Hjerkinns Gegendarstellung
Mit freundlicher Genehmigung von Gastautorin Birgitt 
Tja, da hatte ich wieder einmal Besuch. Ich liiieeebe Besuch, wenn er mir was Nettes mitbringt (vorzugsweise was zum Fressen) und mich ansonsten knuddelig findet und des weiteren in Ruhe lässt.
Aber diese Besucherin hatte anderes im Sinn. Birte heißt sie übrigens, hab ich gehört.
Also, mal vorweg, die Birte ist total nett! Echt!
Und sie hat mich auch viel gründlicher geputzt als meine Chefinnen. Dann aber ging’s los.
Satteln, Aufsitzen. Ah... bestimmt soll ich sie die kleine Runde durch den Wald tragen. So
wie Teddy damals. Das macht Spaß!
Runter vom Hof und da treffen wir mein Zweitfrauchen, Marion, die meinem Frauchen und mir immer was zu sagen hat. Die kommt auch zu Fuß mit. Also, DAS hätte mir schon zu denken geben sollen! Aber ich bin ja die Gutmütigkeit in Person. Latschen wir einfach mal los.
Bis zum Nachbarhof. Und da will die Birte doch auf den Hof abbiegen! :augenbrauen
"Wie, auf den Reitplatz? Arbeiten?"
"Birte, du weißt aber schon, dass es Mittag ist und ich eigentlich Pause habe (immerhin hab ich vier anstrengende Weidestunden hinter mir!)"
"Und heiß ist es auch! Viel ZU heiß! Und überhaupt werde ich NIE mittags geritten! Komm abends wieder, wenn's denn schon sein muss!" <schnaub>
"Nicht? Na, bild dir nicht ein, dass du mir was zu sagen hast! Ich latsch jetzt ein bisschen hier rum, weil ich ja ein netter Kerl bin, aber dann ist's auch gut!" - tapertapertaper
"He, lass mal die Nerverei mit den Beinen! Waaas? Du haust mich? Also gut... einen Schritt schneller... aber auch nur, weil ich nett bin... und auch nicht lange!" <schiel zu Marion> Marion geht zum Viereck und gibt Birte Kommandos.
"Ach du Sch**** ... jetzt mischt sich die Co-Chefin noch ein. Die meinen das ernst!"
„Ohoh..... Na gut, könnt ihr haben! phhhh" <ohrennachhintendreh>
“Also, Haltung annehmen, etwas fleißiger gehen (aber wirklich nur etwas...)
"Dann tu ich jetzt mal so, als würd ich arbeiten!"
„Ich kann ja auch mal ein bisschen durchstarten... vielleicht mag sie dann nicht mehr?“
gib Gas...
„Nee, nutzt nix.. Boah... sachma... kannste dich jetzt mal entscheiden, ob Schritt, Trab oder Galopp? Dieses ständige Rauf- und Runterschalten ist ja vollkommen nervig!“
„Und jetzt auch noch rückwärts? Du meinst wirklich RÜCKWÄRTS? Na, dann viel Vergnügen... aber ohne mich!“
Da mischt sich doch die Marion wieder ein. Mist aber auch. Also, na gut... ein bisschen rückwärts. Und nicht zu zügig, nur damit da mal kein Missverständnis aufkommt und die Birte meint, sie hätte gewonnen!“
Uff und dann hat sie doch die Nase voll! Grade rechtzeitig, bevor ich mich ernsthaft hätte anstrengen müssen! Sie ist dann abgestiegen, bisschen eigenwilligen Stil hat sie, sie legt sich neben das Pferd und springt nicht auf die Füße. Aber das muss ja jeder selber wissen, wie er das gern hat!
Und dann klettert mein Frauchen auch noch in den Sattel. hm... da muss ich mich wohl ein bisschen mehr zusammenreißen, denn schließlich kauft sie immer mein Futter. Machen wir also noch eine Dressuraufgabe durch und ich schiel so ein bisschen zur Birte rüber. „Gell, ich kann auch anders
Liebe Birte, nix für ungut, aber mich muss man sich verdienen! Ich bin schließlich ein Charakterpony!“
Beinah Dein Hjerkinn
Fidelma trainiert Kampfsport
Ich kann es sagen: ich habe meinen vierhufigen Meister gefunden! Sein Name ist Hjerkinn und er ist ein Norwegisches Fjordpferd.
Der Fidelmamann bekommt noch die Pimpanellen: er meint, wenn es um Pferde ginge, hätte ich jegliches Verhältnis zu Entfernungen verloren. So machte ich mich dann auch letzten Sonntag morgens in der Frühe auf ins Rheinland, nahm einen kilometerlangen Stau und ungefähr weitere 70km Umwegs wegen Umfahrung desselben auf mich, um mit Hjerkinn zu trainieren. Also so richtig sicher bin ich mir nicht mehr, wie es nun genau dazu kommen konnte, aber ich werde ihn in am 2. und 3. August in Grünberg beim Fjordpferdecup reiten. Ich weiß noch, dass es etwas mit Andrea und Kutsche und Gut Beningsfeld und dem Birgitt (Hjerkinns Besitzerin) zu tun hatte - und meinem ausgeschalteten Hirn in Kombination mit meinem vorschnellen Mundwerk. Sei's drum. Genannt ist genannt - zurückrudern gilt nicht! Ich habe einen Dressurreiterwettbewerb und eine E-Dressur gemeldet. Und das alles mit einem Pony, auf dem ich vor 1,5 Jahren mal ein paar Minuten saß und das ich, außer an diesem Sonntag, kein weiteres Mal werde reiten können. Mal wieder eine völlig irre Idee.
Freitags zuvor hatte mich zu Hause die liebe Nadine ihren Lillebror reiten lassen und so konnte sich mein Allerwertester nach einigen warmblütigen Monaten schon einmal etwas auf Pony einstellen.
Ich komme etwa eine Stunde nach der verabredeten Zeit an Hjerkinns Zuhause an (zum Glück gibt es Handys!) und erblicke die fleißige Birgitt beim Weideabäppeln. Nachdem ich mich zu ihr gesellt habe ertönt das laute Brummen eines Geländewagens und es folgt ein fleißiger Austausch freundlichen Gewinkes als die Fahrerin aussteigt. Dies sei, so teilt Birgitt mir mit, ihre liebe Reitlehrerin Marion, die gekommen sei, weil "sie sich das Schauspiel nicht entgehen lassen wolle". Spätestens in diesem Moment und bei dieser Aussage hätten bei mir alle Alarmglocken schrillen sollen. In einem Anfall meines üblichen Größenwahns ("Das wird schon...") und vorrübergehender Taubheit nehme ich diesen Satz aber nicht zu Kenntnis...
Wir holen's Pony, ratschen lange und ich mache ihn, der einfach nur knuddelig guckend am Band steht (Oh jaaa! Knuddelig gucken kann er wie kein Zweiter!) reitbereit. Hjerkinn ist bekannt für seine Blitzstarts, und auf eben jene hatte ich mich auch moralisch eingestellt. Auf alles andere nicht.
Im Viereck angekommen merke ich zunächst, dass er nicht wirklich vorwärts laufen möchte. "Och, nööö..." Ich fummel mich im Schrittschleich etwas ein und bekomme von Birgitt und Marion die Ansage "Übergänge, Übergänge und Übergänge" zu reiten. Zunächst testet Hjerkinn mich nur wenig - "Zirkel? Ach, neee..." - "Ecke ausreiten? - Phhhhh..." - "Flotter? - Pah!" Ich beginne zu schwitzen. Ganz leise reift in mir die Erkenntnis, dass wir vielleicht doch nicht wirklich ein Dreamteam auf Anhieb sind... Etwas unmotiviert trabt er auf mein Geheiß hin an. Meinen beiden zusehenden Damen gebe ich zwei Dinge mit: "Wundert Euch nicht über meinen Kopf, der wird immer rot - ich fall schon nicht vom Pferd!" - und - "Bitte sagt mir, was ich tun soll - Ihr kennt ihn und wisst am Besten, wie man ihn löst..." Sie grinsen nur.
Ich reite also die geheißenen Übergänge und Bögen - ich bekomme ihn zwar immer in die nächst höhere Gangart, aber irgendwie klappt es nicht wirklich. "Oh, Himmel" denke ich "Wie sollen wir nur ansatzweise korrekt durch eine Prüfung kommen? Das wird ja ein Desaster!"
"Mach Dir nix draus, der testet nur..." schallt es von den Frauen an der Bande "Das tut er immer! Liegt nicht an Dir..." *schluck*
Sehr schnell merke ich, dass ich in den letzten Monaten wohl gelernt habe, mich ansatzweise gerade auf einem Pferd zu halten, aber eines wirklich zu REITEN, davon bin ich meilenweit entfernt. Und plumps falle ich auch schon wieder in alte Bewegungsmuster. Goldsuchersyndrom, ich knicke rechts ein, trabe sogar auf dem falschen Fuß leicht... Zwei kleine Diskussionen über "Und was sagst Du, wenn ich mich erschrecke? Hm? Bekommste Angst?" beende ich mit einem klaren "Nein!" was das Pony mit einem deutlichen "Sch***e!" und eher gesteigerten Trotzreaktionen quittiert. Marion hält es nicht mehr an der Bande. Diesem Übel kann sie nicht tatenlos zusehen. Sie steht plötzlich in der Bahn und erteilt mir Anweisungen. Traben, Volte, angaloppieren, durchparieren, traben, Volte, abgaloppieren... usw. Irgendwann kommen wir zum Rückwärtsrichten. Und da geht es dann endgültig los.
Meine Hilfen stimmen einigermaßen, aber Hjerkinn sagt einfach nur "NEIN!" Ich sag "DOCH!" und dann geht es nur "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - "NEIN!" - "DOCH" - NEIN!" Er legt die Ohren an und fletscht die Zähne. Hjerkinn ist sauer.
"Uiuiui!" meinen meine Zuschauerinnen "Heute mimt er aber heftigst den Clown." Mittlerweile sehen uns noch mehr entgeistert bis höhnisch blickende Menschen zu. Marion nimmt meine Gerte und damit die Sache in die Hand. Darauf war Hjerkinn nicht gefasst und er fügt sich widerwillig (äußerst widerwillig!) in sein Schiksal. "Wirklich," sagt sie "es liegt nicht an Dir, das tut er immer - nur nicht immer so heftig... Aber er testet IMMER!" Ich bekomme einen Mordsrespekt vor Birgitt und Madu und Marion. Außerdem frage ich mich, ob die das nur sagen, damit ich mich nicht allzu mies fühle?
Ich habe meinen Meister gefunden. Eindeutig. Dieses Pony ist eine echte Herausforderung. In den letzten vier Jahren und besonders den letzten Monaten bin ich viele Pferde geritten: solche, die sich ständig künstlich aufregten, welche, denen alles egal war, wenige echte Professoren, die nur dann mitmachten, wenn man selbst alles richtig machte, einige, die man erst überreden musste, Rennsemmeln und auch Selbstläufer. Aber so stur wie Hjerkinn, nein, das habe ich wirklich noch nicht erlebt! Selbst mein Scheckentier (und der war wirklich auch stur!) war ein Karussellpferd gegen ihn.
Dann liest Marion die erste Aufgabe vor. Oh je... Ooohhh jeee... Es ist nicht so, dass wir nicht durchkommen, aber schön geht anders. Zumindest bekomme ich ihn ansatzweise gepackt. Zum ersten Mal an diesem Tag. Aber er braucht nicht viel, um sich, und damit auch mich, wieder auszuhebeln.
Beim Galoppieren bekomme ich einen Krampf in beiden Waden. Aua.
Marion gönnt uns keine Pause, lässt sofort nach der Aufgabe Schenkel im Trab weichen (links kann ich das ja nichtmal vernünftig im Schritt, aber rechts klappt es so lala), wieder Volten, wieder Übergänge, einfache Hand- und Galoppwechsel. "Der kann das alles, aber man muss ihn erst überzeugen" ruft sie. Ach, echt? Irgendwann brüll ich nur noch aus dem letzten Loch pfeifend "Pause!" Hjerkinn hat kein nasses Haar! "Du wolltest doch gefordert werden..." grinst Birgitt.
Dann geht es in die zweite Aufgabe. Diese klappt deutlich besser und ich bekomme Hjerkinn etwas besser gepackt und er arbeitet sogar ansatzweise mit. Die Aufgabe an sich ist etwas höher in den Ansprüchen. Das scheint auch ihm zu gefallen. "Besser" sagen beide Frauen "...aber gut nicht" füge ich in Gedanken hinzu. Marion meint, blamieren werde ich mich nicht. Ein "Aber..." wabert unausgesprochen über dem Reitplatz. Wir wollen es gut sein lassen, beschließen wir, aber Birgitt soll noch ihre Aufgaben durchreiten. Und beim Absitzen passiert es dann: Platsch, da liegt die Birte auf dem Boden! Der Boden war irgendwie näher als sonst und urplötzlich da. Wie eine Schildkröte lieg ich auf dem Rücken. Während Hjerkinn, Birgitt und Marion gleichermaßen verdutzt auf mich herabsehen kugel ich mich im Sand über meine eigene Tollpatschigkeit.
Birgitt reitet ihre Aufgabe wirklich prima durch und wir beenden die Reiteinheit. Marion fährt nach Hause und auf dem Weg zum Stall fragt Birgitt mich besorgt, ob ich jetzt sehr frustriert und enttäuscht sei. Nein, bin ich nicht. Sie solle sich vorstellen, alles hätte wie am Schnürchen geklappt und Hjerkinn hätte mir erst in Grünberg gezeigt, was er von mir hält. Dann wäre ich ja erst Recht in Nöte gekommen. So weiß ich nun, was mich erwartet aber auch, dass ich ihn grundsätzlich gepackt bekomme. Gibt halt nur kein schönes Gereite und vermutlich viel zu lachen, wie Andrea schon angemerkt hat... Nach Durchsicht des Videos, das Birgitt von mir und Hjerkinn gedreht hat (nein, Ihr bekommt es nicht zu sehen - Ihr sehr es dann ja live) bin ich davon überzeugter denn je und habe meine Ansprüche gen Null geschraubt... Aber egal, dabei sein ist alles!
Auf dem Video ist übrigens auch zu sehen, dass Hjerkinn zu keiner Sekunde unter mir gelitten hat. Im Gegenteil: er lief ganz locker und flockig mit leicht schwingendem Schweif - er war wirklich einfach nur stur!
Birgitt und ich beendeten den frühen Nachmittag mit von ihr gebackenem, leckeren Apfelkuchen und amüsieren uns noch etwas über den Ponymann, der wieder wie der Unschuldsengel persönlich da steht. Ich lese Christophers (Birgitts Sohn, im Forum Sunnyboy1) letzten Eintrag. Er endet mit: "Hjerkinn ist ein stolzes Ross!" Wie Recht er doch hat! Stolz und eigensinnig. Und falls hier ein anderer Eindruck entstanden ist: Ich finde Hjerkinn einfach großartig!
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