Freud und Leid und Hoffnung
Hallo zusammen,
nach dem erfreulichen Erlebnis vom letzten Samstag gibt es nun Trauriges zu vermelden. Aber der Reihe nach:
Zuerst der Stand von Mittwoch:
Sie lahmte schon wieder.
Nicht nur Eiern, sondern jetzt echt grenzwertiges Lahmen. Wieder hinten rechts, bzw. in der Diagonalen scheint sich das auch nach vorne links durchzuziehen...
Ich hatte sie noch nicht gesehen weil ich auf Dienstreise war, aber sie ist am Sonntag wohl wie von der Biene gestochen an der Longe rumgesprungen und war Montag Abend in der Stunde erst leicht lahm und lief sich ein (das kennen wir ja). Am Dienstag Abend war es dann wohl sehr schlimm. Dienstag hatte sie Führpause. Ihre Besitzerin wollte versuchen, noch in dieser Woche einen Termin in der Klinik zu bekommen. Fünf Monate rumdoktorn mit TA vor Ort, x-Mal Osteo und Physio... Fünf Monate auf und ab. Mir war echt nicht klar, dass wir schon so lange ein "Trio" sind.
Gestern war ich da und stellte sie in den Kondi-Trainer. Weiter leichtes lahmen vorn. Meiner Meinung nach links...
Heute waren wir in der Klinik. Hier das Ergebnis:
1. Fidi hat vorne rechts eine Fehlstellung - d.h. der Huf ist an der äußeren Seite (also ich meine die rechte Trachte) höher als an der Innenseite. Sie rollt beim Auffußen von außen nach innen ab. Dies bereitete dem TA sofort Sorgen und er hoffte, dass dies eine neuere Entwicklung sei, damit die Sehnen (noch nicht) gelitten hätten. Kann durch entsprechenden Beschlag behoben werden. Beugeprobe war positiv.
2. Beugeprobe hinten rechts ebenfalls positiv. Röntgen des Sprunggelenkes: Spat in Reinform. Sprunggelenk ist aber noch im Prozess des Verknöcherns.
Beugeprobe hinten links unauffällig, wurde aber gleich mitgeröngt: auch hier Spat, aber schon vollkommen verknöchert. Das heißt, die mittlere Gelenkspalte ist gar nicht mehr auf dem Röntgenbild zu erkennen.
Auch hier kann mit entsprechendem orthopädischen Beschlag und ausreichender Bewegung geholfen werden. Die Rückengeschichte war wohl eher eine Folge der Arthrose. Irgendwie setzt sich das alles wie ein Puzzel zusammen (der Unfall im Sommer trug sicherlich noch etwas dazu bei, aber da hätten wir noch bis zum St. Nimmerleinstag physiotherapieren lassen können... So lange der Prozess im Laufen ist hätte sich abgesehen von dem, das sich verändert hat, nichts am Gangbild geändert).
3. Am Ende dann eine Horrordiagnose: nach Leitungsanästhesie vorne rechts auf allen vier Ebenen (nach Plätten der ersten drei lahmte sie immer noch), Abstasten und Schallen: Einriss des Fesselträgers...
Allerdings meint der TA, dass sie da noch massives Glück gehabt hat (das Bein war ja nicht einmal dick!): die Sehne sei noch zu 90- 95% belastbar.
Die Prognose geht nun in alle Richtungen:
Spat sollte man bei ergriffenen Maßnahmen in den Griff bekommen. Er sagt, dieser Befund sei für ein vierzehnjähriges Pferd insgesamt sehr ungewöhnlich. Das sei normalerweise eher bei vierjährigen Pferden so und fünfjährig abgeschlossen. Sollte sich binnen zwei Jahre nichts ändern, erst dann müsse man über eine Berentung nachdenken. Von einer OP rät er ab.
Die Sehne... Der Riss ist neu und wahrscheinlich am Sonntag beim Rumspringen an der Longe entstanden. Da der Schaden aber vergleichsweise klein sei, besteht keine allzu große Sorge. Natürlich kann dies ihr Schwachpunkt werden. Es kann aber nach der Rekonvaleszens sein, dass sie sogar wieder "sporttauglich" werde (trotz und mit vernünftig be- und gehandeltem Spat). Aber das muss man sehen. Wir sollen auf mittelhartem Boden Schritt führen oder Schritt reiten (ab sofort) - aber eben kontrolliert. Paddock oder Schrittmaschine, in denen man sie nicht unter Kontrolle habe - ein falscher Sprung und die Sehne reißt weiter ein oder ab! - fallen flach. Und das für mindestens drei bis sechs Monate!
Es ist also wieder Geduld gefragt. Dass sie derzeit so schlank ist (gewogen haben wir dann auch gleich noch: 547kg bei 1,67m Stock) sei eher gut für ihre derzeitige Situation. Deswegen werde ich auch nur führen! Erstmal... In den nächsten Tagen und bei Bedarf bekommt sie Equi.
Nächstes Schallen ist in acht Wochen. Sollte sich nichts am Fesselträger gebessert haben, soll über eine neue Eigenplasma-Behandlung nachgedacht werden, von der ich schon gehört habe (wurde mit Erfolg bei dem Pferd einer lieben Bekannten durchgeführt).
So, das isses also. Ich bleibe / werde also (wieder...) Führ- Putz- und Tüddelbeteiligung. *seufz* Das eingesparte Geld werde ich bei der RL, bei der ich am Samstag diese tolle Reitstunde hatte, in Reitunterricht auf deren Pferden investieren. So plane ich das jetzt jedenfalls - ich muss noch mit ihr sprechen...
Im ersten Moment waren Fidis Besitzerin und ich wirklich sehr geschockt und haben auch ein paar Tränen verdrückt. Wir haben dann den heutigen Abend gemeinsam chinesisch essend in ihrem Wohnzimmer nett verbracht und nun geht es uns beiden besser: wir denken, wir bekommen das hin! Außerdem haben wir endlich einen richtigen Ansatzpunkt.
Tja, so liegen Freud und Leid in wenigen Tagen ganz dicht beieinander. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf!
Und wenn mich mal der Mut verlässt (und das wird er sicher zwischendurch), dann brauche ich Euren Zuspruch...
Liebe Grüße
Fidelma