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Donnerstag, 26. Juni 2008
Geschäftsidee
Von Birtes Viechblog, 08:55

oder: Grünberg und seine Folgen

Wie vielleicht der eine oder andere geneigte Leser oder Leserin mitbekommen hat, habe ich - nach Andreas und vor allem Sandalins Intervention (ich darf nämlich Hjerkinn reiten Kiss ) - beschlossen, in Grünberg etwas zu nennen. Logistische wie organisatorische Dinge waren problemlos und schnell geklärt. Alles gar kein Ding. Schwierig wurde es dann gestern als es an die Frage ging: "Was zieh ich denn an?" geschockt

In mein Reitsakko bin ich immer noch nicht hineingeschrumpft und werde das wohl auch in sechs Wochen nicht sein (auch nicht mit Atkins und co). Gut, dann leih ich mir eben eins... Sollte ja nicht so schwierig sein. Denkt man.

Nun habe ich mir auf der EOA ein paar neue Chaps (schöne, mit Dressurbogen, sogar LPO-tauglich!) gekauft - in braun... Und weil das natürlich schöner aussieht gleich am nächsten Tag in meinem kleinen Lieblingsreitsportladen um die Ecke (gehört einer Freundin) ein paar braune Stiefelletten dazu. Die alten schwarzen sind zwar noch vorhanden, aber deutlich... puhh... abgenutzt. Und hier beginnt nun das Problem...

Braun befußt, weiß behost und schwarze Oberbekleidung? Nääää....
Frau ist ja Ästhetin.

Brauche ich ein braunes Sakko, brauche ich auch einen braunen Helm. Oder ich leih ein Sakko (geliehen gibt es die nur in schwarz) und besorge mir ein schwarzes Fuß- und Beinkleid? Was mag wohl billiger sein?

Diese Frage hatte ich bereits mit meiner Reitsportladenfreundin bekrakelt, ohne dass wir auf ein nennenswertes Ergebnis gekommen wären (wie auch immer: sie hätte mir alles eh nur bestellen können, vorrätig hatte sie nix für mich). Also machte ich mich gestern nachmittag auf ins andere Reitsportgeschäft der Stadt, wo ich schon seit ich "Pferd" sagen konnte, Dinge für meinen reiterlichen Bedarf erstand.

Nun habe ich, wie einige es ja schon bemerkt haben werden, ein tendenziell barockes Figürchen. Rubens hätte seine Freude und Wonne an mir gehabt. Auch meine Waden machen jedem Fußballer Konkurrenz. Konfektionsgröße 46. Das ist halt so, man muss es sich nicht schön reden. Ich stehe zu jedem Pfund (auch wenn ich manchem keine Träne nachweinen würde).

Nun trug ich mein Anliegen und meinen inneren Konflikt im Reitsportgeschäft vor. Man riet mir, ohne auf die Stiefelfrage einzugehen, sofort zum Sakko. Ein braunes von Pikeur ward aus der Unmenge selbiger gezückt und mit einem sehr (!) abschätzigen Blick wurde ich gefragt: 46? (sie hat nicht gesagt: "Naja..." aber sie hat es gedacht und ich habe es gesehen!) Ich solle mal anprobieren, wobei mir schon des Teils angesichtig klar war: da passe ich im Leben nicht rein! War dann auch so: zugekriegt habe ich es: aber ich sah aus wie eine Presswurst. Das geht so nicht! Außerdem war es so schrecklich kurz! Ich bekomme einen seeehr missbilligenden Blick und mir wird gesagt, man könne es mir eine Nummer größer bestellen, dann müsste ich jedoch einen Übergrößenzusschlag zahlen. Ich frag, wie hoch der denn sei und mache bei der Antwort. Ich frage nach braunen Reithelmen, aber da hat man nur den von Kavalkade oder sehr ähnlich geschnittene, die ich optisch wunderschön finde, die aber mehr auf meinem Dickkopf tronen, denn sitzen. Damit seh ich aus wie Calimero. Ich frage nach den Leihgebühren für ein Sakko (10 Euro) und fahre von dannen. Ich bin sauer. Ich kann ja gut damit leben, dass ich nicht Normalmaß bin und auch damit, wenn Menschen mir das sagen. Aber es kommt eben auf das berühmte "Wie" an.

Ich fahre in das Geschäft meiner Freundin und beklage mich bitterlich, ob der Art meiner Behandlung bei der Konkurrenz. Sie - Konfektionsgröße 36 - zeigt mir ihre eigene neue Errungenschaft: ein Pikeur-Sakko, Größe 40 - und bei dem bekommt sie die Knöpfe grad mal so zu. Und wehe, irgendwer hier sagt mir jetzt, die Größen bei Cavallo und Pikeur entsprechen deutscher Standardkonfektion. Den hau ich!

Wir überlegen weiter und wälzen Kataloge und der Entschluss fiel, doch noch einmal eben nach Loesdau zu fahren. Dass das auch dort mit nem Sakko nix wird, war mir klar, aber ich dachte, ich versuche es mal mit Stiefelschäften und Stiefelletten.

Bei Loesdau ist man extrem nett und bemüht. Respekt Nur: auch an meiner Wade will nichts passen. Entweder die Weite stimmt, aber dann ist alles so lang, dass ich die Knie nicht mehr beugen kann oder aber an meiner Fessel so weit, dass es aussieht, als trage ich Pumphosen, statt Stiefelschächten oder Chaps. Das einzige was passt, ist der extrem teure Cavallo-Lederstiefel. Wenn ich den kaufe, können mein Mann und ich aber nicht mehr in Urlaub fahren. Da setze ich dann doch lieber Prioritäten.

Auf dem Heimweg frage ich mich, ob ich nun gefrustet, traurig, ab sofort hungernd oder kreativ sein soll...

Ich entscheide mich für Letzteres. Die Idee ist geboren: Man sollte ein Geschäft (mit Internetshop, klar!) für die mollige Freizeitreiterin eröffnen!
Ich habe ja einen schönen Beruf, aber wenn sich wer berufen fühlt, ich stehe gern als Modell zur Verfügung! Augenbrauen

Im Übrigen bringe ich meine alten Stiefelletten heute zum Schuster, lasse da mal neue Absätze drunter machen und sie wieder ordentlich schwarz einfärben, wiener die alten festen Chaps (nicht LPO-tauglich, aber das macht ja nix, weil ich ja nur nach WBO starte) auf Hochglanz und leih mir ein Sakko bei meiner Freundin. Fertig ist die Wurst. Ende.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag und reiche allen Leidensgenossinnen einen Schokoriegel. großes Grinsen

Winken

Die Fidelma

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