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Sonntag, 25. Januar 2009
Eine besondere Reitstunde...
Von Birtes Viechblog, 11:09

oder: Ich bin der König der Welt...!

Hallo zusammen,

seit Beginn dieses Jahres (ja, ich denke, man kann es jetzt so formulieren) sitze ich ja nun wieder mehr oder weniger regelmäßig auf Fidis Rücken. Allerdings hatte ich bisher erst eine richtige Reitstunde, in der sich die Reitlehrerin aber recht zufrieden zeigte… „Viiieeel besser als im Sommer…“ lobte sie mich. In dieser Stunde hieß sie mich, Volte, Übergang, Volte, Übergang, Volte, Übergang zu reiten und immer wieder "Stell sie mehr durch! Sei nicht so zaghaft!" Ich war nicht unzufrieden, aber überrascht, sagte sie doch so wenig zu meinem Sitz, zu meinen Händen, zu meinen Beinen (ich kenne meine Baustellen, schaffe es aber irgendwie nicht, sie zu bearbeiten)...

Gestern bekam ich dann eine Reitstunde der besonderen Art geschenkt. Um halb zehn solle ich in Reitsachen am Stall sein, wir fahren weg. Dies teilte mir Fidis Besitzerin mit. Aha? verwirrt großes Grinsen Ich wusste, dass sie an jenem Morgen selbst einen Gutschein für eine Reitstunde bei einer Reitlehrerin, die nach Sally Swift ("Reiten aus der Körpermitte" - Centered Riding) unterrichtet, einlösen wollte (hatte sie selbst geschenkt bekommen). Eins und eins zusammen gezählt ergab für mich: ich soll auch? geschockt

Der Stall ist sehr nah an Fidis Stall gelegen, genau zwischen meinem Heimatstall und dem neuen. Ich kannte ihn etwas, weil mein altes Stütchen Diana vor zwei Jahren in der "Kyrill-hat-das-Stalldach-abgedeckt-und-das-muss-nun-repariert-werden-Zeit"
kurzfristig dorthin evakuiert war. Mit Fidis Besitzerin und einer gemeinsamen Bekannten waren wir schon einmal zum Unterrichtgucken da, aber ehrlich gesagt ist mir davon lediglich "Es war saukalt" und "winzige Halle" in Erinnerung geblieben. War also damals nicht besonders eindrücklich.

Gestern dafür umso mehr. Wir machten's Pferd fertig, luden auf, fuhren los und Fidis Besitzerin teilte mir mit, ihr Geburtstagsgeschenk für mich sei ebenfalls eine Reitstunde bei dieser Dame. Danke! Kiss Sie wollten gemeinsam sehen, ob ich sie auf Fidi bekäme (ihre Besitzerin sollte zuerst), oder ob ich eines der Schulpferde reiten solle. Ich war gespannt.

Angekommen fand Fidi natürlich alles erst einmal super spannend. Beim Abladen habe ich mich kringelig gelacht: ein augenscheinlich älteres Pony stand zusammen mit einem großen Wallach auf dem angrenzenden Paddock und glotzte. Alle Pferde guckten neugierig, aber dieses Pony glotzte. Habt Ihr das schon einmal beobachtet, wenn so ältere Herren, eindeutig im Ruhestand, neben arbeitenden Menschen stehen (z.B. gerne an kleineren Baustellen) und denen ganz genau auf die Finger gucken, keinen Pieps sagen, aber enervierend dabei sind? So glotzte das Pony. Konnte es nicht richtig gucken, wechselte es die Position und glotzte mit kugelrunden Augen weiter. Lachen Der große Wallach hingegen musste demonstrieren, dass er doch (im Geiste) ein Hengst sei und legte bannich Imponiergehabe an den Tag. "Eine Stuuuuuute! Und sie ist rossig! Sie her, was für ein toller Hecht ich bin!"Lachen

Die Reithalle ist wirklich klein (keine 20x40) und zu allen Seiten so abgeschlossen, dass keiner rein- und niemand rausgucken kann. Auch kein Pferd nicht. Das fand Fidi nun nicht mehr nur noch spannend. Sie wurde sehr spannig und ich war froh, dass ihre Besitzerin und nicht ich mich auf ihren Rücken setzen sollte. Die Reitlehrerin stellte sich vor und als sehr sympathisch heraus. Sie erzählte, grad aus Bayern von einem Seminar eines Stecken-Schülers zurück zu sein. Eine ganze lange Weile beobachtete sie Fidi und stellte dann eine erste "Diagnose": Fidi sei, wie bei Dressurreitern leider oft üblich, direkt am Anfang schon zu eng geritten geschockt (und dabei finde ich gerade, dass ihre Besitzerin mit sehr feiner Hand reitet und eigentlich nie zu eng - also relativ zu dem, was ich da sonst so im Stall immer sehe) und dann Doppel- geschockt geschockt - sie habe einen deutlichen Taktfehler im Schritt. Auch hier wurde wieder Heuschmann zitiert (ist irgendwie grad en vogue, oder? Ist ja auch richtig, aber man hört es wirklich an allen Ecken und Enden - allerdings kam es hier alles, nur nicht "nachgeplappert" rüber). Sie übte mit Fidis Besitzerin einige Dinge zum Thema Atmung, An- und Entspannung und nach nur wenigen Runden fragte sie: "Und? Merkt ihr's?" Allerdings - es war wirklich ein deutlicher Unterschied im Schritt zu sehen. Der war nämlich auf einmal wirklich schreitender! geschockt Dann ging es an die Trabarbeit - generelle Ziele wurden vereinbart (reiten mit viel feineren Hilfen) und schwubsdibubs hatten Fidi und ihre Reiterin es raus, nur auf ein leichtes Anspannen von Bauch- und Rückenmuskulatur hin anzutraben. DAS will ich auch können! Fidi entspannte total und lief ganz, ganz locker in Dehnungshaltung, aber schön schwingend und vor allem sich selbst komplett tragend! Erinnert ihr Euch: vor einigen Monaten war dies nicht möglich. Die Kraft hat sie also aufgebaut, nur gezeigt hat sie es noch nie so deutlich! Ich freute mich wie Bolle! Die RL lobte sehr und meinte dann aber, es sei Zeit, aufzuhören. Ich sei an der Reihe...

Öhm...
Ich wollte das so zufriedene Pferd eigentlich nicht weiter belasten, man soll doch immer aufhören, wenn... Nun denn. Die RL wollte mich jedenfalls auf ihr reiten sehen.

Wieder beobachtete und fragte sie. Ich erzählte ein wenig über mich und meine "Reitkarriere" während ich mich einfummelte. Ihre Diagnose betraf dann auch diesmal weniger das Pferd, denn mich. Zuerst einmal bekam ich die Bügel ein Loch kürzer geschnallt. Und dann, nun ja, sie benannte meine Baustellen (sind halt immer die Gleichen und jeder, der halbwegs gucken kann, sieht das auch auf den ersten Blick) aber diesmal bekam ich echt hilfreiche Bilder, um daran arbeiten zu können. Stückchen für Stückchen arbeiteten wir an den verschiedenen Dingen, um sie nach und nach zusammen zu fügen (natürlich sind sie jetzt nicht weg, aber ich habe eine Idee!). Ich wurde von meinen Bögen geholt (keine Bögen? ),
da ich das Pferd dort aktuell nur störe... Eine Sache, die mir besonders wichtig wurde war der Satz, dass ich nicht gegen meinen eigenen Körper reiten solle, sondern mit ihm und auch mit seinen "Unzulänglichkeiten". Ich wurde also aus meiner Form, in die ich mich gerne presse, heraus geholt - DAS fiel mir ganz schön schwer, gab aber ein echtes Aha-Erlebnis ! Und dann stellte sie fest: "Du reitest viel zu sehr mit Deinem Kreuz!" Höh? Zu viel Kreuz? Entspannung war angesagt, loslassen im Rücken, gerade so viel Spannung, um aufgerichtet zu sein. Und siehe da: auf einmal merkte ich etwas, was mir völlig verloren gegangen war - Ich saß wieder! Ich spürte meine Sitzhöcker deutlich - und ich glaube nicht, dass das (nur) an den paar verlorenen Pfunden lag... Eine Übung, die mir aus Reken wohl vertraut war, war dann das Traben im leichten Sitz (Fidi war völlig verwirrt verwirrt ), um den Schwung mal wirklich nur nach unten rauszulassen. Auch beim Leichttraben würde ich mich nur mit dem Kreuz hochziehen und dabei viel zu hart und angestrengt sein. Um einmal zu fühlen, wie es sich richtig anfühlt, wenn das Gewicht auf den Füßen - und zwar nur dort - sei, spielten wir "Titanic". Nein, nicht das Sinken, sondern diese Szene in der Leo mit Kate am Schiffsbug... Ach, seht selbst:


Ich bin der König der Welt...!


Auch ne sehr, sehr gute Balance-Übung. Ich bin echt froh, dass Fidi so ein liebes Tier ist... Lachen Kiss

Und nach alldem, da klappte das auch plötzlich (meistens jedenfalls pfeif ) mit dem Antraben durch Muskelanspannung und: ich hatte NICHTS mehr in der Hand. Einfach nur ein locker, flockig zufrieden trabendes Tier. Eine Gerte (Sporen trage ich ob meiner unruhigen Beine eh nicht) brauchte ich an diesem Tag nicht. "Lob sie, lob sie, lob sie!"

Fidis Besitzerin sagte, es wäre so interessant gewesen zu sehen, wie eirig Fidi anfangs unter mir lief und wie entspannt und locker sie wurde, desto mehr ich entspannte. Dies war eine sehr wertvolle Erfahrung! Da waren wir nicht zum letzten Mal!

Fidis Besitzerin und die RL verließen die Halle, um ein paar Dinge zu klären und ich blieb allein mit Fidi zurück (hatte schon abgesessen, um noch ein paar Runden zu führen). Das gefiel Madame aber gar nicht! "Hilfeeee!" wieherte sie "Ich bin alleine in diesem Kasten!!!" Na, vielen Dank auch. Ich vertraue ihr echt, sie mir anscheinend aber nur auf "eigenem Grund und Boden"

Macht nix... Wir haben Zeit! Für alles... großes Grinsen

Ich bin wirklich dankbar, eine Pferd-Besitzerin-Kombination gefunden zu haben, die mir ein solches Lernen ermöglichen. Küsschen

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag!

Die Fidelma

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