seines Schwungs - meine Sitzprobleme besonders deutlich würden. "Wenn Du den sitzen kannst, kannste alle sitzen..." so der Kommentar der netten, lachenden Reitlehrerin...
Mich deucht, dat is' auch so...
Gesagt, Pferd geholt, gereinigt, mal meine "Bandagierkünste" ausprobiert (ich olle Gamaschenfetischistin hatte das ja schon eeeewig nicht mehr gemacht...
), gelobt worden (war der Basispass vor zwei Jahren ja doch zu was nütze...
), gesattelt (heute krieg ich das Teil auch ohne fremde Hilfe auf den Elefanten
) und los...
Ich hatte mich auf Turnübungen a là Sassi eingestellt (bei denen ich schon gedanklich zu schwitzen begann...
), aber das Ganze lief dann mehr nach dem Motto "Gucken wir mal, wo es denn genau hakt" (also mehr Sitzanalyse, denn Sitzschulung) ab. Schritt, Trab, Galopp - freihändig - funktioniert.
Schwierig wurde es ab dem Moment, in dem ich anfangen sollte, mich auf dem Pferd in alle möglichen Richtungen zu drehen und in der Halle umzusehen. Ab einem gewissen Punkt war da die Balance nämlich wech. Aha? Aha! Selbige ging ebenfalls flöten, als Amadeus sich zwei Mal etwas erschreckte (nebenan in der neuen Halle wurden die Boxen eingebaut, was nur unter schwerem "Krach-Peng" von statten ging und insofern auch für ein Pferd an der Longe durchaus verzeihlich ist - war ja auch nicht schlimm) und er mir etwas unter meinem Hintern davon schoss. Träge Masse und so...
Genau in solchen Momenten und bei solchen Übungen sitz ich eindeutig nicht mehr "im" Pferd sondern wieder ganz stark auf meinen Oberschenkeln. Ich musste von vornherein das "Tragen von Zügeln mit wirklich geschlossener Faust" simulieren, was mir erst komisch vorkam, aber eine gute Übung war, weil ich das bekanntlich ja nicht wirklich kann. Insgesamt bekam ich während dieser Einheit die Aufgabe, viel selbst zu gucken (wo zieh ich wann die Schulter & Knie hoch, wann sitz ich schief, etc.) und mich selbst auch zu korrigieren. An Spiegeln mangelt es in dieser Reithalle ja wahrlich nicht... Die Analyse ergab: eigentlich bin ich im Becken locker, eigentlich auch im Fuß, aber meine Knie blockieren...! Und damit der Rest dann auch wieder. Das wird wohl noch eeewig dauern...
Amadeus ist ein echter Schisser... Triebig, aber schissig. Beim Trockenreiten weigerte er sich in Richtung neue Halle zu gehen (wie gesagt, an diesem Morgen auch für ein Nicht-Pferd wie mich nachzuvollziehen) und in der Waschbox machte er einen auf "Hengst" weil er ablaufendes Wasser für einen angreifenden Löwen hält... Mit fremdem (zur Erinnerung: großen!) Pferd an der Hand war ich nicht bereit, diese Aufgabe zu Ende zu bringen, auch wenn ich mich da hätte durchsetzen sollen, ich weiß. 
Fazit dieser Stunde: rechne ich knapp zweieinhalb Monate zurück, als ich zum ersten Mal auf ihm saß, und stelle nun einen Vergleich an sehe ich schon einen enormen Unterschied: damals wurde auf seinem Rücken ich hin- und hergeschleudert und musste mich unglücklich am "Maria-Hilf-Riemchen" festhalten. Heute kann ich ihn freihändig ohne nennenswerte Probleme in allen drei Gangarten sitzen... Ist doch was, oder?
Donnerstag - Konditionstraining
Für Donnerstag abend ließ ich mir dann gleich noch einen Termin für eine Reitstunde geben. Die späte Stunde gibt normalerweise der Junior-Chef und der ist ja eher - wie soll ich schreiben? - zarter im Umgang mit mir. Ich war sooo müde und es war sooo warm - ein klitzekleines Bisschen hatte ich mich zugegebenermaßen auf "durchmogeln" eingestellt. Einfach etwas Reiten... Zugeteilt bekam ich den süßen Lorenzo und stellte erfreut fest, dass jener einen neuen (naja, eigentlich alten, aber halt anderen) Sattel hat. Mit dem anderen hatte ich ja so große Schwierigkeiten - um das vorweg zu nehmen: ich glaube, das lag tatsächlich am Sattel! Lorenzo ist ein sooo witziges Pferd: immer freundlich, aber auch immer spitzbübisch. Der hat sowas ponyhaftes an sich (auch im Gesicht). Mag ich!
Lorenzo und ich fummeln uns also ein und harren des Reitlehrers. Der kommt dann auch - aber der Seniorchef!
Kommt der in die Bahn - das weiß ich - heißt es arbeiten: aber richtig! Ohne wenn, aber und Entschuldigungen... In mir breitet sich ein leicht panisches Gefühl aus und nehme automatisch Haltung an... (bin ich echt eine erwachsene Frau?
)
"Bist Du den schonmal geritten?"- "Ja!" - "Gut!" - "Na, Longe macht sich aber bezahlt, was?" - "Ja!"
Er widmet sich einer anderen, zwanzig Jahre jüngeren Reiterin: "Du solltest auch mal an die Longe! Frag mal Birte..." Sechzehnjährige hören sowas, glaub ich, nicht sooo gern.
"Meine Mädels mussten noch regelmäßig an die Longe, als die schon S geritten sind!" Glaub ich gern...
Mit mir sind drei Mädchen mit ihren Pferden in der Bahn. Er lässt uns eine (kurze) Weile durcheinander reiten, guckt, meckert hier, meckert da, lobt selten und bellt schließlich: "Abteilung bilden!"
Und dann geht es los! Und wie es losgeht!
Traben bis der Arzt kommt. Er lässt uns diverse Bahnfiguren reiten ("Ja, seid Ihr denn noch nie in Eurem Leben Abteilung geritten!!?" Doch, ich verrate Dir aber nicht wie oft, könnte peinlich werden, aber bei dem Blutrauschen in meinen Ohren höre ich Dich nicht, da kannste bellen, wie Du willst...) Wie in meiner ersten Stunde bei ihm müssen wir diverse Bahnfiguren nennen und korrekt reiten. Und korrekter. Und dann geht es seitwärts - und wieder klemmt es bei mir... Und wenn es klemmt, stelle ich das arme Wesen unter mir zu stark (also, man könnte es so nennen, aber eigentlich zieh ich ihm den Kopp nur nach innen...
) "BIRTEEEE! HIMMEL! WAS MACHST DU DENN DA???!" Ich werd ganz kleinlaut und gebe mein Bestes. Das ist ihm aber auch nur grad gut genug... Als nächstes steht Vorhandwendung auf dem Programm: Höhö! Klappt gut. "Ok, Hilfen stimmen, könnte noch etwas mehr auch wirklich auf der Vorhand bleiben, aber das passt schon." (Das war sowas wie ein Lob! *freu*)
Weiter geht es und jeder bekommt sein Fett weg (ähm, bildlich gesprochen kommt das auch hin...) denn
: "DAS KANN JAWOHL NICHT SEIN, DASS HIER KEINER MAL LOCKER IN DER HÜFTE IST!!!"
Und dann wird geturnt. Zunächst: mit der rechten Hand an die linke Fußspitze. "Na, Birte, Arm zu kurz?" "Mann! Ich bin 'ne alte Frau!" ächze ich zurück, was ihn lachend macht. Und ich will schließlich keinen Köpper vom Ross machen... Und dann Turnübungen im Trab: Pferd vorn umarmen, dann nach hinten auf die Kruppe legen "BIRTE! DU HÄLST DICH JAWOHL NICHT AN DEN ZÜGELN FEST!!!?" Neee, ich hatte die nur noch in der Hand... *stöhn* Wie gut, dass wir so brave Pferde haben! Und wieder und wieder... Manchmal komme ich etwas in Seenot. Übrigens reite ich mittlerweile an der Tete (*stolzbin*) und es wird auf dem Mittelzirkel angaloppiert. Und galoppiert. Und galoppiert. Und galoppiert. "Und nun dreht sich jeder so, dass er seinem Pferd auf die Schweifrübe guckt! Ich krieg Euch schon locker!" Mittelzirkel ade! Nach einer gefühlten halben Stunde des Turnens im Galopp (also, fünf Minuten waren es bestimmt!) heißt es wieder durchparieren zum "TEEERAPP" und ganze Bahn, was ich mit erleichtertem Leichttraben gerne tu. Es folgt auf dem Fuße ein
"SITZT DU WOHL AUS! (Ich fühl mich wie ein Hund: Sitz!) JETZT BEIß MAL NOCH FÜNF MINUTEN DIE ZÄHNE ZUSAMMMEN!!!"
Nach zwei weiteren Runden fragt er mich: "Birte, reitest Du im Moment nur hier?" "Ja" sag ich, "Gut, dann darfste jetzt leichttraben..." Uff! Hätten wir uns aber auch klemmen können, denn nach einer weiteren halben Runde heißt es aufmarschieren... Die Stunde ist um. Lorenzo und ich sind beide klitschnass.
Beim Trockenreiten spreche ich den Reitlehrer an (wer mir hier "fishing for compliments" unterstellt hat Recht
): "Duuuu, aber es ist doch besser geworden, oder? Ich mein, denk mal, vor zwei Monaten..." Der Reitlehrer erkennt natürlich seine Schweine am Galopp und grinst nur "Naja, Kondition haste bekommen, andere fallen ja nach drei Runden schon vom Pferd..."
Ich glaub, der mag mich.
Schön reiten geht anders, aber ich bin an dem Abend topfit!
Zu Hause angekommen berichte ich dem Fidelmamann, wie "hart der Reitlehrer mich rangenommen hat".
"Gib's zu" meint der beste Mann von allen "Du stehst drauf!"
Recht hat er! Es war wieder einmal 
Ich radel dann jetzt mal zur Arbeit (die Kondition will schließlich gepflegt werden
) und wünsche Euch einen schönen, sonnigen Tag!
Nächste Woche geht es wieder weiter.
Liebe Grüße
Fidelma