Rückschläge...
Hallo zusammen,
der erste Teil meiner anstrengenden Reitwoche (ich hab Urlaub und beschlossen, diesen möglichst auf dem Pferd zu verbringen) liegt hiner mir und es wird Zeit für einen neuen Bericht.
Vorab: ich hab Frust...
Wieso schleichen sich alte Fehler, kaum werd ich allein aufs Pferd losgelassen in so rasantem Tempo wieder ein? 
Aber beginne ich von vorn...
Montag...
Am Montag (das gehört zwar eigentlich nicht wirklich in die "Fidelma lernt Reiten-Serie", aber ich nehm es dennoch mal mit hinein) war ich eingeladen, meine alte Reitbeteiligung Percy mal wieder zu reiten. Percy hatte ich vor gut 1,5 Jahren zu Gunsten meines Scheckenponies abgegeben. Er stand an einem anderen Stall und drei Pferde in RB (damals ritt ich Diana ja auch noch) waren mir zu viel. Außerdem war ich mit ihm (er war sechs und hatte noch allerhand Flausen im Kopf) komplett überfordert. Seine Besitzerin und ich pflegen nach wie vor einen guten Kontakt. Also, langer Rede kurzer Sinn: ich sollte mal sehen, wie sehr er sich verändert hatte.
Das tat ich und muss zugeben, dass ich ihn - verglichen mit damals - wirklich klasse fand. Man merkte ihm an, dass er mittlerweile ordentlich geritten ist. Ich hatte allerdings schon beim Reiten irre Schwierigkeiten, zu sitzen. Seine Besitzerin sprach mich an und meinte: "Sag mal, kann es sein, dass der neue Sattel zu klein für Dich ist...?" Ja. Und wie... Beim Leichttraben rutschte ich mit den Knien immer wieder über die Pausche (aua!) und ich kam nur selten richtig zum Sitzen. Beim Betrachten der Bilder war ich dann total entsetzt:

Stuhlsitz!
Mein Kopf!
Mein Bein!

Und meine Hände!!!
Dennoch hatte ich am Ende ein zufrieden abschnaubendes Tier unter mir... Wenigstens. Percy Besitzerin meinte nur lapidar: "Mit Deinem Reiten war ich doch immer zufrieden, aber was sagste zum Pferd???"
Dienstag...
Am Dienstag fuhr ich dann in der Früh wieder ins Münsterland in meine Reitschule. Dort angekommen teilte man mir "Lorenzo" zu. Lorenzo ist wunderschön! Als ich mir im letzten Sommer den Stall angesehen hatte war er das Pferd, das mir als erstes ins Auge gefallen war: obwohl nicht sooo groß (meine Relationen ändern sich wieder, seit ich fast nur noch auf Warmblütern sitze
) ist er doch ein propper Kerlchen. Ein ziemlicher Muskelprotz mit Lausejungengesicht in dunkler Kohlfuchsjacke ohne irgendwelche Abzeichen. *schmilz* Ich hatte ihn schon unterm Sattel gesehen und damit auch wahrgenommen, dass er ein gutes Pferd ist.
Und ihn durfte ich also reiten.
Ich freute mich - Lorenzo fand's doof: er lag nämlich noch in seiner Box und machte auch nach deren Öffnen nicht das leiseste Anzeichen, aufzustehen. Ich sprach leise mit ihm, er linste mich müde an und ich beschloss, erst einmal das ganze Reitzeugs zu holen. Zurück lag das müde Tier noch immer. Auch als ich ihm das Halfter (gaaaanz vorsichtig, nicht erschrecken!) anzog -> Lorenzo lag... Komisch! 
Lorenzo macht einen gaaanz tiefen Pferdeseufzer ("Och nöööööö!") und vergräbt den behalfterten Kopf unterm Heu. Darunter seh ich ihn selbiges mümmeln. Das doch nicht normal für ein Pferd! Der muss krank sein!
Ich rufe die nächstbeste Stallfrau und sie spricht ein ernstes Wort mit dem Pferd: langsam, etwas knatschig steht er auf und folgt mir aus der Box. Der hatte einfach wirklich keine Lust!
Lorenzo ist das erste "unartige" Pferd am Stall (relativ gesehen, alle anderen stehen am Strick ja wie Statuen): einmal aus der Box heraus isser nämlich ganz schön munter: er zuppelt hier an mir herum, fragt, ob er mich nicht doch zur Seite schieben kann (Nein!!!) zeigt mir die schönsten Putzstellen mit einem woooohligen Pferdegesicht und hingehaltenen Körperstellen ("Daaaa! Jaaaa! Daaaaa!") und will eigentlich auf den Arm und nur schmusen: so ein alter Charmebolzen. *schmilz*
Irgendwann landen wir dann auch in der Halle. Ihn zu reiten ist für mich wirklich nicht leicht, obwohl er leichtrittig ist. Ich komme wieder hinten und vorne mit seinem Dressursattel nicht klar. Ich stelle mir die Bügel länger und kürzer und länger und kürzer und länger und kürzer. Ich rutsch nach hinten und vorne, zur Seite und zurück: ich finde keine ordentliche Sitzposition. Dieser Sattel ist nicht zu klein für dicke Fidelmapopos, aber das Sattelblatt ist für lange Beine gemacht - und die hab ich definitiv nicht. Lorenzo verkriecht sich hinterm Zügel und ich werde (zu Recht!) angemosert, zu dolle in selbigen zu hängen. "Deine Hände! Du wirkst die ganze Zeit nur rückwärts ein!!!" *seufz* Ich merke es, krieg es aber nicht abgestellt. Was ich auch tu, ich mache das arme Pferd, das mehr piaffiert als trabt, nur hibbelig. So ein Mist. Lorenzo entzieht sich pfiffig, indem er sich aufrollt. Was soll er auch anders tun?
Heute will es einfach nicht funktionieren.
Mein Lieblingsreitlehrer unterrichtet grad an der Longe und wirft mir leicht missbilligende Blicke zu. Die Reitlehrerin vom Pferde aus, versucht, mic zu korrigieren. Alles ohne Erfolg.
Mich deucht, Lorenzo werde ich nicht so schnell wieder reiten dürfen...
Mittwoch...
Gestern kam meine alte Reitlehrerin mit mir zur Reitstunde ins Münsterland. Sie wollte sich dort nach Verkaufspferden umsehen und gleichzeitg mal nach meinen Fortschritten gucken. Viel zu bieten hatte ich ihr heute leider auch nicht...
Mir wird wieder mein Wechsel fliegendes Stütchen Atlanta zugeteilt. Da ich Atlanta wirklich mag, freue ich mich. Nach ausgiebiger Pferdehygiene schwinge ich mich in den Sattel und die Stallcheffrau meint nach ein paar Runden: "Mensch, Birte, die Atlanta steht Dir aber gut!" Finde ich irgendwie auch. Obwohl sie so ein kleines und relativ zartes Mäuschen ist. Ich solle nur die Zügel etwas mehr aufnehmen und meine Hände zu Fäusten geschlossen halten (warum fällt mir das plötzlich so schwer?
)
Was mich total irritiert ist, dass plötzlich alle Reitlehrer aus der Bahn verschwunden sind... Höh?
Ich bin alleine - die ganze Stunde lang.
Also, drei Lehrer sind zu zwei zu viel, aber keiner ist einer zu wenig...
Dennoch finde ich das nicht schlimm, denn nach dem gestrigen Debakel möchte ich ganz gern für mich ein paar Dinge ausprobieren und mich mal wieder voll auf meinen Sitz konzentrieren. Bei Atlante komme ich zum Sitzen: das merke ich, denn meine "Sitzhöcker" und der Sattel wünschen sich immer wieder einen guten Tag. Dennoch bekomme ich Atlanta nicht ansatzweise so geritten, wie beim letzten Mal. Sie läuft fleißig und brav... auf der Vorhand. Beim in den Spiegel gucken habe ich immer das Gefühl, alles ist ok, nachfolgende Fotos belegen etwas anderes:

(im Galopp - die Hände
)

(mal ohne Bügel - wo weht das Bein denn hin?)

(ganz kurz vor Schluss - ich bin total geschafft und habe keine Kraft mehr - langer Zügel, leichttraben - wenigstens schnaubt sie)
Meine "alte" Reitlehreri sieht mir etwas unglücklich zu. Sie kann natürlich nicht ganz an sich halten und zischt mir das eine oder andere zu. Langes Bein - laaaanges Bein - hochgezogene Ferse bringt Pferd auf den Kopf - wie auch meine runter hängende Rübe. Von ihr bekomme ich die Hausaufgabe, täglich zu Hause "Hacke -Spitze-Hacke-Spitze-hoch-das-Bein" zu turnen.
Schwer getroffen, auch wenn ich mit der Wahrheit an sich leben kann (erkenne ich sie doch auch) hat mich dann gestern abend die Aussage einer (an sich) lieben Bekannten, die mich lange (sehr lange) nicht hat reiten sehen): Birte, neben den sichtbaren Reitfehlern - manmanman - auf dem Pferd sieht man aber, wie sehr Du wieder zugenommen hast - das muss aber wieder runter...
Ich habe den Abend dann mit meiner Flasche Bier verbracht...
So, das war der erste Teil. in 20 Minuten breche ich dann zum nächsten auf: es geht nach Reken -> Sitztraining "leichter Sitz", vier Tage lang. Ich hab ein kleines Bisschen Angst... (vor den Schmerzen!)
Ich melde mich!
Euch allen einen schönen Feiertag!
Fidelma