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Dienstag, 10. Februar 2009
Fidelma lernt Reiten - Staffel II
Von Birtes Viechblog, 12:14

Nachdem bekannt wurde, dass Fidi wieder eine lange Zeit nicht reitbar sein werde, machte ich mir Gedanken, wie und ob ich weiter reiten wollen will. Die Entscheidung dort nachzufragen, wo ich die letzten guten Erfahrungen gemacht hatte, lag nahe. Man muss sich diesen Stall nicht als klassische Reitschule vorstellen. Es ist ein eher kleiner Stall mit einigen Einstallern. Die Stallbesitzerin erteilt auf Anfrage Unterricht auf ihren eigenen Pferden und Ponys oder Leuten, die mit eigenen Pferden kommen. Ich rief sie an und sie war recht bestürzt ob Fidis Diagnose und bot mir eine ihrer beiden Stuten an: "Das könnte passen..." meinte sie. Wir vereinbarten einen Termin für vergangenen Samstag. Und nun geht es also los mit:

Fidelma lernt Reiten - Staffel II
Episode I: Reiten mit Herz und Verstand - aber mit ohne viel Hand

Am Samstagmorgen war ich - wie immer, wenn etwas Neues ansteht - ganz schön aufgeregt. Wir hatten zehn Uhr vereinbart, mir war aber im Nachgang nicht mehr ganz klar, ob zehn Uhr auf dem Pferd oder am Stall... Also fuhr ich einfach mal ne halbe Stunde eher hin - und holte die Dame dann leider vom Frühstückstisch weg (naja, die Hunde sahen mich und machten freudigen Rabatz). Ich wollte gern ne wache Reitlehrerin haben und schickte sie zurück zu ihrem Kaffee - sie verriet mir, wo das Tier, das sie mir anvertrauen möchte, sich befindet und wo ich das passende Putzzeug dazu finde. Kein Problem.
An der Box angekommen war mir ein Pferdepo zugedreht, der mich erstmal erschreckte: da fehlte was, aber gewaltig! Der Schweif - komplette Rübe... ab! geschockt Nur drei Haare auf einem kleinen Stumpf. Oh weh... Armes Pferd. geschockt
Ich sprach das Tier - Penny ihr Name - an, sie drehte sich zu mir um und ich blickte in ein hellwaches, wunderschön ausdruckstarkes Pferdegesicht. Hat dieses Pferd schöne Augen... *schmilz*
Meine dritte Wahrnehmung war dann: Dreck! Ach, herrje... Ich bin verwöhnt: abgesehen vom Schecken waren alle "meiner" Pferde in den letzten beiden Jahren (teil-) geschoren und / oder eingedeckt. Dieses nicht. Penny ist nicht klein, sogar noch einen Ticken größer als Fidi, eigentlich ein klassisches braunes Warmblut, sieht aber aktuell mehr aus wie ein verkappter Isländer auf Heimaturlaub. Was für ein Winterfell! Und wenn man meiner These "Ein schmutziges Pferd ist ein glückliches Pferd..." folgen mag, dann war Penny extrem glücklich! Zum Glück war die Schlammkruste trocken... Augenbrauen

Peny ist angebunden freundlich, ein Bisschen stutig, war etwas beleidigt, dass in meiner Tasche doch kein Keks steckte ("Aber Du hast das gesagt und es riecht auch so..." "Ich weiß, tut mir leid, da war auch einer drin, aber nun nicht mehr, hab ich vergessen, sorry...") und artig. Irgendwann kommt ein netter Mann herein, der sich als der Gatte der RL vorstellt (auch sehr nett) und fragt, ob er schon mal den Sattel holen solle? Gerne, danke. Seine Frau käme sofort. Alles mit der Ruhe...

Ich mache Penny also reitfertig und weil mir Dreieckszügel mitgeliefert wurden mach ich die auch gleich mal dran, natürlich ohne festschnallen.

Die Reitlehrerin kommt zeitgleich mit Fidis Besitzerin und wir machen uns zu viert auf in die Halle. Stehen bleiben beim Aufsitzen ist nicht so Pennys Stärke, aber kaum sitze ich oben fühle ich mich pudelwohl. Kennt Ihr den Effekt: man setzt sich auf ein wildfremdes Pferd und alles in einem sagt: Jo, alles klar. Keine weiteren Fragen. Danke.

Ich reite am langen Zügel ne ganze Weile an, fummel mich ein und die RL erzählt mir etwas übers Pferd: erfolgreich gesprungen sei sie, bis MB. Dreizehn wäre sie und hätte fast ebenso viele Besitzer gehabt... traurig Seit einem Jahr gehöre sie ihr und beim ersten Ritt hätte sie zunächst nur auf zwei Beinen gestanden. Penny hätte fürchterliche Angst vor einer harten Hand gehabt. Es hätte sehr lange gedauert, bis sie wieder Vertrauen gefasst habe. Noch ein: Oh weh, armes Pferd... Weinen Noch immer habe sie Angst, wenn jemand mit zu viel Hand reite und außerdem Probleme bei der Längsbiegung. Nicht, dass sie es nicht kann, aber sie tut sich schwer. Grundsätzlich muss sie aber ursprünglich mal eine sehr gute Grundausbildung genossen haben, da sie heute sehr fein zu reiten sei.

Wie mir denn der Sattel passe (ein neuer Sommer Dressur-Sattel)? Hm, ich gebe zu, dass ich finde, dass er mich durch den hohen Hinterzwiesel sehr nach vorne setzt und insgesamt etwas klein für mein ausladendes Hinterteil sei... Wenn ich mich bewusst in den tiefsten Punkt setze, dann flutschen meine Knie über die Pauschen. Wir werden sehen: das Tier habe auch noch einen guten V/S-Sattel. Sie prophezeit mir, dass dieser Sattel jedoch klar bei mir bewirken werde, dass ich in den Hüftbeugern offener werde. Genau da werde ich Muskelkater bekommen. Heute kann ich sagen: Autsch, sie hatte Recht. Augenzwinkern

Ich komme zwar zum Treiben, aber Penny reagiert viel mehr auf meinen Hintern. Die Ausbinder werden ganz lang (erstes Loch... weil sie bei Unsicherheit zum Kopfhochreißen neige) verschnallt und auf Geheiß hin traben wir an. "Spann mal nur Bauch- und Gesäßmuskeln an..." Und das Hotte trabt... geschockt Wir traben und traben und traben und ich werde geheißen darauf zu achten, wann sie mir unter dem Hintern wegläuft (auch dazu neigt die Stute) - sie hat ganz schön viel Go! Ich soll weicher einsitzen, viel weicher, noch weicher... Und "Sie hat sehr viel Schwung, das wirst Du ja schon bemerkt haben, dadurch bist Du beim Einsitzen nicht weich, du "tackst" auch noch einmal nach... Merkst Du das? Dann wird sie immer schneller..." verwirrt Also, DAS hat mir noch nie einer gesagt. Ich solle mich mal darauf konzentrieren. Und auf einmal merke ich das: es stimmt! Einsitzen - hopshops - aufstehen - einsitzen - hopshops - aufstehen... Nicht einen Trabtritt zu viel, sondern in der Bewegung... DAS ist mir echt noch nie aufgefallen und es hat auch noch nie einer gesagt. Was ich einerseits an Rückenspannung zu viel habe, habe ich hier zu wenig. Und zwar genau in jenem Augenblick. Feintuning. Ich bekomme die Bügel noch ein Stück kürzer geschnallt und soll versuchen, mein Gewicht wirklich mal auf den Fußballen zu bekommen. Und weiter leichttraben. "Sehr schön läuft sie, guck mal wie zufrieden sie rumsabbert, lob sie, sie taucht so schön ab!"

Und immer wieder: Hand weg! Ganz vorsichtig sein, ganz weich. Ich versuche umzusetzen, was sie mir bei Fidi gesagt hatte: meine Hände mal auf Breite meines Körpers zu halten, mich im Oberkörper zu strecken und locker die Schulter fallen lassen - also mal ganz raus aus meiner gewohnten (leicht verkrampften) Haltung - und ich ... fall fast vom Pferd! Hu! Das einfach ein neues Körpergefühl. Ich verlier dadurch fast die Balance. Nun denn... Was jahrelang drin ist, kriegt man nicht in ein paar Minuten raus.

Ich soll Übergänge reiten und Penny reagiert wirklich auf jedes kleine Zucken meiner Pomuskeln. Leider auch, wenn ich nur versuche, mich wieder zurecht zu setzen. Lachen *flüster* Was passiert denn, wenn ich mal pupsen muss? *flüster*

Ich soll die Zügel mehr aufnehmen, denn Stellung und Biegung lässt sich nunmal nicht gänzlich ohne reiten und "...jetzt reit mal an der nächsten langen Seite ein Schulterherein!"

Äh...

Also, wir haben schonmal festgestellt, dass ich das nicht kann. Also nicht richtig. Ich hab Probleme damit, meine Hüfte unabhängig von meinem Oberkörper zu drehen. Ok, das sparen wir uns für später mal auf. Dann Schenkelweichen. "Reite aus der nächsten Ecke kehrt und dann lass mal den Schenkel weichen." Es ist wie verhext! Ich schaffe es nicht! Rechts geht es einigermaßen, aber links: no way! Wieder die alte "ich verdreh mich"-Geschichte. Auch daran müssen wir arbeiten...

Dann geht es ans "Halt" - ich lobe Penny und bekomme dafür eins auf die Mütze. "Was möchtest Du, wenn Du Dein Pferd halten lässt?" "Äh, das es steht?" (ich meine damit gleichmäßig) Die RL lacht Lachen und meint, nun ja, das sei schon das vordringliche Ziel, aber WIE es denn stehen solle...? "An den Hilfen...?" "Genau! Und deswegen lobst Du mit der Stimme und schmeißt nicht die Zügel weg..." Ich solle versuchen, sie ein paar Schritte rückwärts zu richten. Auch das gelingt mir eher mau. Das ist doch verrückt: ich reit sowas ja nun alles wahrlich nicht zum ersten Mal, aber ich krieg es hier kaum hin. Und ich kann noch nicht sagen, was anders ist. Das Pferd ist schließlich nicht anders ausgebildet, noch nach irgendeiner Guru-Hupp-Methode geritten. Verkrampft? Zu hart? Verspannt? Verkopft? Ich weiß es nicht... "Atme tief in den Bauch!"

Zum Abschluss traben wir wieder und ich soll wie beim letzten Mal in den leichten Sitz gehen und federn. Und hier werde ich (Engel ) richtig gelobt! "JETZT sitzt Du wunderbar ausbalanciert..." Yeah! Freak "Jaaaa.. Richtig so...!"

Ich reite lange trocken und bin zufrieden. Penny auch. Sie ist total entspannt und wird auf den Paddock entlassen, auf dem sie sich erst einmal wieder ordentlich einsult. Lachen

Fidis Besitzerin hat sich das alles genau angesehen und meinte nachher zu mir: von DER (und ich glaube sie meinte sowohl Stute als auch RL Augenzwinkern ) wirst Du eine ganze Menge lernen. Hier biste erstmal gut aufgehoben!

Das Gefühl habe ich auch. Nächsten Samstag um zehn geht es weiter. Dann lasse ich meine RL aber ihren Kaffee genüsslich austrinken. großes Grinsen

Liebe Grüße

Fidelma

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