Lesson 11: Rock me Amadeus
Hallo zusammen!
Also, erst einmal vorweg: Soap? SOAP?!!? Ich sitze hier und schreibe den Schweiße meines Angesichts nieder und Ihr bezeichnet das dann als SOAP? Pah!
Allen anderen, denen mein Schweiß und der Bericht darüber ein Quell der Inspiration und Motivation und Freude ist, gilt mein ausdrücklicher Dank! 
Am Donnerstag war es wieder so weit: nach drei pferdelosen Tagen fuhr ich in meine Reitschule - und freute mich einfach. Ich hatte totale Lust auf Reitunterricht!
Angekommen musste ich aber feststellen, dass mein Name nicht auf "der Liste" steht und ich wurde etwas indigniert angesehen: "Wo warst Du denn gestern?" Gestern? Gestern hatte ich doch erst angerufen, dass ich heute käme...?
Ein Missverständnis.
Spontan wurde ich gefragt: "Amadeus?" Klar, sage ich, auf Amadeus saß ich ja bereits an der Longe. Siedend heiß kommt mir in den Sinn, dass er ja der Riesenreitelch ist. Meine Höhenangst macht leise "Mucks"...
Ich holte mir also Amadeus, putzte ihn mit leichten Schwierigkeiten (ich komme echt schlecht an seinen Widerrist), will satteln und: Oh!
Ich hab echte Probleme... Ich bekomm den Sattel nicht vernünftig aufs Tier. Ein paar Meter weiter sehe ich einen groß-schlaksigen Teenie-Burschen sitzen, den ich schon mehrfach (gut!) auf Amadeus habe sitzen sehen und bitte ihn um Hilfe. Er ist dabei wirklich hilfsbereit, aber ein Bisschen macht er schon diesen da:
Die nächste große Hürde stellt dann das Aufsitzen dar - da komm ich never ever so rauf - da kann ich Gymnastik machen, wie ich will. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ne Nummer zu hoch für mich. Ich finde den Aufstieghocker und krabbel auf den Reitelefanten. Nach gründlichem Sammeln und Sortieren und Nachgurten - bei dem ich wieder Hilfe brauche, da ein noch weiteres nach unten Beugen den direkten Flug in die Tiefe mit sich gebracht hätte (warum hat ausgerechnet dieses Tier einen Kurzgurt? An mir ist einfach alles 15cm zu kurz geraten...) - danach also stakst Amadeus auf meine Ansage hin los. Wie ein Storch im Froschteich...
In der nächsten Ecke bleibt er interessiert nach draußen staunend stehen. Amadeus? AMADEUUUS? Hallo, wach? Hier ist ein Mensch auf Deinem Rücken und der möchte, dass Du läufst? "Hm?" fragt er mit halbem Ohr "Ach so, jaja..." und stakst weiter. Das ist noch nichtmal ein Schleichschritt und ich ahne, dass Amadeus doch ein etwas triebigerer Kandidat ist... Ich nehme mir eine Gerte, denn meine Beine mag das Tier zunächst konsequent ignorieren.
Der Reitlehrer kommt und beguckt sich, wie es seine Art ist, was ich da so treibe - das kann schon im Wortsinn genommen werden, denn ich schwitz wie Bolle. "Birte, Amadeus ist ein gutes Lehrpferd für Dich: er kann ziemlich viel und das auch ziemlich gut, aaaber: er ist sehr faul. Du musst Dich vom ersten Augenblick an bei ihm durchsetzen und Dir Respekt verschaffen, sonst hast Du verloren..." Ach, echt?
Wir traben auf sein Geheiß hin an und sofort - Ha! Ich wusste es, ich wusste einfach, dass ich nicht mehr lotrecht sitzen würde, nachdem ich in Reken vier Tage mit geneigten Oberkörper geritten bin! Hmpf! - "Richte Dich mal was auf!!!" Aber: meine Hände sind ruhig - sie hopsen nicht mit rauf und runter im Rhythmus des Leichttrabens - sie bleiben wo sie sind und sein sollen. Juchhee!
Amadeus ist gefühlte zwölf Meter lang und hat den entsprechenden Schwung, aber ich freue mich zu merken, dass ich dennoch nicht (nur) haltlos durch die Gegend geschleudert werde. Auch der gute Kieffer bereitet mir diesmal keine Probleme. Wie in Reken spricht der Reitlehrer: "Federn, federn, federn! Immer den Schwung schön nach unten raus lassen und den treibenden Effekt nutzen." Ich versuche es... Und beim Seitenblick in den Spiegel sieht es so aus, als wenn mir das sogar bisweilen gelänge.
"Fühl Dich ein, probiere, was Richtig für Dich und dieses Pferd ist! Na guck, er läuft doch..." Leider verlässt meine Kondition mich immer wieder recht schnell.
Die erste Anfrage nach "Galopp?" beantwortet Amadeus mit einem gelangweilten "Nur, wenn es wirklich sein muss..." Meine Schenkel nimmt er nur marginal wahr, aber er springt an.
Für die Konstellation "Birte und Amadeus" scheint die Frage: "Reagieren wir auf den Schenkel oder nicht?" (zusammen mit der großen Preisfrage: Kann Birte ihre Beine auch ruhig halten?) im Vordergrund zu stehen. Also übe ich es im Schritt seitwärts und reite sonst viele Übergänge. Irgendwann habe ich das Gefühl, zumindest die Basisknöpfchen alle ansatzweise korrekt bedienen zu können und reite "Halt - Trab - Halt - Trab - Halt". Geht ganz gut.
Nicht perfekt natürlich, aber es geht. Im Aussitzen verliere ich mächtig an Körperspannung, aber irgendwie muss ich irgendwo mit dem Schwung hin... "Nach unten federn...!" Ja, doch - und nicht die Beine wie eine Stoffpuppe durch die Gegend schleudern... Um mich zu entspannen fange ich an, leise vor mich her zu singen: "Amadeus, Amadeus..." Hätte ich 1985 mehr auf meinen damaligen Reitlehrer, denn auf österreichische Popikonen gehört, es würde mir in jenem Moment einiges deutlich leichter fallen. "Come on, rock me Amadeus..."
Und dann ist die Stunde plötzlich wieder vorbei. Amadeus und ich sind beide gut geschwitzt. Ich betüddel ihn noch etwas und mache mich auf den Heimweg. Für diesen Tag war ich zufrieden.
Am Montag lasse ich mich dann mal wieder an die Longe nehmen.
Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag!
Seid lieb gegrüßt
Fidelma