Du befindest dich in der Kategorie: Gekatztes Mittwoch, 27. Januar 2010
Katzentheater - ein Lustspiel in fünf Akten
Katzentheater - ein Lustspiel in fünf AktenPrologWie der Eine oder Andere vielleicht mitbekommen hat, ziehen wir um. Soll heißen: wir sind bereits umgezogen. In mein Elternhaus. Meine Mutter wohnt nun nur noch unten, wir haben umgebaut und bewohnen die obere Etage. Mein Mann, Moses und Emma (kätzischer Familienanhang) und naja, ich auch. Das Ganze ist (immer noch) ein sukkzessiver Prozess: seit Wochen wird die eine Wohung renoviert, es werden Möbel aufgebaut und in der anderen Wohnung abgebaut und entrümpelt. Nirgends mehr richtig zu Hause, überall Baustelle. Aber es wird... Neben dem Hauptspielplatz unseres eigenen Umzugs, haben wir natrlich noch ein nebenher laufendes kleines Lustspiel. Und hier die Protagonisten: Moses ...kam im Sommer 2001 als Winzling zu mir (Wegwerfprodukt, welches ich mit der Flasche grogezogen habe und heiß und innig liebe). Er entwickelte sich, nun ja, ich sag mal, im Rahmen seiner Möglichkeiten (also, man muss es so formulieren: Moses wurde dick, dumm, faul, gefräßig und hasste jegliches Fremde). Um Moses hatte ich immer etwas Angst: ihn irgendwann in die große Welt raus zu lassen? Der kommt ja kaum auf 60m² klar... Emma
... ebenfalls 2001 geboren, zog ein knappes Jahr - in welchem sie im Tierheim aufwuchs - nach Moses bei uns ein. Wir hatten immer das Gefühl, dass ihre Lebenssituation (Wohnungskatze zusammen mit dem liebenswerten aber tumben Moses) sie unterfordere: Emma ist hochsensibel, sehr intelligent, spielfreudig, aber leider sehr, sehr scheu (nur nicht meinem Mann gegenüber, den liebt sie wirklich sehr, ich bin akzeptiert). Für Emma wünschten wir uns immer "mehr". Mehr Freiheit, mehr Anreize, mehr Katzenabenteuer... Herta ... Baujahr 2002 - ist die Katze meiner Mutter: das unbedarfteste Katzentier, das ich jemals kennenlernen durfte... Herta ist freundlich, verschmust, aufgeschlossen. Eine Traumkatze. Aber andere Katzen? Die findet sie überflüssig. Herta lebt seit Mai letzten Jahres in diesem Haus. Und es ist ganz klar IHR Haus, IHR Klo, IHR Kratzbaum, IHR Garten... Au weia... Was DAS wohl geben wird? Unsere Theorie: Emma, als durch und durch sozial orientierte Katze (was andere Katzen angeht) und Herta werden sich sicherlich schnell vertragen und mögen. Herta ist ja eher devot veranlagt und Emma auch. Das sollte passen. Herta und Moses? Au weh... Unser Kater, der in seinem Leben noch keine andere Katze auer Emma sah und mit der das nur so gut klappt, weil Emma eben Emma ist...? Unsere sollen ja nun auch oben leben und Herta weiter unten. Oder haben wir am Ende drei Katzen und meine Mutter keine? Oder meine Mutter drei und wir nicht mehr? Oder wird eine der Katzen (insbesondere Herta) sofort das Weite suchen und beschließen, zu einem netten Nachbarn umzuziehen? Fragen über Fragen, von der wir wussten: nur die Zeit kann sie beantworten. 1. Akt - Der Umzug Der Tag des Katzenumzugs brach an, als die alte Wohnung mehr Baustelle war, als die neue. Wenn auch diese noch nicht komplett fertig gestellt war. Wir wussten, dass auch nachfolgende Weiterbaumanahmen mit großem Getöse die Katzen stressen wrde, aber das wäre in der alten Wohnung nicht anders gewesen. Vor zweieinhalb Wochen war es so weit. An einem Sonntagabend wurden Moses und Emma eingetütet und aus den vertrauten 60m² gerissen, die ihnen ihr Leben lang als Heim dienten. Unter großem Geschrei und Geheule... Und ausdrücklichem Protest!Angekommen im neuen Heim bleibt Emma in ihrem Kennel hocken. Und hocken. Und hocken. Erst weint sie noch, dann wird es still. Rauskommen mag sie nicht. Moses hingegen streckt nach fünf Minuten die Nase raus und macht die ersten mutigen Schritte. Geduckt, aber neugierig. Na sowas... Nach gefühlten sieben Stunden witscht auch Emma raus. Und sofort ab hinter die Couch, die wir vorausahnend ein Stückchen vorgezogen hatten. Wir setzen uns drauf und machen - Normalität simulierend - den Fernseher an. Moses findet das Katzenfutter und das Klo und - yippieh - den Kratzbaum, den er ordentlich einweiht. Es wird Zeit ins Bett zu gehen. Moses kommt mit. Emma bleibt hinter der Couch.2. Akt - Die ersten Tage, die erste Begegnung Moses ist sowas von neugierig. Wir sind ganz baff. Schon am nächsten Tag duckt er sich nur noch selten. Er agiert nach dem Motto "Wo Ihr seid, kann es nicht so schlimm sein..." Sind wir weg, verkriecht er sich. Emma bleibt weiterhin hinter der Couch. In den frühen Morgenstunden der ersten Nacht hören wir sie fressen und das Klo nutzen. Wir atmen auf. Ansonsten bleibt es wie gehabt. Manchmal wimmert sie etwas. Wir haben Mitleid. Herta tut so, als sei gar nichts. Sie heuchelt absolutes Desinteresse an den Vorgängen im oberen Stockwerk. Nur manchmal guckt sie leise um die Ecke. Am Abend scheuche ich Emma beherzt hinter der Couch hervor. Ich muss jene wieder an die Wand schieben, die Kisten schleppen sich so schlecht durch den Raum, wenn man ständig gegen den Tisch rennt. Emma beschließt, die Deckung fürs Erste aufzugeben und untersucht - wie Moses - auch in unserem Beisein die neuen Gegebenheiten. Sie findet es doof hier. Wir haben ihr ein neues kleines Rückzugsrefugium im Schlafzimmer hingestellt. Nachdem sie es entdeckt hat, nimmt sie es dankbar an. Fressen und Klo sind ok, ansonsten bleibt sie dort. Herta beschließt, doch mal gucken zu gehen und in einem unbeobachteten Moment schleicht sie in unser Schlafzimmer ... und trifft auf Moses, der friedlich vor sich hin döst. Herta angesichtig, reagiert er panisch: Ja, nun, woher soll er DAS denn bitte wissen? Moses versteckt sich ganz schnell unter der Bettdecke... Und Herta guckt mich an und meint: "Wo kommt DER denn her? Was war DAS denn?" Und zieht entspannt wieder von dannen... In der Nacht hören wir ein infernalisches Katzengebrüll aus dem Hausflur. Alle Zweibeiner stehen senkrecht in ihren Betten und sind blitzschnell vor Ort. Es sind Emma und Herta, die sich auf der Treppe unfassbar anzicken. Richtiger Weiberterror. Emma fitscht wieder nach oben und Herta zu meiner Mutter. Seither ist für Emma klar: "Da geh ich nicht mehr hin!" und Herta setzt keinen Fuß mehr in unsere Wohung. Ok, DAS hatten wir uns anders vorgestellt, aber immerhin ist es geklärt. Und Herta scheint zum ersten Mal in ihrem Leben das Hochgefühl von "Isch bin der Cheeeef!!!" zu erleben. Allerdings fragt sie auch: "Sag mal, ist da oben ein Nest? Wo kommen die denn alle her? Sind da NOCH mehr? Herrjeee... Ich hatte ein wunderbares Leben als Einzelkatze und nun DAS..." Am nächsten Tag ist Herta ein paar Stunden verschwunden und wir machen uns ernsthafte Sorgen um sie. Aber sie kommt wieder, alles gut! Ich liege am Folgetag in der Wanne und lese Leyhausens "Katzenseele".
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